Explodierende Akkus Lenovo ruft 526.000 Laptops zurück

Nach Dell, Apple und Toshiba ruft nun auch Lenovo Laptops zurück in die Werkstatt. Grund ist einmal mehr ein Sicherheitsproblem mit brandgefährdeten Lithium-Ionen-Akkus, die auch hier Sony zuliefert. Den japanischen Elektronikriesen kostet das 200 Millionen Dollar - und viel schlechte PR.


So etwas nennt man wohl Erblast: Noch nicht einmal zwei Jahre nach Übernahme der PC-Sparte von IBM bekommt der chinesische Hersteller Lenovo kostspielige Probleme mit seinen Laptops. Grund ist wie schon zuvor bei Dell, Apple und Toshiba ein Bauteil, dessen Kern zugeliefert wird: Es geht um die Lithium-Ionen-Akkuzellen von Sony. Die hatten sich in mehreren Fällen als brennbar, unter Umständen sogar explosiv erwiesen, zuletzt war es zur Entzündung eines Lenovo-Thinkpad-Laptops auf dem Flughafen von Los Angeles gekommen.

Lenovo/IBM-Thinkpads: Die chinesische Firma hatte die PC-Sparte von IBM im Dezember 2004 für 1,25 Milliarden Dollar aufgekauft
REUTERS

Lenovo/IBM-Thinkpads: Die chinesische Firma hatte die PC-Sparte von IBM im Dezember 2004 für 1,25 Milliarden Dollar aufgekauft

Die Akkus könnten sich erhitzen und möglicherweise einen Brand auslösen, teilte Lenovo am Donnerstag in New York mit. Betroffen sind weltweit rund 526.000 Lithium-Ionen-Akkus von Sony, die zwischen Februar 2005 und September 2006 verkauft wurden. Fünf bis zehn Prozent der in diesem Zeitraum verkauften Lenovo-Laptops seien betroffen. Ob ihr Gerät dazu gehöre, könnten Lenovo-Kunden auf der Webseite des Herstellers erfahren. Für den Kunden sei der Rückruf kostenlos.

Kostspielig wird die Rückrufaktion dagegen nicht nur für Lenovo, die die auf Sony-Akkus basierende Konstruktion der Thinkpads von IBM übernommen hatten, sondern auch für Sony selbst. Wohl nicht nur aus Imagegründen nimmt der japanische Elektronikriese nun insgesamt rund 6.760.000 Akkus von den von ihm belieferten Unternehmen zurück. Der Firma entstehen dadurch Kosten, die auf über 200 Millionen Dollar geschätzt werden. Sony hatte sich auf freiwilliger Basis, wie die Unternehmensleitung betont, zur Rücknahme der beanstandeten Akkus bereit erklärt. Die Austauschaktion soll heute weltweit anlaufen.

Überreizte Technologie?

Nicht nur für die betroffenen Laptop-Hersteller, besonders für Sony ist das alles ein Desaster. Dass die von Sony verkauften Lithium-Ionen-Akkus flüssige und brennbare Komponenten enthielten, war klar. Wie gefährlich das ist, hängt vor allem von der Art und Weise ab, wie diese Zellen im Akku-Pad ummantelt sind. Zugeständnisse an flaches Design oder Laptop-Gewicht könnten hier die Risiken erhöht haben, dass sich im Falle eines Kurzschlusses die flüssigen Komponenten des Akku-Pads entzünden. Auf einen Streit über solche Fragen lässt es Sony aber gar nicht ankommen und zeigt sich lieber kulant: Schlimm genug, dass die Sony-Akkus vor Monaten noch als mit die besten der Welt galten, inzwischen aber von Witzbolden als eine Art Brennstoffzelle verhöhnt werden.

Schlecht ist all das für den gesamten Laptop-Markt. An Lithium-Ionen-Akkus geht derzeit kaum ein Weg vorbei. Gestiegene technische Anforderungen wie die immer höher ansetzenden Erwartungen der Kunden haben die Akku-Technik jedoch an ihre Grenzen geführt und mitunter möglicherweise darüber hinaus. Immer mehr Leistung bei immer mehr Laufzeit ist mit Lithium-Ionen nicht mehr zu machen. Versuche der Industrie, beispielsweise mit Brennstoffzellen einen Ersatz zu schaffen, haben bisher keine Marktreife erreicht.

Da kam folgende Nachricht gerade zur rechten Zeit: Auf dem Intel Developers Forum (IDF) stellte das US-Unternehmen Zinc Matrix Power am Mittwoch eine neue Technologie als sichere Alternative zu etablierten Stromspeichern vor: Silber-Zink-Akkus. Nach Angaben des Firmenchefs Ross Dueber sprechen drei Argumente für den Erfolg der neuen Technologie. So soll deren auf Silber, Zink und Wasser basierende Chemie sehr sicher und ihre Leistung höher als die von Lithium-Ionen-Akkus sein. Zudem sollen sich die Endprodukte vollständig wieder verwerten lassen. Bereits Anfang 2007 will das Unternehmen erste Produkte zum Test an verschiedene Hersteller ausliefern.

pat/kremp/AFP/rtr



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