HDTV-Recording Scharfe Bilder auf der Flucht 

Mit HDTV versprechen die Anbieter ein völlig neues Fernseherlebnis. Sobald man die hochauflösenden Bilder jedoch auf Festplatte aufnehmen möchte, ist es vorbei mit der schönen neuen TV-Welt.

Von Alexander Walz und Markus Wölfel


HDTV. Diese vier Buchstaben stehen für das derzeit heißeste Thema unter Home-Cineasten. Premiere und die Pro7-Sat1-Gruppe senden bereits in High Definition, Displays und Beamer ohne „HD-ready“-Logo sind kaum noch verkäuflich. Demnächst sollen auch die hoch auflösenden Disk-Formate Blu-ray und HD-DVD in Deutschland an den Start gehen.

Hitachi-Festplattenrecorder: Hollywood bremst kräftig 
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Hitachi-Festplattenrecorder: Hollywood bremst kräftig 

Hemmungsloser Euphorie steht allerdings eine Einschränkung im Wege: Hoch auflösendes Fernsehen gibt’s bislang nur live, wenn es also tatsächlich über den Satelliten geht. Die Aufzeichnung von HD-Signalen klappt bislang nur eingeschränkt: Die deutschen HDTV-Sender Premiere und Pro7-Sat1 setzen nicht auf das im Ausland für HDTV verwendete MPEG-2, sondern auf die höhere Komprimierung von MPEG-4/H.264 und DVB-S2. Das macht die Übertragung zwar effizienter, aber bislang lassen sich solche Signale nur am PC mitschneiden.

Für all die neuen HDTV-Receiver gehört ein restriktives Rechtemanagement zur Pflicht-Ausstattung. Spielfilme des Pay-TV-Senders Premiere etwa gibt’s in voller Auflösung nur über den digitalen HDMI-Ausgang zu sehen. Die per HDCP verschlüsselten Signale kann nur ein HDCP-taugliches Display darstellen – alle anderen Bildschirme bleiben schwarz oder zeigen bestenfalls Bilder in PAL-Auflösung via Scart-Verbindung.

Die Schnittstellen 

Aufnahmen via HDMI werden bis auf weiteres nicht möglich sein – schließlich soll die geschützte Schnittstelle ja vor allem Mitschnitte hochauflösender Inhalte verhindern. Ob es jemals Recorder mit HDMI-Eingang geben wird, ist zweifelhaft, denn HDMI überträgt ein unkomprimiertes Video-Signal, das die Speicherkapazität selbst fortschrittlichster Datenträger weit überfordern würde. Zur Aufnahme wäre also eine erneute Komprimierung erforderlich.

Aber auch eine analoge Übertragung – etwa wenn eine Set-Top-Box nicht geschützte HD-Inhalte über eine analoge Komponenten-Verbindung ausgibt – stellt Recording-Fans vor ein Problem: Entsprechende Eingänge hat bislang kein Recorder, ebenso wenig die für eine Echtzeit- Komprimierung nötige Encodertechnik.

Auch die in Japan verkauften Blu-ray-Recorder zeichnen HD-Material nur digital auf – ohne Neukodierung – und durch restriktives Rechtemanagement geregelt. Verlustfreie Aufnahmen wären via Analogeingang nicht möglich, Qualitätseinbußen in der Aufnahme die Folge – wie bei aktuellen DVD-Recordern, die analoge Signale empfangen und aufzeichnen.

Zum Kopieren eignen sich theoretisch alle Schnittstellen, die Video-Signale in komprimierter Form übertragen können: USB-, Firewire (IEEE 1394) oder Ethernet-Verbindungen. So nutzen beispielsweise die in Japan und USA erhältlichen Blu-ray- und D-VHS-Recorder IEEE 1394 als Datenschnittstelle, um etwa die Signale einer Set-Top-Box zu empfangen. Bereits hier greift jedoch das restriktive Rechtemanagement: So sind praktisch alle HDTV-Ausstrahlungen in Japan mit einem „Copy-once“- Signal markiert, sodass sich Sendungen nur einmal aufnahmen lassen. Generell kann nur aufgezeichnet oder gar kopiert werden, was der Rechteinhaber ausdrücklich zulässt.

Der ideale Recorder hat ein eingebautes Digital-Empfangsteil und speichert eingehende Signale ohne Wandlungsverluste auf einem möglichst speichergewaltigen Medium – wie die in Übersee erhältlichen Blu-ray- und HDD-Recorder.

