Großformat-Drucke im Test Die schönsten Fotodrucke auf Leinwand

Leinwandbilder im Großformat haben viele Anbieter im Angebot. Das Fachmagazin "Colorfoto" vergleicht die Druckergebnisse von neun Dienstleistern - der Testsieger ist nicht mal der teuerste Druckhändler.
Von Martin Biebel

Des Malers Grundlage ist die Leinwand, auf der die Pinselstriche die Jahrhunderte überdauern. Bilder auf Leinwand gelten als wertvoll und langlebig und diese Attribute erwartet auch der Fotograf, der großformatige Werke auf diesen Stoff drucken lässt und damit Kunst für den Wohnbereich produzieren möchte.

Die Digitaldrucker melden alljährlich die Verdoppelung ihrer Auftragseingänge, bei Preisen zwischen 40 und 88 Euro für dasselbe Motiv im Format 40 x 60 cm kein schlechtes Geschäft. Und für "ColorFoto" Anreiz herauszufinden, ob doppelter Preis auch doppelte Qualität bedeutet. Der Versand der Großkartons klappte in unserer Vergleichsbestellung genauso unkompliziert wie der von Fotos oder Alben – bis auf die Ausnahme "Printeria". Da war der Kurier nicht autorisiert, das Paket in Abwesenheit des Empfängers zuzustellen und nahm das Kunstwerk wieder mit, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

Wer Leinwanddrucke bestellt, sollte das Motiv bereits optimiert und auf Format gebracht haben, denn nur die wenigsten Anbieter erlauben die nötigen Anpassungen. Unser Motiv wurde bewusst kritisch ausgewählt. Es besitzt einen großen Kontrastumfang, starke Farben, zeigt ein Gesicht und Wasser, das Kompressionsartefakte aufdeckt, sowie einen fein detaillierten Hintergrund. Sie sollten wissen, dass derzeit kein Anbieter Bilder bearbeitet, deren Auflösung über 200 dpi liegt. Sehr wohl aber gibt es Anbieter, die intern auf 100 dpi herunterrechnen.

Ein Leinwandbild muss im Unterschied zu Fotopostern nicht die höchste Brillanz, vielleicht auch nicht die höchste Schärfe aufweisen, es muss aber bei guter Bildqualität den Leinwandeindruck vermitteln. Alle Leinwände werden auf einen Holzrahmen aufgezogen und in aller Regel rahmenlos aufgehängt.

Obwohl auch hier wie beim Gemälde das gute Passepartout viel zur Bildwirkung beitragen könnte. Gute Qualität versprechen die auch von Künstlern favorisierten Keilrahmen. Bei Ihnen werden Holzkeile in die Ecken eingeschlagen, wodurch sich wellende oder nachträglich verziehende Leinwände später noch korrigieren lassen.

"ColorFoto" hat ein eigenes Leinwand-Prüfverfahren aufgelegt, bei dem nicht nur die Bildqualität, sondern auch die Rahmung und Verarbeitung einer genauen Bepunktung unterzogen wird. Und Sie werden sehen: Die Unterschiede sind enorm. Alle Anbieter schließen das zweiwöchige Rückgaberecht für den individuellen Service aus, dazu räumt ihnen das Fernabsatzgesetz auch das Recht ein.

Lieferzeit, Bildqualität, Funktionalität - neun Anbieter von Leinwanddrucken im großen "ColorFoto"-Vergleichstest.

Aldi - günstig, aber mit Qualitätsproblemen

Bei Aldi  muss man zunächst nach dem Foto-Service fahnden und dann nach der erforderlichen Software. Eine Software finden die Tester immer gut, denn das erspart Verbindungsprobleme und bringt meist Bearbeitungsvorteile.

Die Aldi-Süd-Fotoservice-Software lädt nach problemloser Installation das Bild per Drag und Drop vom Rechner. Die Übersicht zeigt genau, ob der Randbeschnitt eingehalten wird. Sie können damit auch Kollagen erstellen, das Bild beschneiden und rote Augen entfernen.

Aldi: Sehr weich, man spürt die fehlende Schärfe sogar im Gesicht.

Aldi: Sehr weich, man spürt die fehlende Schärfe sogar im Gesicht.

