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25. März 2006, 11:03 Uhr

HDTV-Recording

Scharfe Bilder auf der Flucht 

Von Alexander Walz und Markus Wölfel

Mit HDTV versprechen die Anbieter ein völlig neues Fernseherlebnis. Sobald man die hochauflösenden Bilder jedoch auf Festplatte aufnehmen möchte, ist es vorbei mit der schönen neuen TV-Welt.

HDTV. Diese vier Buchstaben stehen für das derzeit heißeste Thema unter Home-Cineasten. Premiere und die Pro7-Sat1-Gruppe senden bereits in High Definition, Displays und Beamer ohne „HD-ready“-Logo sind kaum noch verkäuflich. Demnächst sollen auch die hoch auflösenden Disk-Formate Blu-ray und HD-DVD in Deutschland an den Start gehen.

Hitachi-Festplattenrecorder: Hollywood bremst kräftig 
AFP

Hitachi-Festplattenrecorder: Hollywood bremst kräftig 

Hemmungsloser Euphorie steht allerdings eine Einschränkung im Wege: Hoch auflösendes Fernsehen gibt’s bislang nur live, wenn es also tatsächlich über den Satelliten geht. Die Aufzeichnung von HD-Signalen klappt bislang nur eingeschränkt: Die deutschen HDTV-Sender Premiere und Pro7-Sat1 setzen nicht auf das im Ausland für HDTV verwendete MPEG-2, sondern auf die höhere Komprimierung von MPEG-4/H.264 und DVB-S2. Das macht die Übertragung zwar effizienter, aber bislang lassen sich solche Signale nur am PC mitschneiden.

Für all die neuen HDTV-Receiver gehört ein restriktives Rechtemanagement zur Pflicht-Ausstattung. Spielfilme des Pay-TV-Senders Premiere etwa gibt’s in voller Auflösung nur über den digitalen HDMI-Ausgang zu sehen. Die per HDCP verschlüsselten Signale kann nur ein HDCP-taugliches Display darstellen – alle anderen Bildschirme bleiben schwarz oder zeigen bestenfalls Bilder in PAL-Auflösung via Scart-Verbindung.

Die Schnittstellen 

Aufnahmen via HDMI werden bis auf weiteres nicht möglich sein – schließlich soll die geschützte Schnittstelle ja vor allem Mitschnitte hochauflösender Inhalte verhindern. Ob es jemals Recorder mit HDMI-Eingang geben wird, ist zweifelhaft, denn HDMI überträgt ein unkomprimiertes Video-Signal, das die Speicherkapazität selbst fortschrittlichster Datenträger weit überfordern würde. Zur Aufnahme wäre also eine erneute Komprimierung erforderlich.

Aber auch eine analoge Übertragung – etwa wenn eine Set-Top-Box nicht geschützte HD-Inhalte über eine analoge Komponenten-Verbindung ausgibt – stellt Recording-Fans vor ein Problem: Entsprechende Eingänge hat bislang kein Recorder, ebenso wenig die für eine Echtzeit- Komprimierung nötige Encodertechnik.

Auch die in Japan verkauften Blu-ray-Recorder zeichnen HD-Material nur digital auf – ohne Neukodierung – und durch restriktives Rechtemanagement geregelt. Verlustfreie Aufnahmen wären via Analogeingang nicht möglich, Qualitätseinbußen in der Aufnahme die Folge – wie bei aktuellen DVD-Recordern, die analoge Signale empfangen und aufzeichnen.

Zum Kopieren eignen sich theoretisch alle Schnittstellen, die Video-Signale in komprimierter Form übertragen können: USB-, Firewire (IEEE 1394) oder Ethernet-Verbindungen. So nutzen beispielsweise die in Japan und USA erhältlichen Blu-ray- und D-VHS-Recorder IEEE 1394 als Datenschnittstelle, um etwa die Signale einer Set-Top-Box zu empfangen. Bereits hier greift jedoch das restriktive Rechtemanagement: So sind praktisch alle HDTV-Ausstrahlungen in Japan mit einem „Copy-once“- Signal markiert, sodass sich Sendungen nur einmal aufnahmen lassen. Generell kann nur aufgezeichnet oder gar kopiert werden, was der Rechteinhaber ausdrücklich zulässt.

Der ideale Recorder hat ein eingebautes Digital-Empfangsteil und speichert eingehende Signale ohne Wandlungsverluste auf einem möglichst speichergewaltigen Medium – wie die in Übersee erhältlichen Blu-ray- und HDD-Recorder.

