Elektronische Übersetzer Talk to me!

Langenscheidt will mit "TransSpeak" Globetrotter vor Fettnäpfchen im Ausland bewahren. Die neue Übersetzungslösung ist Teil eines Trends zu mobilen Sprachhelfern. Hat der Last-Minute-Reiseführer mit dem Mini-Wörterbuch im Glossar ausgedient?

Von Frank Magdans


Drei Männer sitzen im Biergarten. Einer von ihnen gibt die Bestellung auf: "Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen." Daraufhin bekommen die Herren von der Bedienung ihr Bier gebracht. Freudestrahlend bedankt sich der Mann: "Gute Reise."

Dieser Fernseh-Werbespot mag witzig-flott sein - ist aber wohl ein bisschen realitätsfern. Im echten Biergarten wäre so ein Gespräch eher ein peinlicher Moment, in dem kein Beteiligter so recht wüsste, was der eine denn nun tatsächlich vom anderen will. Jetzt soll digitale Hilfe vor solchen Fettnäpfchen bewahren.

Übersetzungshilfen: Sattes Angebot von Preiswert bis Profipreis - und höchst unterschiedliche Qualitäten

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Langenscheidt zum Beispiel hat eben eine neue Übersetzungslösung namens "TransSpeak" vorgestellt. Ist das Programm auf dem Pocket PC oder Smartphone installiert (was übrigens nur unter "Windows Mobile" funktioniert), kann der Anwender auf eine Datenbank zugreifen. Diese verwaltet rund 1200 Sätze, die im Alltag häufig benötigt werden. Fragen wie "Wo bitte ist die nächste Toilette?" werden ins Englische, Französische und Spanische übersetzt, wenn man die Mehrsprachen-Version gekauft hat. Ansonsten gibt es nur eine Zielsprache.

Weil "TransSpeak" zusätzlich mit einer Spracherkennung ausgestattet ist, hat der Nutzer die Option, den zu übersetzenden Satz ins Mikrofon des Geräts zu sprechen. Wer sich in lautstarker Umgebung befindet, zum Beispiel am Bahnhof oder Flughafen, kann die Software so einstellen, dass sie die Stimme des Nutzers deutlicher herausfiltert.

Allerdings zeigen sich im Test insgesamt Schwächen, falls der gesuchte Satz nicht in der Datenbank enthalten ist. Um dem vorzubeugen, haben die Produzenten diverse Themenbereiche wie Reise, Einkaufen, Smalltalk, Hotel, Sport oder Medien kategorisiert. Via Klick auf ein Symbol - ein Koffer steht zum Beispiel für Urlaub - wird das jeweilige Sujet aufgerufen, und man kommt dem Ergebnis schnell näher. Wenn jemand auf dem Flug nach Thailand nicht weiß, wie er das Formular für die Zollbehörde auszufüllen hat, wird er in der Sektion Reise fündig und kann um Hilfe bitten: "Please show me how to fill in this form." Wer aber nach einem Fitnessstudio Ausschau hält, muss in seiner Frage das Wort "Fitnesszentrum" verwenden, sonst kommt heraus: "Es seguro nadar aquí?" Das heißt: "Ist es ungefährlich, hier zu schwimmen?"

Wunder darf niemand erwarten

Wer von Übersetzungslösungen Wunder erwartet, wird immer enttäuscht. Selbst hochwertige und teure Computerprogramme transformieren nur in wenigen Fällen hundertprozentig korrekt die eine Sprache in die andere. Wer also glaubt, dass sich mit Linguatecs "Personal Translator" oder Langenscheidts "T1" komplette Artikel sowohl vom Englischen ins Deutsche oder umgekehrt übersetzen lassen, der irrt. Lediglich simpel gestrickte Subjekt-Prädikat-Objekt-Konstruktionen werden gemeistert. Bei Idiomen hört der Spaß auf. Will man wissen, wie es auf Englisch heißt, wenn jemand einem anderen etwas vor der Nase wegschnappt, verweist "T1" auf das Lexikon.

Wieso sollte es sich also für einen Studenten lohnen, mehr als doppelt so viel Geld wie für ein Wörterbuch auszugeben? Professionelle Übersetzer (die meist "Trados" nutzen) sehen in der Software vor allem ein Hilfstool, das Routineaufgaben übernimmt und Zeit spart.

Zum schnellen Nachschlagen während einer Reise eignen sich vor allem handliche Geräte von Casio, Seiko oder Sharp. So wiegt der Multi-Title-Dictionary GR-T7000 von Seiko gerade mal 200 Gramm und verfügt über die Substanz von fünf Wörterbüchern. Sechs Nachschlagewerke sind es sogar bei dem im November erscheinenden Ex-Word EW-G3500 von Casio. Mit diesen kleinen Dingern kann man konstruktiv arbeiten.

Konstruktiv hätte auch "TalkMan" sein können, ein Titel, den Sony im Sommer für die PlayStation Portable (PSP) herausgebracht hat. Aber die Spracherkennung lässt sehr viele Wünsche offen. Denn wie das kleine Mikrofon, das zusätzlich in die Hardware gesteckt werden muss, die Stimme aufnimmt, ist oft haarsträubend. Da fragt man nach einem Menü für Vegetarier und bekommt drei andere Fragen als Übersetzung serviert - obwohl die gesuchte Frage tatsächlich in der Datenbank existiert. Erst wenn man den Satz exakt so ins Mikrofon spricht, wie er dort gespeichert ist, erscheint die richtige Lösung. Das zieht den Prozess unnötig in die Länge und macht die ganze Sache redundant. Von Qualität wie bei "TransSpeak" kann nicht die Rede sein, obgleich die Unterschiede bloß minimal sind

Ohne Basiswissen geht es selten

Spracherkennung ist eben "immer noch eine komplexe Wissenschaft", sagt der Geschäftsführer von Linguatec, Reinhard Busch. Was bei "TalkMan" gefällt, ist der Ansatz, dass eine digitale Figur als Übersetzer fungiert. Außerdem deckt die Software viele Sprachen ab, darunter auch Japanisch. Nur hat man erst dann etwas davon, wenn man weiß, wie die Übersetzung in die asiatische Sprache richtig ausgesprochen wird. Daher sollte man schon ein bisschen Japanisch beherrschen, wenn man zum Beispiel dem Hotelier sagen möchte, dass das Zimmer nicht gereinigt wurde. Denn jemandem die PSP vors Gesicht zu halten, macht sich nicht besonders gut – es sieht einfach doof aus. Im Notfall kann es dennoch helfen.

Man mag es drehen und wenden, wie man will. Für den Einsatz im Urlaub reichen selbst die Wörterbücher der Langenscheidt-Marke Polyglott. Deshalb dürfte es auch niemanden überraschen, dass der Münchener Verlag lediglich zehn Prozent seines Umsatzes mit elektronischen Produkten erwirtschaftet, wie Konzernsprecher Bernhard Kellner mitteilt. Allerdings habe die Anzahl an Downloads des e-Handwörterbuchs Englisch die Verkaufszahlen der physischen Produkte mittlerweile überholt. Insofern ist auch mit "TransSpeak" ein Schritt in die richtige Richtung getan. Für technikaffine Business-People sind derartige Lösungen nämlich attraktiv. Als mobiles Nachschlagewerk eignet sich aber vor allem Seikos GR-T7000.



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