Foto: ColorFoto

Sogar Helligkeit, Kontrast und Gamma sind einstellbar. Die Rahmengröße bestellbarer Leinwände ist aufs unschöne 4:3-Format beschränkt, alternativ gibt es Quadrate. Aldi bietet den Rahmen nur mit 2 cm Stärke an, das optisch schönere 4-cm-Rahmenformat fehlt. Nach der Registrierung in der Software erfolgt der Upload im modernen und platzsparenden Jpeg-2000-Format.

Das Aldi-Kunstwerk wurde bereits am vierten Arbeitstag geliefert, enttäuschte aber. Das gegenüber dem Ur-Hochkantformat von 40 x 60 um zehn Zentimeter beschnittene Bild hat dadurch eine unvorteilhafte Aufteilung. Schlimmer noch war die Detailunschärfe auf dem wenig überzeugend zusammengetackerten Rahmen.

Obwohl in der Grundeinstellung der Software (wo der Unbedarfte gar nicht nachsieht) eine Automatik eingeschaltet war, erschien das Frauengesicht zu dunkel. Dafür war die Farbtreue sehr gut, die Wisch- und Kratzfestigkeit ebenfalls.

Nur bei rüder Beanspruchung blättert die Farbe ab.

Kurz: Dem günstigsten Produkt im Test fehlte es etwas an Bild- und Verarbeitungsqualität.

allesdruck - exakte Verarbeitung

Bei allesdruck  kann man von Papierservietten bis zu Fototapeten so ziemlich alles individuell bedrucken lassen. Genauso individuell ist die Beratung. Das beginnt mit der groß eingeblendeten Hotline-Telefonnummer auf der Startseite und endet mit der persönlich adressierten E-Mail, die darüber aufklärt, wann das Produkt das Haus verlässt.

Es gibt keine Gestaltungssoftware, direkter Upload ist angesagt. Die Seite ist recht logisch aufgebaut, wenngleich die Eingabefelder etwas amateurhaft wirken. Einzigartig ist die Möglichkeit, das gewünschte Rahmenformat auszuwählen und mit 2 oder 4 cm Rahmenstärke zu bestellen. Dabei sind die Preise für diesen Service grundsätzlich moderat.

Allesdruck: Sehr dunkel und glänzend

Allesdruck: Sehr dunkel und glänzend

Foto: ColorFoto

Eine cremefarbige Sepia-Variante mit schwer entflammbarer Leinwand eignet sich auch für öffentliche Gebäude, zumal bei allesdruck die Druckfläche erst bei 300 x 150 cm endet. Heiduk gibt auf seiner Page fairerweise gleich an, dass die Daten auf 120 dpi heruntergerechnet werden.

Die Bearbeitungsmöglichkeiten nach dem Hochladen beschränken sich auf eine sinnvoll gestaltete Formatanpassung und drei Farbeffekte à la Sepia oder Schwarzweiß. Daneben kann der Kunde bei zu geringer Überlappung Seitenrandfarben definieren. Das ist praktisch, wenn der Beschnitt der über die Rahmenstärke gezogenen Leinwand bei der Motivauswahl nicht mit einberechnet wurde. Diesen Beschnitt zeigt die Vorschau im zweiten Schritt nach der Festlegung des Grundformates auch an. Sie zeigt aber nicht, ob die Datei groß genug für das beabsichtigte Format ist.

Das allesdruck-Bild brauchte sechs Arbeitstage bis zur Lieferung. Es ist eins der drei Produkte, die bei schräger Betrachtung heftig glänzen. Dafür ist das Bild recht wischfest, jedenfalls fällt der Farbabtrag nicht auf, doch an den Kanten bricht die Farbe etwas, 100-prozentig fest sitzt sie also nicht.

Die Bespannung überzeugt: Doppelt gefalzt schmiegt sich die Leinwand ordentlich um den Rahmen. Die Methode bringt allerdings eine Materialverdickung an den Stirnseiten mit sich, die auch beim Aufhängen sichtbar bleibt. Empfindliche kann das stören – oder sie finden das gerade schick. Die Abbildungsschärfe war unterdurchschnittlich. Es scheint, als würde die sehr auffällige, aber ansprechende Kreuzstruktur der Leinwand Schärfe kosten.