Neue Aufnahme-Medien

Neben dem veralteten D-VHS-System sind nur diese beiden Medien derzeit verfügbar und in der Lage, die enormen Datenmengen von HDTV in Spielfilm-Länge zu speichern. Beide haben aber einen schwerwiegenden Nachteil. Die bislang in Japan verkauften Blu-ray-Geräte beschreiben nur wiederbespielbare Disks der Version 1.0. Die in einer Cartridge verpackten Disks werden, wenn überhaupt, nicht auf allen künftigen Playern laufen. Mit den erst im Dezember 2005 spezifizierten 2.0- Formaten können diese Recorder so wenig anfangen wie mit vorbespielten Filmscheiben, den BD-ROM-Disks.

Festplatten taugen nur bedingt zur längerfristigen Archivierung oder zur Weitergabe von Aufnahmen. Die Beliebtheit von DVD-/HDD-Kombis kommt nicht von ungefähr – Harddisk und optisches Laufwerk sind gemeinsam besonders stark.

Die Hoffnungs- und Datenträger der Zukunft – HD-DVD und die Blu-ray-Disk der 2. Generation – lassen weiter auf sich warten. Die Technik ist zwar längst verfügbar, aber bislang ungeklärte Fragen des Kopierschutzes verhindern den Marktstart.

Vor allem die Hollywood-Studios bremsen kräftig. Nachdem sich die Kopierschutzmechanismen der DVD in der Vergangenheit als weitgehend wirkungslos gegen Raubkopierer erwiesen haben, drängen die Studio-Bosse auf einen möglichst umfassenden Schutz von High-Definition-Inhalten. Auf jeden Fall wird der noch immer nicht endgültig verabschiedete Kopierschutz AACS für vorbespielte Disks beider Lager verbindlich sein.

Ob HD-DVD- und Blu-ray-Player deshalb weiter auf sich warten lassen, wird sich in wenigen Wochen zeigen. Neue Recorder für beide Formate soll es voraussichtlich erst in ein bis zwei Jahren geben. Alle Hersteller halten sich mit konkreten Ankündigungen entsprechender Geräte inzwischen auffallend zurück.

Genaue Kopier-Regeln

So werden die ersten HDTV-Recorder in Europa wohl reine Festplatten-Recorder sein, Copyright-Fragen lassen sich so elegant umgehen. Die Aufnahme selbst kann ohne Neucodierung in erstklassiger Qualität erfolgen, das gesendete Signal landet einfach eins zu eins auf der Harddisk.

Um Kopier-Ambitionen schon im Keim zu ersticken, genügt es, die volle HD-Qualität nur über die HDMI-Schnittstelle auszugeben. Sind die Festplatten-Inhalte verschlüsselt gespeichert, wird auch das Auslesen einer ausgebauten Harddisk am PC praktisch unmöglich.

Analoge Schnittstellen kann der Rechte-Inhaber für die High-Definition-Ausgabe sperren – hier gibt’s dann nur Bilder in Standard-Auflösung zu sehen und eventuell zu kopieren. Wahrscheinlich werden die ersten HDD-Receiver für Premiere so funktionieren, mit ersten Geräten ist auf der Internationalen Funkausstellung im September zu rechnen.

Was darf ich aufnehmen?

Die wichtigste Frage, die sich HDTV-Freunden in Zukunft stellen wird, lautet deshalb erst in zweiter Linie: Worauf nehme ich auf? Sondern vielmehr: Was darf ich überhaupt aufnehmen?

Wie heiß Kopierschutz-Themen diskutiert werden, macht die anhaltende Debatte um AACS deutlich. Dass die Rechteinhaber sich vor unerlaubten Kopien in exzellenter HD-Qualität fürchten, ist nachvollziehbar. Entsprechend restriktiv werden die Anbieter mit diversen Schutzmechanismen das Kopieren einschränken. Das gilt sowohl für gesendete Inhalte als auch für vorbespielte Datenträger.

Wenn überhaupt, werden Kopien von Bluray-Disks oder HD-DVDs nur mit strikten Auflagen erfolgen können – beispielsweise einmalig auf die Festplatte eines Homeservers. Dass dergleichen überhaupt möglich ist, regelt „Mandatory Managed Copy“, ein Verfahren, das beide Disk-Formate unterstützen müssen. Ob und wie oft eine Scheibe tatsächlich kopiert werden darf, liegt aber im Ermessen der Rechteinhaber – und die entscheiden meist: je weniger, desto besser.

