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Formatkrieg Blu-ray siegt, HD DVD auch

Es herrscht mal wieder Formatkrieg - diesmal in hoher Auflösung. Auf der Cebit gaben sich die Vertreter der konkurrierenden Lager Blu-ray-Disk und HD DVD gleichermaßen siegessicher. Sonys Einführung der PS3 in Europa könnte den Streit entscheiden.

Gemessen an ihren Pressekonferenzen im Rahmen der Cebit müsste man die HD DVD sofort zum Sieger erklären. In einem riesigen Forum mit ebensolcher Leinwand im Kinoformat veranstalteten die HD-DVD-Unterstützer eine pompöse PR-Show mit Moderator Steven Gäthjen. Die Veranstaltung der Blu-ray Association, drei Stunden später, litt dagegen nicht nur unter einem Mangel an Pressematerialien, sondern vor allem an der immer wieder stockenden Präsentation. Microsofts Powerpoint zierte sich ein wenig.

Beiden Lagern gemein war jedoch, dass sie sich zwar noch nicht als Sieger, so doch immerhin als auf der Gewinnerstraße fahrend ansehen. "In drei Jahren wird es nur noch Blu-ray geben," so Frank Simonis, Vorsitzender des europäischen Arms der Blu-ray Disc Association siegessicher. Ken Grafeo, Top-Manager beim Filmstudio Universal sieht das freilich anders. "Es ist noch zu früh den Sieg zu verkünden, aber wir sind auf dem richtigen Weg" sagte er vor versammelter Journalistenschar.

Vorsprung durch Technik

Als solchen betrachten die Vertreter der HD DVD Promotion Group vor allem die technische Gleichschaltung ihrer Hardware. "Internet-Konnektivität, Flashspeicher und Bild-in-Bild-Funktion sind bei Blu-ray nur Optionen. Im HD DVD-Standard sind diese Funktionen hingegen festgeschrieben," sagte Mark Knox von Toshiba gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir versprechen den Inhalte-Anbietern, dass alle HD-DVD-konformen Player jegliche Inhalte ausgeben werden können, ganz gleich welcher Art die sind." Das, so Knox, unterscheide den HD DVD-Standard deutlich von Blu-ray.

Um die interaktiven Möglichkeiten und die Internetanbindung der HD DVD-Player zu demonstrieren, zeigten die HD DVD-Vertreter einen gerade erst fertig gestellten japanischen Titel. Über die Online-Verbindung können zusätzliche Inhalte, wie etwa anderssprachige Untertitel oder Film-Trailer auf den Player geladen werden. Diese Technik könnte von den Filmstudios künftig auch genutzt werden, um zusätzlichen Umsatz zu generieren. Download-Inhalte könnte man auch anbieten "Man könnte Inhalte beispielsweise gegen Angabe der E-Mail-Adresse oder gegen Zahlung einer Gebühr freischalten," sagte Knox.

Bis 2009 die DVD überholen

Darüber hinaus sieht Knox einen der großen Vorteile der HD DVD in deren Dual-Format-Fähigkeit. Entsprechend produzierte HD DVDs können nämlich auch in herkömmlichen DVD-Playern abgespielt werden. Der Produktionsaufwand für diese Fähigkeit ist allerdings erheblich, weshalb solche sogenannten Combo-Disks bisher etwa 10 US-Dollar Aufpreis kosteten. Nun, so Knox, habe Universal aber angekündigt, Combo-Disks künftig zum selben Preis zu verkaufen wie einfache HD DVD-Scheiben.

Bis 2009 werden die HD- DVD-Verkäufe jene normaler DVDs überrunden, ist man sich unter den HD DVD-Unterstützern sicher. "Ein entscheidender Punkt auf dem Siegeszug der DVD war es, als der Preis der Abspielgeräte die Marke von 299 US-Dollar unterschritt," sagte Jordi Ribas, HD DVD, Microsofts oberster HD DVD-Manager gegenüber SPIEGEL ONLINE. In zwei Jahren, da ist Ribas sicher, werden HD-DVD-Player diese Marke locker unterschreiten. Aktuelle Geräte sind ab rund 500 Euro zu bekommen.

Blu-ray-Player hingegen sind erheblich teurer und meist nur zu Preisen oberhalb von 1000 Euro zu bekommen. Sonys Blu-ray-fähige Playstation 3 nimmt sich da mit einem Preis von 599 Euro geradezu als Sonderangebot aus. Rechtzeitig zur europäischen Einführung der Konsole bietet Sony allerdings einen Blu-ray-Player zu exakt demselben Preis an.

