Explosive Akkus Toshiba erwägt Klage gegen Sony

Sony hat ein zunehmend teures Problem. Der Rückruf brandgefährdeter Akkus schadet Bilanz und Image, und jetzt erwägt Toshiba, Sony deshalb zu verklagen. Gut möglich, dass sich da schnell andere anschließen.

Über acht Millionen Sony-Akkus wurden in den letzten zwei Monaten per Rückrufaktion aus dem Verkehr gezogen, weil diese sich nach Angaben des Unternehmens "in seltenen Fällen" überhitzen und explodieren könnten, zumindest aber brandgefährdet seien. Das Gros dieser Akkus war in Laptops anderer Unternehmen verbaut, die Sony mit seinen Energiezellen beliefert. Schätzungen zufolge sollen Sony diese Rückrufe schon jetzt zwischen 340 und 510 Millionen Dollar kosten – und das wird sich offenbar in den aktuellen Quartalszahlen niederschlagen.

Am Dienstag ließ Sony jedenfalls andeuten, die Gewinnerwartung für das laufende Quartal wohl nach unten korrigieren zu müssen. Ein weiterer Schlag für das Prestige einer Firma, die im Elektronikmarkt über Jahrzehnte fast synonym für Qualität und Innovation stand. Aktuell sieht das anders aus: Sony fährt seit Jahren in schweren Wassern. Den MP3-Boom hatte das Unternehmen fast komplett verschlafen, stattdessen auf eigene Formate gesetzt. Allein der exorbitante Verkaufserfolg der Spielekonsole Playstation 2, die ihren Markt über ein halbes Jahrzehnt dominierte, sorgte zeitweilig dafür, dass Sony weiterhin gesunde Ergebnisse vorweisen konnte.

Kurz vor dem Verkaufsstart des Nachfolgemodells PS3 in Europa deutet sich nun aber an, dass es Sony schwer fällt, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Microsofts Konkurrenzprodukt Xbox 360 ist bereits seit letztem November auf dem Markt, während Sony das Weihnachtsgeschäft mit der PS3 in weiten Teilen der Welt verpassen wird. In den USA und Japan wird der Verkauf zum November beginnen, anderenorts ist die PS3 auf den März nächsten Jahres verschoben. Vor drei Wochen sorgte Sony mit der Ankündigung, die PS3 in Japan billiger anbieten zu wollen als im Rest der Welt, für zusätzliche Irritationen.

Den bisher heftigsten Tiefschlag aber handelte sich Sony mit seinen Lithium-Ionen-Akkus ein. Nachdem es im Sommer einzelne Berichte über brennende Laptops gegeben hatte, begannen mehrere Laptop-Hersteller, die von Sony mit den wiederaufladbaren Batteriesätzen beliefert werden, mit Rückrufaktionen. Die Gesamtzahl der zurück gerufenen Energiepäckchen summiert sich inzwischen auf über acht Millionen.

Toshiba fühlt vor

Ein wirtschaftlicher wie Imageschaden für Sony – aber auch für die Geschäftspartner. Nun ließ Toshiba wissen, dass das Unternehmen nun eine Klage gegen Sony erwägt, wie unter anderem das "Wall Street Journal" und die "Times" berichten. Grund der Klage: Umsatzausfälle und Schädigung des Markenimages. Das kann teuer werden.

Eine endgültige Entscheidung über das Einreichen einer Klage sei allerdings noch nicht getroffen, ließ Junko Furuta, Sprecher von Toshiba, die Nachrichtenagentur AP wissen – möglicherweise eine Einladung an Sony, die Affäre durch eine Erhöhung der bisher in Aussicht gestellten Kompensation aus der Welt zu schaffen.

Da könnten sich noch so einige Unternehmen anschließen. Betroffen ist so gut wie jeder größere Laptop-Hersteller. Toshiba hatte angekündigt, rund 830.000 Akku-Sätze austauschen zu müssen. Eine mächtige Zahl, aber Peanuts im Vergleich zu den 1,8 Millionen Apple- und 4,2 Millionen Dell-Rückrufen.

Die aber halten sich bisher bedeckt, wie Hewlett-Packard, Lenovo und einige andere weniger stark betroffene Hersteller wie Sharp oder Acer. Zumindest Hitachi und Fujitsu aber scheinen sich die Möglichkeit einer Klage offen zu halten, wie das "Wall Street Journal" berichtet – allerdings ohne bisher konkrete Pläne in dieser Hinsicht zu verfolgen.

So will Fujitsu erst einmal Sony um Deckung der Kosten für die Rückruf- und Austauschaktion bitten, wie Firmensprecher Toshiaki Koike erklärt. Darüber hinaus müsse das Unternehmen erst einmal klären, wie hoch der entstandene Schaden tatsächlich sei. Eventuell werde das Unternehmen dann auch "andere Möglichkeiten der Kompensation" erwägen.

So ähnlich klingt das auch bei Hitachi, die etwa 16.000 Akkus aus Sony-Fertigung zurück riefen. Laut Firmensprecher Masayuki Takeuchi sei auch für Hitachi eine Klage denkbar, wenn das Unternehmen Umsatzeinbußen oder Imageschäden feststellen sollte. Jetzt aber habe erst einmal der Austausch der fehlerhaften Akkus oberste Priorität. Alles weitere werde man dann mit Sony besprechen.

pat/AP/rts