HD DVD und Blu-ray-Disk Kopierschutz geknackt

Ist der Kopierschutz von HD DVD und Blu-ray-Disk bereits am Ende, noch bevor die neuen Formate richtig populär werden können? Im Web ist eine Anleitung aufgetaucht, wie man sich einen Generalschlüssel verschaffen kann.


Bereits im Dezember vergangenen Jahres tauchte ein Hack auf, mit dem sich HD-DVDs und Blu-ray-Disks aus ihrer Kopierschutzklammer lösen lassen. Sogar ein einfach zu bedienendes Programm zum Auslesen der hochaufgelösten Filme stellte der Entdecker der Kopierschutzlücke, ein Forumsteilnehmer namens "muslix64", zum Herunterladen bereit. Allerdings, und das war der Haken bei der Sache, funktionierte sein Trick nur, wenn man zuvor Software-Schlüssel der jeweiligen Disk in Erfahrung bringen konnte.

Blu-ray-Disk: Kaum im Markt, schon geknackt
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Eben dieser Schritt ist jedoch alles andere als trivial. Schließlich muss man dazu den Arbeitsspeicher des PCs nach dem gesuchten Zahlencode durchleuchten, während die Abspielsoftware WinDVD 8 HD den Film wiedergibt. Schlimmer noch: Dieser aufwendige und zeitintensive Vorgang muss für jede neue HD-Scheibe wiederholt werden. Bis heute sollen auf diese Weise rund 100 HD DVD-Titel sowie einige wenige Blu-ray-Filme entschlüsselt worden sein.

Nun scheint es jedoch, dass es einem Tüftler gelungen ist, einen Generalschlüssel für das von HD DVD und Blu-ray gleichermaßen genutzte Verschlüsselungssystem AACS zu finden. In demselben Internetforum, das auch schon muslix 64 als Plattform nutzte, beschreibt ein Anwender mit dem Codenamen "arnezami", wie es ihm gelungen ist, die nur 16 Bit lange Zeichenfolge herauszufinden.

Erfolg durch Unterlagen-Einsicht

Demnach nutzte er zum Abspielen ein externes Laufwerk, welches via USB an den PC angeschlossen war. Mit Hilfe eines Programms namens USB-Sniffer "belauschte" er den Datenstrom, den das Laufwerk an den Rechner sendete. Den so mitgeschnittenen Datenwust durchforstete arnezami nach einer bestimmten Zeichenfolge. Wo er die zu suchen hatte, hatte er aus der Dokumentation zum AACS-Verschlüsselungssystem erfahren. So stieß er auf jene Zeichenkombination, die seinen Angaben zufolge als Generalschlüssel taugt.

Besonderen Wert legt der Tüftler auf die Feststellung, keinerlei Hacking-Tools oder Debugger benutzt zu haben, um ans Ziel zu gelangen. Stattdessen, so erklärt er in einem Forumsbeitrag, habe er sich "die meiste Zeit mit den AACS-Unterlagen beschäftigt".

Einfach zu knacken

Nun genügt es, einen bestimmten Zahlenwert von der jeweiligen Disk auszulesen, um an den passenden Generalschlüssel zu kommen. Verdutzt musste arnezami allerdings feststellen, dass dieser Zahlenwert, die sogenannte "Volume ID", keineswegs zufällig ausgewählt wird. In einem Fall entsprach sie sogar einfach dem Namen der entsprechenden Disk. Ein Programm, welches diesen Volume ID automatisch ausliest und ebenso automatisch den dazu passenden Schlüssel berechnen soll, will arnezami in Kürze nachreichen.

HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').
Full-HD-Filme, wie man sie in Online-Videotheken wie dem iTunes Store ausleihen oder über die integrierten Blu-ray-Laufwerke einiger Notebooks anschauen könnte, haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das Label "HD ready 1080p" besagt, dass das Gerät Vollbilder von 1920 × 1080 Pixeln zeigt.
Das Advanced Access Content System ist ein Kopierschutzsystem, das vor allem auf Wunsch der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut werden soll, die HD-Inhalte abspielen können. Ohne AACS soll man keine hochaufgelösten Filme abspielen können. Kopien sollen nur mit expliziter Erlaubnis des Urhebers gemacht werden können, die man sich zum Beispiel online abholen könnte. Nur so könnte man einen Film dann auch über ein Media Center oder an mobile Geräte streamen. Der Urheber kann aber Kopien auch verbieten oder eine Gebühr verlangen. Um AACS gab es langes Gerangel - denn es gibt noch nicht viele Geräte, die das System überhaupt unterstützen. Eine Interims-Lösung wird den Kopierschutz deshalb nun zunächst zahnlos machen - auch über analoge Ausgänge wird man dann noch HD-Filme ansehen können, obwohl die Studios die Ausgabe lieber gleich auf digitale Ausgänge beschränkt hätten, die mit einem weiteren Schutz namens HDCP versehen sind.
High Bandwidth Digital Content Protection ist eine Art Hardware-Kopierschutz. Auch er soll verhindern, dass hochaufgelöstes Material einfach mitgeschnitten werden kann. HDCP muss im sendenden Gerät, also dem Player oder der Grafikkarte, ebenso eingebaut sein wie im Empfänger, also dem Monitor oder TV-Gerät. Während Fernseher, die das "HD Ready"-Logo tragen, HDCP-fähig sein müssen, sind es viele Monitore und Grafikkarten aber noch nicht. Eine HDMI-Schnittstelle kann immer auch HDCP, eine DVI-Schnittstelle nicht notwendigerweise.
Das High Definition Multimedia Interface soll nach dem Wunsch der Hersteller die generelle Schnittstelle der Zukunft sein, für Musik, Filme und auch die Verbindung zwischen Computer und Monitor. Sie ist standardmäßig mit HDCP ausgestattet - ein Ausgabegerät mit HDMI-Schnittstelle und ein Fernseher mit dem "HD Ready"-Logo sollten gemeinsam also in jedem Fall hochauflösende Filme darstellen können.
Digital Video Interface - die erste digitale Schnittstelle für Video-Inhalte, die aber bereits dabei ist, von HDMI abgelöst zu werden. Manche DVI-Ausgänge sind auch mit HDCP ausgestattet, andere nicht. Besonders bei vielen Grafikkarten fehlt der Hardware-Kopierschutz noch - was zu Problemen bei der Wiedergabe von kopiergeschützten hochauflösenden Filmen führen könnte.
Für die Unterhaltungsindustrie scheint nun also Handlungsbedarf zu bestehen. Dabei dürfte es allerdings kaum ausreichen, einfach nur den Generalschlüssel zu ändern. Schließlich, könnten sich Hacker mit den beschriebenen Methoden jederzeit einen neuen Nachschlüssel anfertigen. Würde nun jedoch das Verschlüsselungsverfahren grundlegend geändert, wäre dies der Todesstoß für alle aktuellen HD-Player, die nach einer solchen Änderung zukünftige HD DVDs und Blu-ray-Disks nicht mehr abspielen könnten.

mak

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