Feine Details fallen buchstäblich durch die Maschen. Die Farbtreue ist gut, die Farben jedoch etwas vergraut und wenig brillant. Der Kontrast ist vergleichsweise niedrig, der Bildausschnitt wurde optimal getroffen. Für großflächige, genau vorbereitete Motive ohne Tiefennuancen kann allesdruck mit seiner besonderen Leinwandstruktur und der exakten Verarbeitung durchaus eine Alternative sein.

Artido - wenig Kontrast

Neunzig Jahre hat die Seidenweberei Ludwig Güsken auf dem Buckel, jetzt druckt sie Fotos auf Leinwände, Kissen und Bettwäsche. Artido  ist der einzige Hersteller, der das Original Ökosiegel nach Öko-Tex Standard 100 für seine Leinwände verwenden darf. Beim Bestellen gibt es kein Vertun: Ganz einfach wird das Bild hochgeladen, maximal bis zu 5 MB darf es groß sein.

Es folgt ein einfacher – Daumen hoch – Qualitätscheck und eine umfassende Formatauswahl, bei der praktischerweise auch das Seitenverhältnis angegeben ist. Dann folgt eine angenehm große Vorschau, die Beschnittkanten akkurat zeigt und zudem die Möglichkeit bietet, die Kantenbereiche einfach zu spiegeln, um so die Seitenränder unauffällig mit Motiv zu tarnen.

Artido: wenig Kontrast und völlig andere Anmutung

Artido: wenig Kontrast und völlig andere Anmutung

Foto: ColorFoto

In der Regel möchte der Kunde schließlich nur erreichen, dass die Ränder seiner frei aufgehängten Bilder nicht weiß sind. Eine clevere Idee. Für fünf Euro Aufpreis bietet Artido auch den 4-cm-Rahmen. Artido beschäftigt sich nicht mit komplexen Online-Zahlungsmodi, sondern versendet mit dem Rahmen einfach eine Rechnung.

So leicht geht das. Allerdings muckte die Homepage kurz vor dem Bestellabschluss – einen haben Punkt ziehen wir dafür ab. Am zweiten Arbeitstag nach Aufgabe der Bestellung war das Paket schon da. Die Wirkung des Bildes unterscheidet sich fundamental von allen anderen. Das Motiv wirkt wie in den Stoff eingefärbt, nicht wie ein Gemälde. Das kann für bestimmte Motive interessant sein, entfernt sich aber von der Erwartungshaltung eines gemäldeartigen Kunstwerks und wirkt sich negativ auf die Detaildarstellung und die Objektränder aus.

In den Tiefen gab es kaum Zeichnung und auch der Farbraum traf das Original nur ungefähr. Dennoch sammelt das Bild Punkte und zwar mit einer extrem guten Farbhaftung und Wischfestigkeit sowie völliger Reflexionsfreiheit. Auch von der Seite im Treppenaufgang ist das Bild also gleich erkennbar. Auch in der Verarbeitung gab sich der hochwertige nordische Fichtenholz-Keilrahmen keine Blöße. An den Kanten sind die Umschläge sogar extra verleimt. Sehr gut.

Dennoch: Das Artido-Bild entsprach einfach nicht unseren Erwartungen an eine Bilderleinwand. Wer das Resultat nicht kennt und beabsichtigt, ist enttäuscht.

digiposter - einfach zu grau

Hinter digiposter  steckt ein Spezialist für Großformatdruck, der keine Software zur Bearbeitung der Datei liefert. Nach dem Upload zeigt die Seite dafür übersichtlich wie keine andere die möglichen Druckqualitäten auf Basis der Datenmenge an, praktischerweise gleich mit dpi-Anzeige und Ampel-Warnung. Rote Felder bedeuten: Achtung, zu geringe Auflösung.

Eine große Einblendung warnt, wenn es mit dem Beschnitt nicht klappt. Diese Beschnittsangabe stimmt fast millimetergenau mit dem gelieferten Endergebnis überein, doch es fehlt ein Werkzeug zur Anpassung. digiposter bietet ab 50 Euro Bestellwert kostenfreien Versand, bezahlt wird ganz einfach per Rechnung oder Lastschrift.

digiposter: Einfach zu grau ist die kontrastlose Wiedergabe ausgefallen.

digiposter: Einfach zu grau ist die kontrastlose Wiedergabe ausgefallen.

