Globale Virus-Attacke "Killer von Manila" legt PCs lahm

Ein als Liebesbrief getarntes Virus hat am Donnerstag von Asien aus das Internet überschwemmt und weltweit Computersysteme lahm gelegt. Experten reden vom schnellsten Virus aller Zeiten. Inzwischen hat das Virus auch die USA erreicht.

Hamburg/Berlin - Am frühen Abend hatte das Virus weltweit 500.000 Computer befallen, 350.000 davon in den USA, schätzt die Firma Trend Micro, die Anti-Viren-Programme herstellt. Die Experten setzen einen Viren-Scanner ein, um die Zahl der verseuchten Rechner zu ermitteln. Demnach verbreitet sich das Virus rasant.

Es steckt in einem Dateianhang (Love-Letter-For-You.txt.vbs) einer E-Mail. Wird die Datei geöffnet, verschickt sich "I love you" automatisch an alle Adressen, die es im Adressbuch eines Nutzers findet, sagt Jürgen Kuri vom Computer-Magazin "c't" in Hannover.

Das Virus verändert einerseits wichtige Systemdateien des befallenen Rechners oder Netzwerkes, und blockiert andererseits Server durch die schiere Masse der verschickten "Verbreitungs-E-Mails". Etliche große Unternehmen und Behörden weltweit mussten ihre Computer stoppen.

Es begann offenbar auf den Philippinen und verbreitete sich über Hongkongs Banken und PR-Firmen rasend schnell in alle Welt. Das britische Unterhaus war ebenso betroffen wie das dänische Parlament, das "Wall Street Journal Asia" und die "Financial Times Deutschland".

Computerexperten raten dringend dazu, die E-Mail nicht zu öffnen und sofort zu löschen. Anzuraten ist ein zweiter Löschvorgang, um die Virus-E-Mail aus dem Papierkorb oder dem Trash-Verzeichnis des E-Mail-Programmes völlig zu entfernen. Als Absender der E-Mail können bekannte Namen von Freunden und Geschäftspartnern auftauchen, da das Virus sich selbst vervielfältigt, indem es sich per E-Mail an alle im E-Mail-Programm gespeicherten Adressen versendet - ein als "Wurm" bekanntes Virus-Prinzip.

Das Virus verteilt sich offenbar nur über E-Mail-Software von Microsoft. Das heißt jedoch nicht, dass das Öffnen der Virus-E-Mail in anderen Programmen ungefährlich wäre: Das Virus wird über sie zwar nicht weiter verteilt, könnte auf der Betriebssystemebene, in Dateien oder Netzwerken aber durchaus Schäden anrichten.

Betroffen sind potenziell alle Nutzer des Betriebssystems Microsoft Windows. Internet-Experten in Berlin sprachen von einem "Effekt mit großer Breite". Auch einen "Spitznamen" hat das Virus bereits: Der Name "Killer von Manila" verbreitet sich fast so schnell wie das Virus selbst.

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