Fototechnik Die schnellste Kamera der Welt

Dieser Fotoapparat ist schneller als alle anderen, viel schneller: Mit einer vollkommen neuen Digitalkameratechnik erreichten Forscher Belichtungszeiten von billionstel Sekunden. Der rasante Fotoapparat soll Wissenschaftlern und Ärzten helfen.


London - Die neue Kamera arbeite tausendmal schneller als herkömmliche Kameras, sagen Keisuke Goda von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und seine Kollegen. Zudem erreiche sie Belichtungszeiten von 440 billionstel Sekunden und könne Bildserien schießen, bei denen die Einzelbilder im Abstand von nur 163 milliardstel Sekunden geschossen werden, erklären die an ihrer Entwicklung beteiligten Forscher.

Potentielle Anwendungen sehen die Entwickler des rasend schnelle Fotoapparats zum Beispiel in der Medizin. Bei Laser-Operationen oder bei Aufnahmen von Stoßwellen könnte das einzigartige Gerät nützliche Dienste leisten, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 458, S.1145, doi:10.1038/nature07980).

Bisherige Digitalkameras arbeiteten mit der sogenannten CCD-Technik. Dabei werden zur Informationsweiterleitung elektrische Ladungen von einer CCD-Zelle zur nächsten weitergegeben. Bei der neuen Kamera setzten die Wissenschaftler hingegen keine CCD-Detektoren ein, sondern eine Technik, bei der das zweidimensionale Bild zeitabhängig verschlüsselt und optisch verstärkt wird. Das Signal kann dann von einem nur aus einem Pixel bestehenden Lichtdetektor erfasst werden. Aus diesem Signal wird das Bild schließlich digital rekonstruiert.

Weil die Kamera die optischen Bilder verstärkt, umgeht sie den Kompromiss zwischen einer hohen Empfindlichkeit und einer hohen Bildgeschwindigkeit, wie er bei den üblichen CCD-Detektoren eingegangen werden muss. Die neue Kamera benötigt weder Kühlung noch eine besonders helle Lichtquelle. Die Autoren haben die Funktion der Kamera bereits an Echtzeit-Aufnahmen demonstriert, beispielsweise von sogenannten Laserablationen. Dabei wird die Oberfläche eines Materials, in der Medizin etwa Gewebe, mit Laserpulsen abgetragen.

Korrektur: Das oben gezeigte Bild wurde urpsprünglich als Test-Bild bezeichnet. Tatsächlich aber handelt es sich aber offenbar um eine computergenerierte Simulation einer solchen Aufnahme.

mak/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.