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10. März 2008, 13:45 Uhr

Green IT

So sparen Sie richtig

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Standby-Modus oder abschalten? Ausschaltknopf drücken oder Stecker ziehen? SPIEGEL ONLINE gibt Tipps, wie Sie den Stromverbrauch Ihrer PC-Anlage wirklich drosseln können.

Der ziemlich dünne grüne Anstrich, den man der Cebit in diesem Jahr gegeben hat, dient in erster Linie einem Zweck: neue Hardware zu verkaufen. Dabei kann man mit ein paar simplen Tricks auch den Rechner stromsparender betreiben, den man schon besitzt.

Kleiner Stecker, große Wirkung: Mit einem solchen schaltbaren Zwischenstecker (hier von Conrad Elektronik) können Geräte oder Netzteile bequem vom Stromnetz getrennt werden

Kleiner Stecker, große Wirkung: Mit einem solchen schaltbaren Zwischenstecker (hier von Conrad Elektronik) können Geräte oder Netzteile bequem vom Stromnetz getrennt werden

Der schlichteste: Wenn man sie nicht aktiv benutzt, sollten PCs grundsätzlich abgeschaltet oder zumindest in einen Ruhezustand versetzt sein. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Gründe. Ein PC, der unbeschäftigt vor sich hin läuft, verbraucht Strom - und das nicht zu knapp.

Ein Mittelklasse-Computer saugt locker 50 bis 80 Watt aus der Leitung - auch wenn er nichts tut. Kommen noch mal 50 Watt für einen Bildschirm hinzu verpulvert man 100 bis 130 Watt, also so viel wie ein bis zwei Glühbirnen, und bekommt dafür nichts als heiße Luft. Doch die muss man bezahlen - rund zwölf Euro kostet die Hightech-Heizung pro Jahr, wenn der PC drei Stunden pro Arbeitstag ungenutzt eingeschaltet bleibt.

Das mag mager erscheinen, addiert sich aber im großen Maßstab zu stattlichen Dimensionen. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom steht in drei Vierteln aller deutschen Haushalte ein PC. Demnach würden hierzulande rund 30 Millionen Privat-PCs an den Steckdosen hängen, die in unserem Szenario beim Nichtstun Strom für 360 Millionen Euro pro Jahr in Wärme umwandeln.

Aber selbst das ist nur ein kleiner Teil des Problems. Hinzu kommt eine noch weit größere Zahl beruflich genutzter Rechner. Weltweit stehen mittlerweile mehr als eine Milliarde PCs auf den Schreibtischen. Genug, um gigantische Einsparpotentiale zu liefern.

Die Branchen-Lobbyorganisation Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat ausgerechnet, dass ein Unternehmen mit 200 Büroarbeitsplätzen seine jährlichen Stromkosten um rund 6000 Euro reduzieren könnte, wenn es stromhungrige Alt-IT gegen moderne Energiespar-PCs austauscht. Das ist mit Sicherheit richtig. Richtig ist aber auch, dass für die Herstellung der neuen PCs weit mehr Energie eingesetzt werden muss, als sie jemals einsparen können.

Günstiger ist es daher für jedermann, zunächst jene Einsparpotentiale auszunutzen, die ein PC sowieso bietet. SPIEGEL ONLINE erklärt wie auch Sie mitsparen können.

Einfach mal abschalten

Der wichtigste Grundsatz lautet: Lassen Sie den Rechenknecht nur laufen, wenn Sie ihn auch brauchen. Selbst in kleinen Pausen lohnt es sich, den PC schlafen zu legen. Schon nach fünf bis zehn Minuten der Untätigkeit sollte man die Kiste in einen Sparmodus versetzen. Hierfür bieten sich die Funktionen Ruhezustand und Standby an.

Windows XP-Abmeldefenster: Der Standby-Modus lohnt sich schon bei kurzen Pausen
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Windows XP-Abmeldefenster: Der Standby-Modus lohnt sich schon bei kurzen Pausen

Für kurze Pausen genügt es, Windows-Rechner in den sogenannten Standby-Modus zu versetzen. Der Fachbegriff heißt "Suspend to RAM", kurz STR. Apple nennt denselben Stromspar-Modus Ruhezustand. Gemeint ist ein Verfahren bei dem alle Komponenten des Rechners, bis auf den Arbeitsspeicher, abgeschaltet werden. Vorteil: Der Rechner ist auf Tastendruck sekundenschnell wieder betriebsbereit. Vista geht sogar noch einen Schritt weiter, sichert die Daten zusätzlich auf der Festplatte, damit sie auch im Falle eines Stromausfalls nicht verlorengehen.

Wer nicht jedes Mal selbst aufs Knöpfchen drücken möchte, um den PC in diesen Modus zu versetzen, stellt im Kontrollfeld "Energieoptionen" eine entsprechende Zeitspanne ein, nach der der PC sich selbsttätig ruhigstellen soll. Zehn, maximal 15 Minuten sollte man hier vorsehen.