Dass es bereits heute funktionierende Kopierschutzmechanismen gibt, die Mitschnitte von TV-Übertragungen limitieren, zeigt wieder der Blick nach Japan. HDTV-Ausstrahlungen sind dort fast durchweg per digitalem „Copy Generation Management System“ (CGMS) geschützt. Sie dürfen nur einmal auf Medien aufgezeichnet werden, die CPRM (Copy Protection for Recordable Media) unterstützen. Das sind Festplatten, DVDRWs und -RAMs oder auch Blu-ray-Disks der ersten Generation.

Bringt der PC die Lösung?

Noch im März sollten die ersten PC-Laufwerke für HD-DVD und Blu-ray in die Läden kommen. Ob die in der ersten Generation lediglich als Datenspeicher funktionieren oder tatsächlich in der Lage sein werden, kompatible Video-Disks zu brennen, hängt in erster Linie von der verfügbaren Software ab. Keine Frage ist, dass die namhaften Hersteller von Brennsoftware die neuen Formate unterstützen werden. Ob erschwingliche Authoring-Tools bereits zum Marktstart verfügbar sein werden, war bei Redaktionsschluss dieser video-Ausgabe noch offen.

Schließlich bleibt die gute alte DVD als potenzielles Medium für HD-Aufnahmen. In doppellagiger Ausführung mit 8,5 Gigabyte Speicherplatz und entsprechender Komprimierung bietet sie ausreichend Platz für gute Qualität auch in Spielfilmlänge. Bestes Beispiel: Die in vorbespielter Form bereits seit einiger Zeit erhältliche WMV-HD DVD; auf einer DVD-ROM werden Videos im WMV-9-Format abgelegt. Zwar spielen alle jüngeren Windows- Rechner dieses Format ab. Was dagegen fehlt, sind auch hier die Abspielgeräte oder gar Recorder fürs Wohnzimmer.

Weiter in Teil 2: Ein schneller PC kann schon heute HDTV mitschneiden...

Ein schneller PC mit DVB-S2-Karte kann schon heute HDTV mitschneiden.

Die „TV Station DVB-S2 Plus“ von KNC ONE versteht als erste TV-Tuner-Karte für den PC das von Pro7, Sat1 und Premiere genutzte MPEG-4/H.264. Die PCI-Karte decodiert neben HDTV in MPEG-2 und -4 beziehungsweise DVB-S und DVB-S2 auch herkömmliche Digital- TV-Sendungen und zeichnet sie auf Festplatte auf. Dank analoger Eingänge lassen sich auch analoge Videos digitalisieren.

Die Hardwareanforderungen an den PC sind hoch: 3,2 Gigahertz schnelle Doppel-Prozessoren sollten es schon sein, damit HDTV-Bilder ruckelfrei an PC-Monitor und TV-Gerät laufen.

Die Installation war etwas knifflig. Zunächst konnte der Sat-Anschluss der Karte wegen eines zu schwachen PC-Netzteils die Schüssel nicht richtig ansteuern. Nächste Hürde: alte Codecs. Erst nach dem Abschalten überflüssiger Codecs zeigte die Karte ein Bild. Danach konnten die Tester HDTV genießen. Das am 26.02. unverschlüsselt auf Pro7 ausgestrahlte Epos „Hero“ lief – abgesehen von seltenen Bildrucklern und wenigen Klötzchenhaufen um bewegte Motive – nahezu fehlerfrei.

Aufnahmen kann die TV Station in verschiedenen Formaten auf der Festplatte speichern. MPEG- oder TS-Dateien spielt die im Lieferumfang enthaltene Version von Power-DVD 6 in voller HDTV-Qualität ab. Auf DVD lassen sich die Dateien auch schreiben. Mit Datenraten von deutlich unter 10 MBit/s passte ein Spielfilm gut auf eine Double-Layer-Disk. Auf DVDPlayern laufen die Disks aber nicht.

Fazit: Mit 200 Euro ist die „TV Station“ eine günstige Variante, um HDTV zu empfangen und aufzuzeichnen – potente Hardware vorausgesetzt. Da sich die Karte für 50 Euro mit einem CI-Schacht nachrüsten lässt, ist sie auch für Pay-TV geeignet.

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