Film-Verschlüsselung Ärger um Apples Macbook

Apples neues Notebook strotzt vor Innovationen. Eine davon macht vielen Anwendern das Leben schwer: Ein Kopierschutz verhindert bei einigen gekauften Filmen das Abspielen auf großen Bildschirmen. Bei den Betroffenen macht sich Wut breit - dabei ist das Problem nicht auf Apple beschränkt.

Von


Als das neue Macbook vorgestellt wurde, war die Begeisterung noch groß. Ist ja auch klar, das Ding ist einfach schick, ganz aus einem Aluminiumblock gefräst, stabil und trotzdem leicht. Und voller Hightech steckt es auch: stromsparendes Display mit LED-Beleuchtung, moderne Intel-Prozessoren, Touchpad mit Gestensteuerung, fast wie beim iPhone. Monitore werden über einen sogenannten Mini-Displayport, das ist ein ganz neuer Standard, angeschlossen - und genau der sorgt jetzt für Aufregung.

"Ich habe gestern einen Film aus dem iTunes Store geliehen, und als ich versuchte, ihn auf meinem externen Bildschirm anzuschauen, bekam ich eine Warnmeldung, das Display sein "kein autorisiertes HDCP-Display", klagt ein Anwender mit dem Forumsnamen macxyourmacs in Apples Support-Forum. Er berichtet von seinem nagelneuen Macbook. Gerade eine Woche sei es alt und bereite ihm schon den ersten Kummer.

Maxyourmacs ist nicht allein. Binnen weniger Stunden erhielt er 30 Antworten auf seine Meldung, viele davon sind schlicht Beipflichtungen von anderen Anwendern, die dasselbe Problem plagt. Die Schilderungen folgen stets demselben Muster: Anwender kauft ein neues Macbook, kauft oder leiht damit einen Film bei iTunes, will den auf seinem großen externen Bildschirm angucken, bekommt aber nur graues Rauschen zu sehen. Dieselben Filme auf iPods, iPhones oder die TV-Box Apple TV zu übertragen, funktioniert dagegen ohne Probleme.

HDCP, DCDP, Blu-ray, oh Weh, oh Weh!

Schuld an dem Malheur ist offensichtlich der so praktische und platzsparende Mini-Displayport, den Apple in den neuen Macbook- und Macbook-Pro-Notebooks erstmals einsetzt. Den habe Apple offenbar mit dem Kopierschutzsystem DCDP (DisplayPort Content Protection), ausgerüstet, berichtet Ars Technica.

Diese Kopierschutztechnik ist eine Variante des HDCP-Systems (High-bandwidth Digital Content Protection), das Intel entwickelt hat, um hochauflösende Inhalte zu schützen. HDCP gehört beispielsweise bei Blu-ray-Playern und HDTV-Empfängern zur Standardausstattung. Seine Funktionsweise ist einfach: Ist bei einem Film HDCP eingeschaltet, kann der nur wiedergegeben werden, wenn sowohl Player als auch Fernseher HDCP unterstützen.

HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').
Full-HD-Filme, wie man sie in Online-Videotheken wie dem iTunes Store ausleihen oder über die integrierten Blu-ray-Laufwerke einiger Notebooks anschauen könnte, haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das Label "HD ready 1080p" besagt, dass das Gerät Vollbilder von 1920 × 1080 Pixeln zeigt.
Das Advanced Access Content System ist ein Kopierschutzsystem, das vor allem auf Wunsch der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut werden soll, die HD-Inhalte abspielen können. Ohne AACS soll man keine hochaufgelösten Filme abspielen können. Kopien sollen nur mit expliziter Erlaubnis des Urhebers gemacht werden können, die man sich zum Beispiel online abholen könnte. Nur so könnte man einen Film dann auch über ein Media Center oder an mobile Geräte streamen. Der Urheber kann aber Kopien auch verbieten oder eine Gebühr verlangen. Um AACS gab es langes Gerangel - denn es gibt noch nicht viele Geräte, die das System überhaupt unterstützen. Eine Interims-Lösung wird den Kopierschutz deshalb nun zunächst zahnlos machen - auch über analoge Ausgänge wird man dann noch HD-Filme ansehen können, obwohl die Studios die Ausgabe lieber gleich auf digitale Ausgänge beschränkt hätten, die mit einem weiteren Schutz namens HDCP versehen sind.
High Bandwidth Digital Content Protection ist eine Art Hardware-Kopierschutz. Auch er soll verhindern, dass hochaufgelöstes Material einfach mitgeschnitten werden kann. HDCP muss im sendenden Gerät, also dem Player oder der Grafikkarte, ebenso eingebaut sein wie im Empfänger, also dem Monitor oder TV-Gerät. Während Fernseher, die das "HD Ready"-Logo tragen, HDCP-fähig sein müssen, sind es viele Monitore und Grafikkarten aber noch nicht. Eine HDMI-Schnittstelle kann immer auch HDCP, eine DVI-Schnittstelle nicht notwendigerweise.
Das High Definition Multimedia Interface soll nach dem Wunsch der Hersteller die generelle Schnittstelle der Zukunft sein, für Musik, Filme und auch die Verbindung zwischen Computer und Monitor. Sie ist standardmäßig mit HDCP ausgestattet - ein Ausgabegerät mit HDMI-Schnittstelle und ein Fernseher mit dem "HD Ready"-Logo sollten gemeinsam also in jedem Fall hochauflösende Filme darstellen können.
Digital Video Interface - die erste digitale Schnittstelle für Video-Inhalte, die aber bereits dabei ist, von HDMI abgelöst zu werden. Manche DVI-Ausgänge sind auch mit HDCP ausgestattet, andere nicht. Besonders bei vielen Grafikkarten fehlt der Hardware-Kopierschutz noch - was zu Problemen bei der Wiedergabe von kopiergeschützten hochauflösenden Filmen führen könnte.