Ausschließlich auf die Festplatte werden die Daten im Modus "Suspend to disk" (STD) gesichert. Der Vorteil: Der Rechner schaltet sich danach ab. Allerdings dauert das Wiedereinschalten und Zurückladen der Daten je nach System teils genauso lange wie ein kompletter Neustart. Verwirrend zudem: Unter Vista hat Microsoft die Benennung der Energiesparfunktionen geändert. Der Standby-Modus heißt nun "Energie sparen" und die Funktion zum Sichern des Speicherinhalts auf die Festplatte wird als Ruhezustand bezeichnet.

Aus ist nicht Aus

Problematisch beim Stromsparen per "Suspend to RAM": Komplett abgeschaltet ist ein PC nur, wenn man auch den Schalter am Netzteil umlegt. Der liegt aber typischerweise an der Rückseite des Rechners, wo auch das Netzteil ist. Logisch auch, dass kaum jemand jemals diesen Schalter benutzt, stehen PCs doch meist unter dem Tisch, so dass der Netzteilschalter fast unerreichbar ist.

Schaltbare Steckerleiste: Mit solchen Geräten lassen sich elektrische Verbraucher am besten zum Strom sparen überreden

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Empfehlenswert ist es daher, den Computer samt der meisten daran angeschlossenen Peripheriegeräte an eine Steckdosenleiste zu hängen. Die trennen die Geräte zuverlässig vom Netz, so dass jeglicher Stromverbrauch ausgeschlossen ist. Einziger Haken: Meist liegen diese Steckerleisten auf dem Fußboden, der übliche Kippschalter ist nur schwer erreichbar. Doch auch dafür gibt es Abhilfe in Form von Steckerleisten, die entweder mit einem zusätzlichen Fußschalter oder einem Taster für den Schreibtisch ausgestattet sind.

Noch bequemer geht es freilich mit sogenannten Master/Slave-Steckerleisten. Ihr Funktionsprinzip: Wird der Computer, also der "Master" abgeschaltet, werden auch alle anderen mit der Steckerleiste verbundenen Geräte, die "Slaves", vom Netz getrennt. Allerdings sind solche Steckerleisten nicht gerade billig, kosten mindestens 20 Euro. Schaltet man damit aber ein Ensemble aus PC, Display, Laserdrucker, Netzwerk-Router und USB-Hub aus, hat man diese Kosten nach spätestens einem Jahr über die Stromrechnung wieder eingespart.

Schluss mit dem Elektro-Aquarium

Bildschirmschoner erfreuen sich bis heute fragwürdiger Beliebtheit. Waren es einst Szenen virtueller Aquarien, die man sich in Arbeitspausen auf den Desktop projizieren ließ, sind es heute eher wabernde Lichtgebilde oder animierte Bildershows. So oder so: Bildschirmschoner sind unnütz, verbrauchen unnötig Strom und kosten somit Geld, das man sparen kann. Die Universität Münster hat nachgemessen und festgestellt, dass der berühmte Bildschirmschoner mit den Fischen mehr Energie verbraucht als ein echtes Aquarium - wenn man einen Röhrenbildschirm benutzt. Ein modernes TFT-Display wäre ungleich sparsamer, braucht aber konstruktionsbedingt keinen Bildschirmschoner.

Bildschirmschoner im "Matrix"-Look: Hübsch anzusehen aber unnütz
DDP

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Statt eines Bildschirmschoners sollte man also lieber die Energiesparoptionen des Bildschirms aktivieren. In Windows muss man dafür in dem Kontrollfeld "Eigenschaften von Anzeige" den Bildschirmschoner auf "Kein" setzen. Die Kontrolle über den Bildschirm übernimmt dann das Kontrollfeld Energieoptionen. Dort lässt sich festlegen, nach wie vielen Minuten Untätigkeit sich der Bildschirm abschalten soll.

Diese Zeitspanne sollte man mit Bedacht wählen. Röhrenbildschirme, die ohnehin Stromschleudern sind, kann man bedenkenlos schon nach zehn bis 15 Minuten schlafen lassen. Angst vor Schäden wegen des häufigen Ein- und Ausschaltens muss man nicht haben. Eine Studie der ETH Zürich hat gezeigt, dass PC-Elektronik erst nach 30 Jahren Verschleißerscheinungen aufgrund der Einschaltvorgänge zeigt. Allerdings hängt es auch von der Güte der vom Hersteller genutzten Bauteile ab, wie stark die Hardware leidet. Das ein Rechner innerhalb der typischen Nutzungszeit von etwa fünf Jahren tatsächlich Schaden nimmt, ist aber unwahrscheinlich.

Drucker schlafen teuer 

Nicht nur wenn sie drucken, genehmigen sich Laserdrucker eine ordentliche Strominjektion. Auch im Ruhezustand, also wenn sie auf neue Aufträge warten, ziehen sie etwas Strom aus der Steckdose. Das können bis zu 20 Watt sein. In der Regel begnügen sich die Geräte allerdings eher mit etwa fünf Watt. Bleibt ein solcher Drucker im Privathaushalt das ganze Jahr über im Bereitschaftsmodus, verbraucht er dabei fürs Nichtstun Strom für rund acht Euro.

