Forschung Kollege Roboter?

Beat Hirsbrunner, Informatikprofessor an der Universität Freiburg (Schweiz), will Robotern Teamgeist beibringen. Wie schwierig das ist, zeigen seine ersten Experimente mit gemischten Robotergruppen. "Wir haben zwischen den einzelnen Robotern echte Gegnerschaft beobachten können", sagt der Wissenschaftler.


Beim jährlich veranstalteten Robocup treffen die Top-Teams der fußballfähigen Roboter aufeinander
REUTERS

Beim jährlich veranstalteten Robocup treffen die Top-Teams der fußballfähigen Roboter aufeinander

In Zukunft wird man, davon sind zumindest Beat Hirsbrunners und seine Mitarbeiter überzeugt, Roboter auf Teamfähigkeit programmieren. Dabei sollen einzelne Roboter nach ihren spezifischen Fähigkeiten ausgewählt werden. So ein Team könnte etwa aus einem Roboter mit besonders sensiblen Greifarmen, einem anderen mit Sehfähigkeit und einem dritten, der riechen und schmecken kann, bestehen.

"Genau wie Menschen, so können sich auch Roboter mit verschiedenen Fähigkeiten hervorragend ergänzen", stellt Hirsbrunner fest, "vorausgesetzt, sie passen zusammen". Denn in weiteren Experimenten haben die Freiburger nachgewiesen, dass zwei gut zusammenarbeitende Roboter, die gemeinsam eine Aufgabe erledigen, dies oft mehr als doppelt so schnell schaffen wie beide alleine. Noch besser klappt es, wenn die beiden Roboter miteinander kommunizieren können.

Gemeinsam stark: teamfähige Roboter

Gemeinsam stark: teamfähige Roboter

In der Industrie seien die Anwendungsmöglichkeiten für teamfähige Roboter derzeit noch sehr begrenzt, räumt der Professor ein. In der Weltraumforschung seien sie jedoch die Technologie der Zukunft. "Wäre es technisch möglich gewesen, Transport und Landung mehrerer verschiedener Roboter gleichzeitig zu realisieren, wäre die letzte Marsmission der Nasa kein Flop geworden", ist Hirsbrunner überzeugt.

Im Rudel hätten die Roboter die Oberfläche des roten Planeten selbst dann noch erfolgreich erforschen können, wenn einzelne von ihnen plötzlich nicht mehr funktionsfähig gewesen wären. Die im vergangenen Herbst zum Mars geflogene 165 Millionen Dollar teure Nasa-Marssonde Polar Lander hatte kein einziges Signal zur Erde gesandt.

Zunächst einmal geht es den Schweizer Informatikern aber darum, die Sinneswahrnehmungen und damit die Intelligenz ihrer eigenen, drei bis zehn Zentimeter hohen Roboter zu verbessern. "Sehen und sich vorantasten können sie schon ganz gut", meint Hirsbrunner. Beim Hören hapere es aber noch etwas mit der räumlichen Wahrnehmung.

Robocup 99: Training der Sony-Mannschaft. Der diesjährige Robocup (ab 28. Mai in Amsterdam) wird zeigen, wie weit die Entwickler inzwischen sind
DPA

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Die Nachbildung des menschlichen Geruchssinns stelle für die Wissenschaft derzeit noch die größte Herausforderung dar. Dabei wären nach Einschätzung des Freiburger Professors gerade Riechroboter für die Industrie von besonders großem Nutzen.

Bis zum flächendeckenden Einsatz hilfreicher Roboter in privaten Haushalten ist es seiner Ansicht nach aber noch ein weiter Weg. Anders sieht dies die UN-Wirtschaftskommission für Europa (ECE). Sie geht davon aus, dass Haushaltsroboter schon in zehn bis 15 Jahren so verbreitet sein werden wie heute das Mobiltelefon und der Computer.

Noch weiter gehen die Organisatoren des "Robocup": Sie erwarten, dass ein Roboterteam noch in diesem Jahrzehnt gegen eine Fußball-Nationalmannschaft bestehen könnte. Wenn sich das deutsche Team so weiter entwickelt wie bisher, könnte ein solcher Erfolg in greifbare Nähe rücken.

Anne-Beatrice Clasmann



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