Foto: ColorFoto

Acht Tage vergingen vom Bestelltag bis zur Lieferung. Damit reizte digiposter das auf der Homepage selbst gesetzte Zeitlimit voll aus. Aus der Verpackung schälte sich das Bild mit der glänzendsten Oberfläche und der geringsten Brillanz. Trotz einer Beschichtung, die nur einen geringen seitlichen Blickwinkel zulässt, konnte kein größerer Kontrast als bei der Konkurrenz erzielt werden. Im Gegenteil: Das Motiv erschien vergraut, ohne Zeichnung in den Tiefen und farblich flau.

Besonders enttäuschend ist die Wiedergabe des Frauengesichts. Immerhin, bei digiposter wird garantiert nicht geschönt und eigenmächtig aufgehellt, die Farbtreue selbst ist abgesehen vom Grauschleier recht ordentlich. Negativ auch, dass trotz der Glanzschicht die Farbe mit am leichtesten abgewischt werden konnte. Das liegt am Druckverfahren mit pigmentierter Tinte, die nicht wasserresistent und auch weniger UV-lichtbeständig ist als das Druckverfahren der meisten Wettbewerber, die UV-härtende Farben verwenden.

Von der Rückseite zeigt die Leinwand den geringsten Weißegrad aller Probanden – eine mögliche Ursache für den geringen Kontrast. Die Verarbeitung war in Ordnung, doch an den Umschlägen bildeten sich trotz gekonnter Verarbeitung leichte Zipfel. Die Schärfewirkung des Druckes zählt insgesamt zu den besten.

Fotokasten - Testsieger

75 Jahre UV-Schutzgarantie gewährt Fotokasten , hinter dem die große Digitaldruckerei "Deutsche Online Medien" (dom) steht, für seine Leinwände. Da ist Ausbleichen eher unwahrscheinlich. Weniger überzeugend ist der Online-Auftritt des Vollsortimenters, bei dem man zwischen den Tassen und T-Shirts erst nach den Leinwänden suchen muss.

Die bietet Fotokasten auch als "Zauberleinwände" mit vorgefertigten Kitschmotiven an, in die dann der Kopf des Kunden einmontiert wird. Das Bild muss per Einzel-Upload manuell eingepasst werden und überhaupt macht die Webseite einen etwas altmodischen und unsicheren Eindruck. Zum Abschluss der Bestellung muss ein Häkchen für die Datenschutzerklärung aktiviert werden, die eine Nutzung der Daten für Werbezwecke nicht ausschließt.

Sehr teuer ist auch die Hotline mit 60 ct/min. Die möglichen Rahmenformate sind limitiert. Als Sonderformate gibt es allerdings das Tryptichon, bei dem das Bild auf drei Rahmen verteilt wird. Sonst ist bei 60 x 80 und einer Rahmendicke von 2 cm Schluss.

Fotokasten: bester Kontrast, gute Schärfe, leicht orange das Gesicht

Fotokasten: bester Kontrast, gute Schärfe, leicht orange das Gesicht

Foto: ColorFoto

So lahm die Seite, so schnell der Versand: Drei Arbeitstage benötigte Fotokasten zur Produktion und Lieferung. Das reicht auch für Schnellschuss-Geschenke. Der Rahmen, der in einer stabilen Verpackung steckte, war sauber verarbeitet, der Kantenumschlag gelang sehr gut. Die Spannung hätte höher sein können, was sich durch die Keile aber nachstellen lässt. Schon auf den ersten Blick fiel die Leinwand durch ihre hohen Kontraste und das gut erkennbare Gesicht der Frau unter dem Schlapphut auf.

Der zweite Blick offenbarte dann die mit Abstand größte Schärfe und Akkuratesse in der Detaildarstellung von Wellen und Häusern. Schließlich gab es gefällige, lebendige Farben, die allerdings ihren Hang ins unrealistisch Freundliche nicht verhehlen konnten. Die Farbe sitzt wisch- und kratzfest auf der Leinwand und der Blickwinkel ist erfreulich groß. Der einzige Vorwurf, den man der Fotokasten-Leinwand machen kann, ist, dass sie schon sehr wenig Struktur besitzt und im Eindruck eher einem Poster nahekommt.

Dennoch ist dieses Produkt unser unbestrittener Bildqualitäts-Testsieger. Allerdings ist es auch die zweitteuerste Leinwand im Testfeld. Bei gut 30 Euro Aufpreis gegenüber Aldi darf der Kunde auch besondere Qualität erwarten. Fotokasten erfüllt diese Erwartung und holt den Testsieg.

