Große Verluste Apfel mit Dellen

Apple-Rechner können noch so bunt, rund und leistungsstark sein, sie verkaufen sich derzeit schlecht: Rund eine halbe Milliarde Mark hat der Konzern im zurückliegenden Quartal in den Sand gesetzt.


New York/München - Erstmals seit drei Jahren ist der Computerkonzern Apple wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Umsätze seien im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 im Jahresvergleich um 57 Prozent eingebrochen - auf eine Milliarde Dollar, wie der Hersteller am Mittwochabend in New York mitteilte.

Absatzkrise: Das Apple-Image ist angekratzt
AFP

Absatzkrise: Das Apple-Image ist angekratzt

Der Gesamtverlust belief sich auf 195 Millionen Dollar nach einem Netto-Gewinn von 183 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Operativ betrug das Minus sogar 247 Millionen Dollar. Auch in Europa musste der Konzern empfindliche Einbußen hinnehmen.

Apple hatte im Dezember die Gewinnaussichten auf Grund der schwachen Nachfrage nach unten berichtigt. Zur Belebung der Nachfrage stellte Apple-Chef Steve Jobs vorige Woche neue Systeme und Laptops für Benutzer wie Grafiker vor. Apple plant ferner, seine Rechner als "digitale Drehkreuze" für Musikabspielgeräte, Kameras und elektronische Kalender zu vermarkten.

Auch in Europa sind die Umsätze weggebrochen: Im ersten Quartal haben sich die Erlöse in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika im Jahresvergleich fast halbiert. Reiner Deichmann, kommissarischer Geschäftsführer der Apple Computer GmbH, zeigte sich dennoch zuversichtlich. Im Vergleich mit dem Vorquartal sei der Absatz bereits wieder auf 230.000 verkaufte Computer gestiegen - um beachtliche drei Prozent. "Zufrieden sind wir mit dem Ergebnis natürlich nicht", sagte Deichmann. Man habe aber die Lager stark abgebaut und könne jetzt mit neuen Produkten wieder Boden gutmachen.

Angesichts steigender Benzinpreise und anderer Kosten hätten Verbraucher größere Investitionen gescheut. So verlaufe der Verkauf des vielfach als "Hightechspielzeug" kritisierten Power Mac G4 Cube trotz Preisnachlässe weiter "nicht zufriedenstellend". "Immerhin hat der Absatz nach den Preisnachlässen etwas angezogen", sagte Deichmann. Apple hatte im Herbst einen Preisnachlass von 600 Mark gegeben, wenn der Kunde den Cube im Paket mit einem Monitor kauft.

"Der PC ist nicht tot", so der Apple-Chef. Gerade in Deutschland und Europa gebe es bei der "Marktdurchdringung" noch Aufholbedarf. Die Auftragslage bei Apple sei jetzt wieder sehr gut. Gerade von der Auslieferung der neuen G4-Rechnern verspreche sich der Konzern viel.

Da Apple die Märkte bereits vorgewarnt hatte, lagen die Quartalszahlen über den jüngsten Analystenerwartungen. Der Verlust je Aktie betrug im ersten Quartal 58 Cent. Zuletzt hatten die Analysten durchschnittlich 64 Cent erwartet. Im nachbörslichen Handel konnte die Apple-Aktie daher leicht zulegen. Für Aktionäre allerdings nur ein schwacher Trost: Im vergangenen Jahr hatte der Anteilsschein bereits zwei Drittel seines Werts verloren.



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