Laserdrucker: Verbraucht nicht nur Toner oder Tinte, sondern je nach Modell auch jede Menge Strom

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Tintenstrahldrucker stehen dem in nichts nach. Der Bund (Bund für Umwelt und Naturschutz) hat anlässlich der Cebit etliche Tintendrucker unter die Lupe genommen und festgestellt, dass etliche Geräte sogar im scheinbar abgeschalteten Modus noch reichlich Energie umsetzen. Spitzenreiter war der Kodak Easyshare 3000, der auch abgeschaltet noch acht Watt verbriet. Mehrere Geräte von Hewlett Packard und Lexmark lagen mit Werten von über fünf Watt dicht auf. Grundsätzlich wäre es also geboten, auch diese Geräte bei Nichtgebrauch komplett vom Stromnetz zu trennen.

Dummerweise aber, und auch darauf weist der Bund hin, starten viele Tintenstrahldrucker nach einer solchen Totalabschaltung einen vollständigen Reinigungsvorgang, pumpen also Tintenschläuche und Druckköpfe frei. Da Druckertinte eine der teuersten Flüssigkeiten der Welt ist, sollte man bei solchen Geräten davon absehen, sie zum Stromsparen abzuschalten. Die Einsparungen auf der Stromrechnung würden von der unnötig verspritzen Tinte mehrfach zunichte gemacht werden.

Ob ein Drucker dieser Kategorie angehört, lässt sich leicht herausfinden: Man zieht einfach den Netzstecker, wartet kurz, steckt ihn wieder ein und beobachtet, was geschieht. Startet der Tintenspritzer einen Reinigungszyklus, erkennt man das daran, dass er über einen längeren Zeitraum Geräusche von sich gibt und sich die Druckköpfe in verschiedene Positionen bewegen.

Was sind eigentlich S-Modi?

Eine der wichtigsten Einstellungen zum Energiesparen befindet sich im sogenannten Bios eines PCs. Das BIOS ist so etwas wie das Grundprogramm des Rechners, das dafür sorgt, dass die elektronischen Bausteine der Hauptplatine zusammenarbeiten können. An das Bios kommt man heran, indem man beim Rechnerstart eine bestimmte Taste oder Tastenkombination drückt. Leider gibt es dafür keinen Standard. Häufig werden aber die Funktionstasten F1, F2 oder F12 genutzt. Meist wird die benötigte Tastenkombination nach dem Einschalten kurz auf dem Bildschirm mit einer Meldung wie "Enter Setup" signalisiert.

Energiesparmodi im Bios eines PC: Diese Einstellung legt fest, wie sparsam der Ruhezustand wirklich ist
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Energiesparmodi im Bios eines PC: Diese Einstellung legt fest, wie sparsam der Ruhezustand wirklich ist

Im Bios-Setup selbst ist dann ein Menüpunkt mit einem Titel wie "Power Management" zu suchen, der einen Auswahlpunkt für den "Suspend Mode" bereithält. Hier werden die sogenannten ACPI-Modi (Advanced Configuration and Power Management Interface) eingestellt. Sie legen fest, in welchen Stromsparmodus der PC in Ruhephasen umschaltet. Die wichtigsten dieser Stromsparmodi sind S1, S3, und S4.

Am häufigsten verwendet, weil meist am sinnvollsten, ist S3. In dieser Betriebsart sind fast alle Komponenten des PCs abgeschaltet. Nur der Arbeitsspeicher wird noch mit Betriebsspannung versorgt, um damit aktuell genutzte Daten und Programme zu sichern. Um diesen Zustand aufrechtzuerhalten, braucht ein PC nur wenig Energie. Je nach Modell sind das etwa 5 bis 20 Watt, manchmal sogar noch weniger. Der enorme Vorteil: Nach einem Druck auf die Einschalttaste ist das System binnen weniger Sekunden wieder einsatzbereit.

Deutlich länger dauert es, den Rechner aus dem S4-Modus zu erwecken. Diese Stromsparvariante schaltet wirklich alle Komponenten ab, sichert den gesamten Speicherinhalt auf die Festplatte. Der Vorteil: Man kann genau an der Stelle weiterarbeiten, an der man den Rechner verlassen hat. Zudem geht der Stromverbrauch noch weiter zurück als bei S3. Allerdings dauert es auch eine ganze Weile, bis die Kiste wieder läuft, schließlich muss der gesamte Speicherinhalt von der Platte gelesen und in den Arbeitsspeicher kopiert werden. Das kann schon mal ein bis zwei Minuten dauern.

Nur wenig spürbar sind dagegen bei Standard-PCs die Auswirkungen von S1. In diesem Modus wird nur der Prozessor abgeschaltet, der Rest des Systems hingegen in einer Art Warteschleife geschickt - in der Festplatte, Grafikkarten und Lüfter weiter mit Strom versorgt werden müssen. Der Stromverbrauch wird also nur um den Bedarf der CPU gesenkt. Bei aktuellen Quadcore-Prozessoren können das allerdings schon fast 100 Watt sein.

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