Myphotobook - bunt und knallig

Wer zu Anfang bei Myphotobook  seine E-Mail angibt und sich als Neukunde registriert, kann ein Bild hochladen und ein Format festlegen. Wer sich dabei vertut, hat aber bereits keine Korrekturmöglichkeit mehr. Das ist symptomatisch für die steife Programmierung, die nur vorgibt, schick und flexibel zu sein. So wird zunächst eine Aktivierungs-Mail an die angegebene Adresse versendet, und da dies wohl wegen Online-Problemen nicht gleich eintraf, ging es im Test mit der Bestellung erst am nächsten Tag weiter.

Für Leinwände gibt es nur den Direkt-Upload und das im ersten Schritt nur mit winziger Bildkontrolle. Im nächsten Schritt wird die Vorschau etwas größer, exakten Aufschluss über den Randbeschnitt gibt das System nicht. Etwas unübersichtlich sind die Bestell- und Warenkorb-Seiten: Wo beispielsweise löscht man einen Auftrag aus dem Warenkorb? Und warum darf man ein eben eingestelltes Produkt erst Tage später wieder löschen?

Angenehm fällt dafür die große Formatvielfalt auf – in Zehnerschritten reicht sie bis 150 x 150 cm. Vielfältig sind auch die Zahlungsmöglichkeiten, doch die einfache Rechnung fehlt. Auch eine Telefon-Hotline suchten wir vergebens.

Myphotobook: Bunt, knallig und doch zu wenig Zeichnung im Gesicht.

Myphotobook: Bunt, knallig und doch zu wenig Zeichnung im Gesicht.

Foto: ColorFoto

Die Lieferzeit war mit acht Tagen eine der langsamsten im Testfeld. Das Ergebnis macht den Eindruck einer sechziger Jahre Postkarte, die Tiefenzeichnung ist gering. Zu sonnig das Gelb, zu blau der Himmel, und das Gesicht der Dame unter dem Schlapphut ist zwar orangefarben, aber dennoch kaum zu erkennen.

Die Bildschärfe liegt im Mittelfeld, die Kanten kleiner bunter Objekte macht überbordende Farbe unpräzise. Leider reflektiert die Deckschicht stark, der Blickwinkel ist beschränkt. Es gibt keinen Kantenbruch der Farbe, aber so richtig wisch- oder kratzfest ist der Druck dennoch nicht. Die rückseitige Verarbeitung fällt durch einen billigen, ungehobelten Rahmen auf, die Eckenverarbeitung hingegen ist tadellos. Die deutliche und gefällige Leinwandstruktur entspricht recht exakt der von digiposter.

Insgesamt ist die Qualität des mit immerhin 62,45 Euro zu Buche schlagenden Druckes derart, dass er eine Reklamation nach sich gezogen hätte, wäre es eine normale Kundenbestellung gewesen.

pixum - gute Farben, sehr realistisch

Auffällig sind bei Pixum  zunächst die niedrigen Versandkosten und das üppige Panoramaformat bis zu einer Größe von 90 x 160 Zentimetern. Für unser 40 x 60-Format forderte pixum eine empfohlene Auflösung von 1772 x 2559 Pixel – also ein 4,5-Mega-Foto.

Die Seite bietet nach dem Upload weder Größencheck noch Optimierungsmöglichkeiten, nur am Ende eine Anzeige des verwendeten Bildausschnittes. Auch der ist aber nicht einstellbar. Insgesamt ist die pixum-Variante der rudimentärste Leinwand-Bestellprozess, aber dafür recht narrensicher.

pixum: sehr realistisch, gute Farben, Kontrast ausreichend

pixum: sehr realistisch, gute Farben, Kontrast ausreichend

Foto: ColorFoto

Ein bisschen schweinchenrosa war die Haut der Frau auf der Leinwand, die pixum am vierten Arbeitstag nach Bestelleingang lieferte. Damit blieb die Firma genau am selbstgesetzten Limit. Das bei Cewe produzierte Bild war außer dem leichten Bonbontouch aber sehr ansehnlich. Die partielle Gesichtsaufhellung gab der Frau den besten, wenn auch nicht hellsten Teint im Gesamtklassement, die Kontraste überzeugten, Klarheit und Schärfe erreichten zwar nicht Fotokasten-Niveau, boten aber keinen Anlass zur Kritik.