Manchmal geht's, manchmal nicht

Normalerweise ist das kein Problem. Zumindest dann nicht, wenn man Player und Bildschirm per HDMI-Kabel miteinander verbindet. HDMI-Anschlüsse verstehen sich immer auf HDCP. Für Apple-Monitore hingegen gilt das nicht. Sie werden grundsätzlich per DVI-Kabel angestöpselt, haben von HDCP keinen Schimmer. Erst Apple neues 24-Zoll-Display verfügt über einen Displayport und wird wohl auch HDCP entschlüsseln können. Bis dahin aber bleiben die Bildschirme grau - zumindest bei Filmen, deren Rechteinhaber auf die Nutzung des HDCP-Schutzes bestehen.

Welche das sind, lässt sich im iTunes Store nicht erkennen. So berichtet "Arts Technica", dass zwar der Film "Hellboy 2" nicht über einen Beamer abspielbar sei, die TV-Serie "Heroes" aber sehr wohl. Ähnliche Schilderungen steuern auch etliche Teilnehmer in Apple Support-Forum bei. Manches geht, manches nicht. Kurios ist allerdings, dass sich dieselben Filme, die sich dem neuen Macbook verweigern, von älteren Macs aus problemlos abspielen lassen - digital und in hoher Auflösung. Den Alt-Macs fehlt schlicht die HDCP-Unterstützung.

Ärger macht sich breit

Mit Apples TV-Box Apple TV scheint es dagegen keine Probleme beim Abspielen von iTunes-Filmen zu geben. Der Unterschied könnte darin bestehen, dass man Apple TV in der Regel per HDMI-Stecker, also inklusive HDCP, mit einem Fernseher verbindet.

Ohnehin dürfte das HDCP-Problem, das jetzt durch die neuen Macbooks ins Blickfeld kommt, nicht auf Apple-Produkte beschränkt sein. Logisch, wer ein Apple-Notebook kauft, sich ein Apple-Display daneben stellt und außerdem noch ganz legal Filme aus Apples Download-Laden kauft, erwartet natürlich, dass er die dann auch auf dem Bildschirm sehen kann. Mit Bildschirmen anderer Hersteller würde das aber auch nicht anders aussehen. Die meisten PC-Monitore, egal von welcher Marke, kommen ohne HDCP-Unterstützung in den Handel, könnten die geschützten iTunes-Filme also ebensowenig abspielen.

Ohne Ankündigung

Das kann die Wut einiger enttäuschter Macbook-Käufer freilich nicht besänftigen. "Bis die Filmindustrie von Kopierschutzmechanismen wie HDCP ablässt habe ich keine Schuldgefühle dabei, Raubkopien zu benutzen", ätzt ein User im Apple Support Forum und legt nach: "HDCP ist wirklich, wirklich böse." Diese Meinung darf er wohl vertreten - sie in die Tat umsetzen lieber nicht.

Wundern aber darf er sich. Zwar wurde schon Anfang 2007 angekündigt, dass DisplayPort-Stecker den HDCP-Kopierschutz unterstützen werden, Normalanwendern dürfte diese Nachricht aber verborgen geblieben sein. Apple bleibt somit zumindest anzukreiden, dass man die Integration von HDCP in das hauseigene Filmangebot und die neuen Notebooks nicht öffentlich angekündigt hat. So hätten User, die viel Geld in ihre schicken Apple-Displays investiert haben und gelegentlich Filme bei Apple kaufen, sich vielleicht noch einmal überlegt, ob sie wirklich das neue Macbook brauchen. Jetzt bleibt ihnen nur, vorerst auf HD-Videos aus dem iTunes Store zu verzichten.

Uns Deutschen kann das freilich schnuppe sein: Im deutschen iTunes Store gibt es bislang nur TV-Sendungen und die auch nur in Standardauflösung, HD lässt weiter auf sich warten.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.