Neue Aufnahme-Medien

Neben dem veralteten D-VHS-System sind nur diese beiden Medien derzeit verfügbar und in der Lage, die enormen Datenmengen von HDTV in Spielfilm-Länge zu speichern. Beide haben aber einen schwerwiegenden Nachteil. Die bislang in Japan verkauften Blu-ray-Geräte beschreiben nur wiederbespielbare Disks der Version 1.0. Die in einer Cartridge verpackten Disks werden, wenn überhaupt, nicht auf allen künftigen Playern laufen. Mit den erst im Dezember 2005 spezifizierten 2.0- Formaten können diese Recorder so wenig anfangen wie mit vorbespielten Filmscheiben, den BD-ROM-Disks.

Festplatten taugen nur bedingt zur längerfristigen Archivierung oder zur Weitergabe von Aufnahmen. Die Beliebtheit von DVD-/HDD-Kombis kommt nicht von ungefähr – Harddisk und optisches Laufwerk sind gemeinsam besonders stark.

HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').
Full-HD-Filme, wie man sie in Online-Videotheken wie dem iTunes Store ausleihen oder über die integrierten Blu-ray-Laufwerke einiger Notebooks anschauen könnte, haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das Label "HD ready 1080p" besagt, dass das Gerät Vollbilder von 1920 × 1080 Pixeln zeigt.
Das Advanced Access Content System ist ein Kopierschutzsystem, das vor allem auf Wunsch der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut werden soll, die HD-Inhalte abspielen können. Ohne AACS soll man keine hochaufgelösten Filme abspielen können. Kopien sollen nur mit expliziter Erlaubnis des Urhebers gemacht werden können, die man sich zum Beispiel online abholen könnte. Nur so könnte man einen Film dann auch über ein Media Center oder an mobile Geräte streamen. Der Urheber kann aber Kopien auch verbieten oder eine Gebühr verlangen. Um AACS gab es langes Gerangel - denn es gibt noch nicht viele Geräte, die das System überhaupt unterstützen. Eine Interims-Lösung wird den Kopierschutz deshalb nun zunächst zahnlos machen - auch über analoge Ausgänge wird man dann noch HD-Filme ansehen können, obwohl die Studios die Ausgabe lieber gleich auf digitale Ausgänge beschränkt hätten, die mit einem weiteren Schutz namens HDCP versehen sind.
High Bandwidth Digital Content Protection ist eine Art Hardware-Kopierschutz. Auch er soll verhindern, dass hochaufgelöstes Material einfach mitgeschnitten werden kann. HDCP muss im sendenden Gerät, also dem Player oder der Grafikkarte, ebenso eingebaut sein wie im Empfänger, also dem Monitor oder TV-Gerät. Während Fernseher, die das "HD Ready"-Logo tragen, HDCP-fähig sein müssen, sind es viele Monitore und Grafikkarten aber noch nicht. Eine HDMI-Schnittstelle kann immer auch HDCP, eine DVI-Schnittstelle nicht notwendigerweise.
Das High Definition Multimedia Interface soll nach dem Wunsch der Hersteller die generelle Schnittstelle der Zukunft sein, für Musik, Filme und auch die Verbindung zwischen Computer und Monitor. Sie ist standardmäßig mit HDCP ausgestattet - ein Ausgabegerät mit HDMI-Schnittstelle und ein Fernseher mit dem "HD Ready"-Logo sollten gemeinsam also in jedem Fall hochauflösende Filme darstellen können.
Digital Video Interface - die erste digitale Schnittstelle für Video-Inhalte, die aber bereits dabei ist, von HDMI abgelöst zu werden. Manche DVI-Ausgänge sind auch mit HDCP ausgestattet, andere nicht. Besonders bei vielen Grafikkarten fehlt der Hardware-Kopierschutz noch - was zu Problemen bei der Wiedergabe von kopiergeschützten hochauflösenden Filmen führen könnte.

Die Hoffnungs- und Datenträger der Zukunft – HD-DVD und die Blu-ray-Disk der 2. Generation – lassen weiter auf sich warten. Die Technik ist zwar längst verfügbar, aber bislang ungeklärte Fragen des Kopierschutzes verhindern den Marktstart.

Vor allem die Hollywood-Studios bremsen kräftig. Nachdem sich die Kopierschutzmechanismen der DVD in der Vergangenheit als weitgehend wirkungslos gegen Raubkopierer erwiesen haben, drängen die Studio-Bosse auf einen möglichst umfassenden Schutz von High-Definition-Inhalten. Auf jeden Fall wird der noch immer nicht endgültig verabschiedete Kopierschutz AACS für vorbespielte Disks beider Lager verbindlich sein.