Für uns der beste Kompromiss zwischen Leinwandstruktur und Schärfeleistung, insgesamt erfreulich. Die Knackpunkte bei pixum lagen in der Verarbeitung: Das Bild zeigte sich zwar wisch-, aber keinesfalls kratzfest. Das pixum-Bild will behandelt werden wie ein rohes Ei, sonst platzt die Farbe ab. Immerhin, das passiert nicht großflächig, aber ruckzuck besaß die pixum-Leinwand ein paar unansehnliche weiße Sommersprossen.

Auch verwendet pixum keinen Keilrahmen, nachspannen ist also nicht möglich – und Spreißel kann man sich am ungehobelten Rahmen ebenfalls in die Hand ziehen. Da die Preise in der Größenordnung von Fotokasten liegen, bleibt pixum im Preis/Leistungsverhältnis deutlich zurück.

printeria - Kauftipp Funktionalität

Der Anbieter printeria  druckt wie Fotokasten auf alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Die äußerst übersichtlichen Seiten bieten gleich die Offline-Gestaltung und den Download der selbst programmierten DigitalprintLab 3 Software an. Damit begann der Wahnsinn: Die Software installiert zunächst Webwide Publisher Netinstall mit 46 MB, dazu Digital Printlab 3 mit 129 MB Datenmenge und Microsoft.net Framework.

Die Software möchte denn auch einen 2 GHz Dual Core und 1024 MB Arbeitsspeicher im Rechner finden. Das ist momentan ein wenig mit Kanonen auf Spatzen geschossen, dennoch lief die Software auch auf dem alten Mini-Laptop mit 512 MB Arbeitsspeicher sehr ordentlich.

printeria: gute Farben, etwas zu dunkel, Glanzreflex im Haarbereich

printeria: gute Farben, etwas zu dunkel, Glanzreflex im Haarbereich

Foto: ColorFoto

Printeria zeigt mit der Bildbearbeitungs- und Upload-Software, was möglich ist: Das moderne Design erinnert an Photoshop Lightroom und die Sony Playstation, die Bearbeitung ist elegant und die Möglichkeiten insgesamt so umfangreich, dass in vielen Fällen eine eigene Bildbearbeitungssoftware nicht mehr benötigt wird.

Dazu kommt die Möglichkeit, mehrere Layer von Bildern, Texten und Grafikelementen durch Drag und Drop übereinander zu arrangieren. Die Möglichkeiten inspirierten so, dass wir gleich Schriftfonts und einen Kussmund als Ikon aus den Clip Arts hinzufügten. Mit diesen hilfreichen Werkzeugen macht Printeria eine Menge Punkte gut. Vorbildlich.

Das einzige Problem: Wir hatten ein Motiv im 3:2-Format angeliefert – zurück kam wie bei Aldi eines im 4:3-Format. Das schaut weniger gut aus, zumal die Hersteller auch nicht exakt den Rahmeninhalt aufzogen, den wir bei der Bearbeitung zu sehen geglaubt hatten.

Der Frauenhut verlor sich im Rahmenumschlag, während unser Clip-art-Aufdruck am unteren Rand dümpelte. Abgesehen von diesen motivabhängigen Geschmacksfragen zeigte das Printeria-Bild die realistischste Farbwiedergabe des gesamten Testfeldes. Gerade die Hauttöne überzeugten. Die gesamte Bildanmutung – nicht nur das Format – entspricht der bei Aldi, nur ist das Printeria-Bild deutlich schärfer. Es liegt in der Region von myphotobook und pixum. Da das Gesamtbild aber leicht verkleinert ist, wirkt die Schärfe etwas höher.

Der Eindruck liegt nahe, dass Aldi und Printeria den selben Hersteller haben, was auch der billig wirkende Keilrahmen zu bestätigen scheint – eventuell reduziert ja Aldi beim Software-upload die Datenmenge und so auch die Auflösung. Bei Printeria mit der ausgebufften Software ist das anders – hier bekommen die Bastler ein ungeschöntes Bild. Wer weiß, was er will, bekommt ansprechende Ergebnisse, allein der Kontrast könnte höher sein. Auch glänzt der Gesichtsbereich der Frau, wenn auch nur dieser, bei schräger Betrachtung.

