Flatrate- Entscheidung Jubel und Verdruss

Nach der Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zur Flatrate glauben Provider und Industrie an goldene Zeiten für das Internet in Deutschland. AOL visiert nun den Pauschalzugang für "weit unter 50 Mark" an.


Flatrate-Entscheidung: Unmut in der Telekom-Zentrale
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Flatrate-Entscheidung: Unmut in der Telekom-Zentrale

Ab Februar 2001 muss die Deutsche Telekom eine so genannte Großhandels-Flatrate anbieten, verfügte die Regulierungsbehörde. Die Preisgestaltung für den Pauschaltarif ohne Zeittaktung, der von den Providern an die Kunden weitergegeben werden kann, wird allerdings dem ehemaligen Staatsmonopolisten überlassen.

Die Telekom ist mit der Entwicklung gar nicht zufrieden. Sie sprach von einer klaren Fehlentscheidung und trägt sich mit dem Gedanken, gegen die Anordnung zu klagen.

"Die Großhandels-Flatrate ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte dagegen AOL-Sprecher Jens Nordlohne zu SPIEGEL ONLINE. Nun sei es möglich, dass alle Internet-Provider wirtschaftlich arbeiten könnten. "Wir hoffen, unseren Kunden eine Flatrate weit unter 50 Mark anbieten zu können, wenn alle Probleme beseitigt sind", sagte Nordlohne. Seine Erwartungen seien auf die Erfahrungen in Großbritannien gegründet, wo die British Telecom von den Providern ebenfalls einen Pauschaltarif verlange. Dort koste den Endkonsumenten eine ständige Onlineverbindung bei AOL umgerechnet rund 45 Mark.

Auch der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) begrüßte die Verfügung der Regulierungsbehörde. "Der Wettbewerb in diesem Zukunftsmarkt ist damit auf dem richtigen Weg", sagte Geschäftsführer Jürgen Grützner. Der Verband kritisierte jedoch, dass nur mittelfristig entschieden worden sei. Der Wettbewerb müsse in der Übergangsphase bis zum 1. Februar weiter mit Planungsunsicherheit und Preisdumping der Telekom leben. Auch sei noch nicht klar, wie der ehemalige Monopolist die Preise für den Pauschaltarif kalkulieren werde. Doch "die Regulierungsbehörde hat einen eindeutigen Handlungsauftrag an die Deutsche Telekom erteilt", so der VATM.

AOL-Sprecher Nordlohne zeigte sich gesprächsbereit. "Der Ball liegt nun bei der Telekom, aber wir dürfen uns nicht gegenseitig vors Schienenbein treten." Wichtig sei, dass man sich zusammensetze und gemeinsam eine Lösung für Probleme wie Leitungsengpässe und Investitionskosten finde. "Das Internet muss nach vorne gebracht werden. Es muss jedem offen stehen", forderte Nordlohne.

Der Pauschalpreises werde dem elektronischen Handel "weiter Auftrieb geben", hieß es beim Deutschen Industrie- und Handelstag. Private Nutzer dürften dadurch mit "deutlich niedrigeren Online-Gebühren rechnen".



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