Ob HD-DVD- und Blu-ray-Player deshalb weiter auf sich warten lassen, wird sich in wenigen Wochen zeigen. Neue Recorder für beide Formate soll es voraussichtlich erst in ein bis zwei Jahren geben. Alle Hersteller halten sich mit konkreten Ankündigungen entsprechender Geräte inzwischen auffallend zurück.

Genaue Kopier-Regeln

So werden die ersten HDTV-Recorder in Europa wohl reine Festplatten-Recorder sein, Copyright-Fragen lassen sich so elegant umgehen. Die Aufnahme selbst kann ohne Neucodierung in erstklassiger Qualität erfolgen, das gesendete Signal landet einfach eins zu eins auf der Harddisk.

Um Kopier-Ambitionen schon im Keim zu ersticken, genügt es, die volle HD-Qualität nur über die HDMI-Schnittstelle auszugeben. Sind die Festplatten-Inhalte verschlüsselt gespeichert, wird auch das Auslesen einer ausgebauten Harddisk am PC praktisch unmöglich.

Analoge Schnittstellen kann der Rechte-Inhaber für die High-Definition-Ausgabe sperren – hier gibt’s dann nur Bilder in Standard-Auflösung zu sehen und eventuell zu kopieren. Wahrscheinlich werden die ersten HDD-Receiver für Premiere so funktionieren, mit ersten Geräten ist auf der Internationalen Funkausstellung im September zu rechnen.

Was darf ich aufnehmen?

Die wichtigste Frage, die sich HDTV-Freunden in Zukunft stellen wird, lautet deshalb erst in zweiter Linie: Worauf nehme ich auf? Sondern vielmehr: Was darf ich überhaupt aufnehmen?

Wie heiß Kopierschutz-Themen diskutiert werden, macht die anhaltende Debatte um AACS deutlich. Dass die Rechteinhaber sich vor unerlaubten Kopien in exzellenter HD-Qualität fürchten, ist nachvollziehbar. Entsprechend restriktiv werden die Anbieter mit diversen Schutzmechanismen das Kopieren einschränken. Das gilt sowohl für gesendete Inhalte als auch für vorbespielte Datenträger.

Wenn überhaupt, werden Kopien von Bluray-Disks oder HD-DVDs nur mit strikten Auflagen erfolgen können – beispielsweise einmalig auf die Festplatte eines Homeservers. Dass dergleichen überhaupt möglich ist, regelt „Mandatory Managed Copy“, ein Verfahren, das beide Disk-Formate unterstützen müssen. Ob und wie oft eine Scheibe tatsächlich kopiert werden darf, liegt aber im Ermessen der Rechteinhaber – und die entscheiden meist: je weniger, desto besser.

Dass es bereits heute funktionierende Kopierschutzmechanismen gibt, die Mitschnitte von TV-Übertragungen limitieren, zeigt wieder der Blick nach Japan. HDTV-Ausstrahlungen sind dort fast durchweg per digitalem „Copy Generation Management System“ (CGMS) geschützt. Sie dürfen nur einmal auf Medien aufgezeichnet werden, die CPRM (Copy Protection for Recordable Media) unterstützen. Das sind Festplatten, DVDRWs und -RAMs oder auch Blu-ray-Disks der ersten Generation.

Bringt der PC die Lösung?

Noch im März sollten die ersten PC-Laufwerke für HD-DVD und Blu-ray in die Läden kommen. Ob die in der ersten Generation lediglich als Datenspeicher funktionieren oder tatsächlich in der Lage sein werden, kompatible Video-Disks zu brennen, hängt in erster Linie von der verfügbaren Software ab. Keine Frage ist, dass die namhaften Hersteller von Brennsoftware die neuen Formate unterstützen werden. Ob erschwingliche Authoring-Tools bereits zum Marktstart verfügbar sein werden, war bei Redaktionsschluss dieser video-Ausgabe noch offen.

Schließlich bleibt die gute alte DVD als potenzielles Medium für HD-Aufnahmen. In doppellagiger Ausführung mit 8,5 Gigabyte Speicherplatz und entsprechender Komprimierung bietet sie ausreichend Platz für gute Qualität auch in Spielfilmlänge. Bestes Beispiel: Die in vorbespielter Form bereits seit einiger Zeit erhältliche WMV-HD DVD; auf einer DVD-ROM werden Videos im WMV-9-Format abgelegt. Zwar spielen alle jüngeren Windows- Rechner dieses Format ab. Was dagegen fehlt, sind auch hier die Abspielgeräte oder gar Recorder fürs Wohnzimmer.



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