Sony macht Masse

Vor allem setzt die Blu-ray-Association auf Sonys Konsole. In den USA und Japan habe man bereits 1,8 Millionen dieser Geräte abgesetzt, so Simonis. In Europa startet der Verkauf am kommenden Freitag. Mit einer Million Geräten will Sony den Markt beliefern. Die Zahlen des HD DVD-Lagers nehmen sich dagegen bescheiden aus. Zur Consumer Electronics Show (CES), Anfang Januar wurde verkündet, man habe in Nordamerika insgesamt 175.000 Player an den Mann bringen können - inklusive HD-fähiger PCs und des HD-DVD-Laufwerks für die Xbox. Bis Ende 2007 soll die installierte Basis jedoch auf 2,5 Millionen Geräte anwachsen. Sony hingegen hat sich vorgenommen, bis Ende des Jahres allein von der Playstation 3 sechs Millionen Exemplare abzusetzen.

Damit liegt Blu-ray, allein von der Zahl der in Umlauf gebrachten Player, weit vor der Konkurrenz. Denn für die HD DVD sind die Abspielmöglichkeiten noch sehr begrenzt. Standalone-Player gibt es bisher nur von Toshiba. Zudem haben einige Computerhersteller, wie etwa Acer und wiederum Toshiba, HD-DVD-fähige Notebooks im Programm. Die sind aber alle im oberen Preisbereich angesiedelt. Zudem können Xbox-360-Nutzer ihre Konsole mit einem externen HD-DVD-Laufwerk nachrüsten. Neue Standalone-Geräte wollen die in China beheimateten Hersteller Shinco Electronics sowie und Alco Electronics in den Markt einführen, vorerst aber nur in Nordamerika.

Entscheidet der Inhalt?

Trotz dieses Missverhältnisses geben sich die Vertreter der HD DVD Promotion Group optimistisch, schließlich wurden laut Jordi Ribas "in den USA bisher insgesamt rund 700.000 Disks verkauft. Jeweils zur Hälfte im HD-DVD- und im Blu-ray-Format." Das, so ist man sich einig, spräche doch eindeutig dafür, das Playstation-Käufer nicht automatisch auch Blu-ray-Filme erwerben würden. "Sie haben fünfmal mehr Hardware verkauft aber nur so viele Filme wie wir," wundert sich Mark Knox.

Sony kontert diese Argumente mit einer Studie. 10.000 PS3-Käufer hat man danach befragt, ob sie denn planen, sich Blu-ray-Filme anzuschaffen. Das Ergebnis: 80 Prozent bejahen diese Frage, und drei Viertel der Befragten wollen die Spielkonsole sogar als vorrangiges Abspielgerät verwenden.

Fünf gegen drei

Die Chance stehen gut, dass diese Leute künftig auch auf eine größere Auswahl an Filmtiteln werden zugreifen können. Während derzeit ungefähr Gleichstand herrscht, könnte sich dieses Verhältnis bald in Richtung Blu-ray verschieben. Zwar hat die HD DVD Promotion Group Kooperationen mit etlichen europäischen Studios angekündigt, bei den großen Hollywood-Studios jedoch liegt Blu-ray vorn. Von den acht großen US-amerikanischen Filmstudios setzen fünf ausschließlich auf das von Sony favorisierte Format. Lediglich eines, Universal Pictures, hat sich ganz auf die HD DVD verlegt, während Warner Home Video und Paramount Home Entertainment beide Plattformen beliefern.

In Japan, so Frank Simonis, habe dies dazu geführt, dass die Blu-ray-Disk bereits 96 Prozent des Marktes für sich vereinnahmen konnte. Er sagt: "Asien und die USA mögen die Frühstarter sein, aber wir erwarten, dass die europäischen Märkte diesem Trend folgen. Die Wahrheit ist, dass die Inhalte entscheiden, und die Blu-ray-Disk hat diese Inhalte."

Damit könnte er Recht behalten. Denn auf die Frage eines Journalisten, wie man denn gedenke, mit Porno-Inhalten zu verfahren, antwortete Sominis, jedermann sei "herzlich eingeladen, seine Filme auf Blu-ray-Disk zu veröffentlichen." Allerdings stehe es einzelnen Presswerken frei, die Produktion von pornografischen Filmen abzulehnen. Ob die das freilich tun werden bleibt anzuzweifeln, lockt hier doch ein lukrativer Milliarden-Markt.

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