Finanzspritze Napster hat wieder für 57 Millionen Mark Luft

Die gerichtlich verordnete Zwangspause wird für Napster zu einem immer teureren Spaß. Schon gab es Kündigungen, die Zahl der millionenschweren Rechnungen wächst. Wie gut, dass es Onkel Bertelsmann gibt.


Bertelsmann lässt sich das Engagement bei Napster mehr als nur ein paar Mark fünfzig kosten: Zum zweiten Mal injizierte der Gütersloher Konzern Napster eine dicke Finanzspritze. Nach den angeblich rund 60 Millionen Dollar, mit denen sich Bertelsmann im Oktober letzten Jahres eine Option auf das P2P-Unternehmen gesichert hatte, sollen nun rund 57 Millionen Mark (rund 27 Millionen Dollar) geflossen sein.

Munkeln die immer gern zitierten "Branchen-Insider", während Sprecher von Napster jede Auskunft über die genaue Höhe der Beihilfe ablehnen. Immer ist es jedoch so, dass beide Unternehmen darauf bestehen, dass es bei solchen Geldflüssen nicht etwa um ein "Investment" gehe: Offiziell sprechen die Beteiligten von "geliehenem" Geld.

Das ist nicht ganz unwichtig und hat seine Grunde - natürlich - in den schwebenden Verfahren gegen Napster. Rechtlich ist Bertelsmann für Napsters Verfehlungen nicht belangbar, so lange das Unternehmen nicht Eigner der P2P-Börse wird. Also verleiht Bertelsmann nur Gelder, die Napster unter anderem dazu nutzt, seine durch außergerichtliche Einigungen entstandenen Rechnungen zu begleichen. Wer bei Napster inzwischen wirklich die Hosen anhat, das zeigt sich nicht zuletzt in den Personalien des Unternehmens: Seit Ende Juli führt mit Konrad Hilbers ein Bertelsmann-Manager die Geschäfte.

Die nun angeblich geflossenen 27 Millionen Dollar würden zum Beispiel ganz prächtig zur offenen Rechnung über 26 Millionen Dollar passen, die Napster laut einer Abmachung vom September als pauschale Entschädigung an Musiker und Verleger für entgangene Honorare und Tantiemen zu zahlen hat. Eine Einigung darüber, wie viel Napster künftig an Copyright-Abgaben wird zahlen müssen, steht dagegen noch aus: Der letzte große Stolperstein vor einer Reaktivierung der einst populärsten Musik-Tauschbörse.

Die gerichtlich verordnete Zwangspause kommt Napster teuer zu stehen. Solange Napster abgeschaltet bleibt, hat das Unternehmen keine nennenswerten Einkünfte. In der letzten Woche kam es zu ersten Entlassungen - und erstmals seit langem zu einem "Umsatz": Bertelsmann lizenzierte die Napster-Technologie für seinen Musikdienst BeMusic. So schnell wie möglich will Bertelsmann aber auch Napster selbst wieder auf den Markt bringen, diesmal als zahlungspflichtigen und legal operierenden Abo-Dienst.

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