Gesten-Steuerung für Rechner Texte mit den Augen schreiben

Buchseiten umblättern, Texte mit den Augen schreiben: Wissenschaftler zeigen auf der Cebit neue Formen der Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Schon bald könnten Tastaturen ihre Bedeutung verlieren - und schwungvolle Gesten den Kontakt zum Rechner herstellen.

Hannover - Mit dem nervigen Tastaturgeklapper im Großraumbüro könnte bald Schluss sein. Forschungseinrichtungen und junge Unternehmen zeigen im "future parc" der Computermesse Cebit in Hannover unter anderem neue Interaktionsformen zwischen Mensch und Maschine. Statt Maus und Tastatur setzen sie dabei auf scharfe Blicke und klare Handzeichen.

In Halle 9 steuern Besucher der schwedischen Firma Tobii Technology den Computer schlicht mit ihren Augen. Das Unternehmen hat einen Monitor entwickelt, der dank integrierter Kameras das Fixieren von Bildschirmpunkten mit dem Blick erkennt und in entsprechende Befehle umsetzt. Nach einer kurzen individuellen Anpassung genügt bei dem Schreibprogramm des derzeit rund 12.000 Euro kostenden Systems ein Blick auf den gewünschten Buchstaben. Innerhalb kürzester Zeit hat der Rechner den Buchstaben erkannt und "drückt" auf die entsprechende Taste. Auf diese Weise lassen sich auch einzelne Programme starten. Der Monitor ist bereits auf dem Markt.

"Die Software erkennt fünf Gesten"

Auf Kommunikationsmöglichkeiten per Handzeichen haben sich Forscher des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) aus Ilmenau spezialisiert. "Die Software erkennt fünf Gesten, die man elementar braucht, um einen MP3-Player auf dem Rechner zu bedienen", sagte Entwickler Frank Klefenz. Das Programm funktioniere im Zusammenspiel mit einer handelsüblichen Webcam. Zeigt der Daumen nach oben, spielt die Software einen Song ab. Die Forscher aus Ilmenau sind überzeugt davon, dass ihre GestureID-Technologie bald den Alltag erleichtern kann. Auf diese Weise sollen künftig beispielsweise Navigationssysteme im Auto einfach per Handzeichen bedient werden.

Mit der Gesichtserkennung beschäftigen sich bereits seit Jahren Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen aus Erlangen. Neben einer Kamera-Software, die Geschlecht und Gemütszustand von Menschen ausmacht, zeigt Software-Spezialist Christian Küblbeck auf der Cebit auch eine Entwicklung, die künftig den Umgang mit Tausenden privater Fotos der Digitalkamera erleichtern könnte. Sie ordnet Gesichter auf beliebigen Fotos den Personen der integrierten Datenbank zu und gibt in einer Rangfolge unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten an, um welche Personen es sich auf dem Bild handeln könnte.

Ist es Angela Merkel oder José Manuel Barroso?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von der Software bereits zweifelsfrei erkannt. Allerdings stellte das Programm während einer Vorführung am Mittwoch fest, dass es sich bei ihr auch um EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso handeln könnte. Zumindest sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich bei der abgebildeten Frau um Barroso handeln könnte, als das es Hollywood-Schauspielerin Nicole Kidman sei. "Es kann momentan noch schief gehen", räumt Küblbeck ein. Bislang seien die Gesichter von nur 15 bekannten Personen erfasst. Er fügt hinzu: "Mit der Software ist keine 100-prozentige Erkennungsrate möglich."

Sind mit der eigenen Digitalkamera bereits Tausende von Fotos geschossen, fällt die Suche nach bestimmten Aufnahmen oftmals schwer.

Die Erkennungssoftware könnte die heimische Suche beispielsweise nach Fotos der Großmutter im digitalen Privatarchiv bald erleichtern. Laut Küblbeck könnte eine erste Version in den kommenden ein oder zwei Jahren auf den Markt kommen.

Von André Klohn, ddp

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