Der Farbauftrag ist wischfest, nur bei harter Beanspruchung platzt Farbe ab. Die Bespannung war etwas amateurhaft ausgeführt, die aufgetackerte Leinwand bildete Wüls te, stand an einer Ecke sogar etwas über. Printeria liegt preislich im Mittelfeld, bezahlt wird per Rechnung – Kauftipp Funktionalität.

XXL-Pix - etwas flau, gute Schärfe

Beim Leinwandspezialisten werden im Thermo-Color-Verfahren Leinwände in zahlreichen Formaten und Größen bis maximal 160 x 120 cm bedruckt. XXL  hat das vielseitigste Bezahlsystem, auch die einfache Rechnungsstellung ist dabei. Die Hotline wird direkt unten in der Homepage angezeigt.

Wieder beginnt mangels Software alles mit dem Hochladen der Dateien vom Rechner. Sofort nach dem problemlosen Update erscheinen die möglichen Größen in der Anzeige – erstaunlich, unser Bild wurde selbst für ein Format von 100 x 150 cm für tauglich erklärt. Gestaltungsmöglichkeiten gibt es keine, immerhin wurde das Testbild perfekt in den Rahmen eingesetzt.

Die Anzeige des Beschnittes ist korrekt und verbindlich. Interessante Geschäftserweiterung: XXL-Pix arbeitet mit der Homepage Bilderloft.de zusammen, wo Künstler bereits eine Menge fertige Motive zum nicht ganz billigen Kauf anbieten. Eine Lieferzeitangabe fehlte, allgemein ist von zwei bis drei Arbeitstagen die Rede.

XXL-Pix: etwas flau, leicht zu dunkel, aber gute Schärfe

XXL-Pix: etwas flau, leicht zu dunkel, aber gute Schärfe

Foto: ColorFoto

Der teuerste Anbieter hielt sein Versprechen und lieferte am dritten Arbeitstag nach der Bestellung – das ist flott. Schon der erste Eindruck zeigte, dass es hier gute Ware für gutes Geld gibt. Der akkurate Farbauftrag war wisch- sowie kratzfest und blätterte auch nicht ab. Die Farbe zeigte sich recht neutral, nur im leicht aufgehellten Gesicht wurde es zu orange und im Himmel hätte etwas mehr Farbe gut getan.

Wie Pixum hatte auch XXL-Pix trotz der zweitbesten Schärfeleistung weder in Detailreichtum noch in Kontrast oder Brillanz eine Chance gegen das Fotokasten-Bild. Der Betrachtungswinkel war hoch, allerdings reflektiert der Gesichtsbereich, wenn die Dame gegen helles Fensterlicht betrachtet wird. Im Blaubereich zeigte sich dann ein Wartungsmangel der Druckmaschine. Breite Querstreifen eines leicht unsauber arbeitenden Druckkopfes verliehen dem Kleid völlig neue Strukturen. So hätte das Bild die Schlusskontrolle des Herstellers nicht passieren dürfen.

Völlig unverständlich ist, warum es das teuerste Produkt nicht für nötig befindet, vernünftige Keilrahmen zu verwenden. Und der einfache Holzrahmen war trotz relativ lascher Bespannung leicht verzogen. Insgesamt schwache Verarbeitung, aber guter Bildeindruck.

Fazit

Fotokasten gewinnt dank der besten Bildqualität mit hauchdünnem Vorsprung vor Printeria, das mit der überzeugendsten Bestell- und Bearbeitungssoftware punktet (Kauftipp). Das zeigt das typische Spannungsfeld im Leinwandtest: Wer sich auskennt und bereits perfekte Bilder anliefert, kann streng auf die Bild- und die Verarbeitungsnote schauen, alle anderen, die bequem zu schönen Ergebnissen kommen wollen, brauchen die Online-Bewertung.

Da alle Anbieter problemlos lieferten und alle das Widerrufsrecht ausschließen, sind beim direkten Upload hauptsächlich zwei Dinge wichtig: Das Datenschutzrecht, welches in manchen Fällen der Werbeflut Tür und Tor öffnet, und die Möglichkeit zur Feinanpassung des Bildausschnittes. Zumindest dieser sollte integriert sein, wenn schon die Bearbeitungsmöglichkeiten häufig sehr spartanisch ausfallen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.