Exklusiv-Interview mit Bill Gates "Ich habe noch viele Jahre Arbeit vor mir"

2. Teil: "WiFi ist die wichtigere Technologie": Gates zu Funktechniken und UMTS, zum Wohnzimmer der Zukunft, zum Luxus seines Hauses und zur Frage der Anbindung der Dritten Welt. Weiter...


SPIEGEL ONLINE: Welche Bedeutung haben da die Mobilfunktechnologien Wifi und UMTS für Ihre Vorstellung des "Smart Living"?

Gates: Wifi und 3G ergänzen sich. In mehrerlei Hinsicht ist Wifi dabei die wichtigere Technologie, da diese im Büro, zu Hause und an jedem Ort, an dem man sich längere Zeit aufhält, wie etwa auf Flughäfen, in Hotels oder Kongresszentren, verfügbar ist. Wifi wird bald an all diesen Orten sein und ist zudem ein äußerst wichtiger Teil unserer Vision, Daten überall im Haus abrufen zu können - so etwa auf kleinen Displays am Kühlschrank. Im Gegensatz zu UMTS wird Wifi allerdings nie flächendeckend verfügbar sein, entsprechend werden beide Technologien nebeneinander existieren.
Aber Wifi ist aufgrund der hohen Bandbreite, der niedrigen Kosten und der einfachen Installation eine äußerst attraktive Technologie. Wir unterstützen diese Technologie, sind da eines der aktivsten Unternehmen, setzen aber natürlich gleichzeitig auf UMTS, so etwa mit Mobiltelefonen der dritten Generation oder beim Tablet-PC.

SPIEGEL ONLINE: Schöne neue Welt: Alle denkbaren Gerätschaften in harmonisch funkender Kooperation. Wie sieht eigentlich Ihr Wohnzimmer aus?

Wohin, Gates?
AP

Wohin, Gates?

Gates: Interessanterweise wurde die erste Version von Windows XP Media Center für mein Haus entwickelt. Ich habe die Möglichkeit, im ganzen Haus über Touch-Screens Musik und Filme aufzurufen oder mich zu vergewissern, dass meine kleine Tochter ruhig schläft. Zudem verfüge ich über verschiedene Displays in der Art von Bilderrahmen, auf denen aus dem Netz übertragene Bilder dargestellt werden. Damit ist die Ausstattung meines Hauses nach wie vor noch ein bisschen weiter entwickelt als das, was derzeit auf dem Markt zu haben ist. Außerdem teste ich natürlich auch die meisten Produkte, die wir entwickeln - so etwa auch Tablet-PCs, die ich nun für alle meine Notizen benutze. Seit kurzem trage ich beispielsweise auch eine Spot-Uhr.

SPIEGEL ONLINE: Mit den "Smart Devices" kündigen Sie den Anbruch der digitalen Dekade gleich weltweit an. Bislang sieht die Realität jedoch so aus, dass eine tiefe digitale Kluft existiert. Glauben Sie wirklich, dass etwa die Dritte Welt von Ihren Entwicklungen profitiert?

Gates: Es existiert ja längst nicht nur eine große digitale, sondern eine ganz generelle Kluft. Als wir sagten, dass die Menschen bis Ende des Jahrzehnts den "Digital Lifestyle" leben, meinten wir natürlich die Industrieländer. So sehr ich es mir wünschen würde, dass alle Menschen auf der Welt so leben könnten. Immerhin verkleinern Technologien die Kluft, den Abstand zwischen Reich und Arm. So beispielsweise in Indien, wo Millionen von Arbeitsplätzen im Bereich der Software-Entwicklung geschaffen werden konnten. Das Internet macht es möglich, dass die Erste Welt ihr Wissen mit weniger entwickelten Ländern teilen kann und dort Jobs entstehen.

SPIEGEL ONLINE: Microsoft ist das mächtigste Softwareunternehmen der Welt. Gibt es da überhaupt noch Ziele?

Gates: Ich bin jetzt 47 und habe daher erst mal wohl noch zehn Jahre Arbeit vor mir. Der ursprüngliche Traum von Microsoft war es, den PC zu einem herausragenden Instrument zu machen, das alle möglichen Dinge verbinden kann. Diesen Traum konnten wir bislang nur zum Teil verwirklichen. Schließlich benutzt man nach wie vor das Telefon zum Telefonieren und nicht den PC. Auch die Art und Weise, wie wir Informationen finden und analysieren, ist noch lange nicht dort, wo sie sein sollte. Und die interaktive Unterhaltung ist bislang mehr oder weniger auf Videokonsolen beschränkt.
In zahlreichen anderen kleinen Bereichen wie in der Computersicherheit oder dem Schutz der Privatsphäre gibt es ebenfalls noch sehr viel zu tun. Daher hoffe ich, dass Microsoft in den nächsten zehn Jahren Software entwickeln kann, die diese Dinge ermöglicht.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht es mit Bill Gates weiter in dieser digitalen Dekade?

Gates: In meinem Privatleben unterscheide ich mich eigentlich nicht von anderen Leuten. Ich habe Kinder, mit denen ich möglichst viel Zeit verbringen möchte, und hoffe, dass meine Familie gesund bleibt. Ich bin mir ganz sicher, dass meine persönlichen Träume damit ganz genau dieselben sind wie Ihre.

Mit Bill Gates sprach Jochen A. Siegle im Las Vegas Hilton



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