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22. November 2002, 14:40 Uhr

Heiße Laptops

Wie dem Herrn Doktor die Genitalien anbrannten

Das Gerät heißt zwar Laptop, aber das sollte man so wörtlich nicht nehmen. Ein 50-jähriger schwedischer Wissenschaftler zog sich Verbrennungen an den Geschlechtsteilen zu, weil er das Ding bei der Arbeit auf dem Schoß hielt.

Völlig falsch: Wer so an die Arbeit mit dem Laptop geht, setzt sich einem unnötig erhöhten Verbrennungsrisiko aus.
DPA

Völlig falsch: Wer so an die Arbeit mit dem Laptop geht, setzt sich einem unnötig erhöhten Verbrennungsrisiko aus.

Der Mann ist in gesetztem Alter, Vater zweier Kinder, folgt einem respektablen Beruf und versichert, dass er zum Zeitpunkt der Verletzung vollständig bekleidet gewesen sei. Trotzdem, berichtet der Stockholmer Facharzt Claes-Göran Östenson in der aktuellen Ausgabe des britischen Medizinfachblattes "Lancet", habe sich der Mann bei der Arbeit mit dem Laptop Brandblasen an Penis und Hoden zugezogen. Zwei Tage nachdem er bei der Arbeit das Laptop direkt auf dem Schoß balancierte, habe er sich Hilfe suchend an das Karolinska-Krankenhaus gewandt.

Dass Laptops Wärmequellen sind, weiß jeder User: Auf den Prozessoren selbst könnte man selbst bei Unterlast jederzeit Eier braten. Ein moderner, schneller Prozessor entwickelt problemlos genügend Hitze auch für ein Steak - wenn auch ein sehr kleines. Außen kommt von dieser Hitze in der Regel aber so viel nicht an: Eingebaute Lüfter führen die Hitzeenergie zum größten Teil als steten Warmluftstrom ab.

Bestimmte Stellen des Laptops können mitunter trotzdem beachtliche Wärmewerte entwickeln. Die liegen aber unterhalb einer Schwelle, die man als brandgefährlich empfindet. Hier macht es eher die Dauer: Erhitzt sich die Hülle des Gerätes auch nur auf wenig über 42 Grad, würde dies problemlos genügen, sich ganz langsam das Gewebe zu verbrennen. Tatsächlich, berichtet Facharzt Östenson, habe die Gebrauchsanweisung des Laptops ausdrücklich vor dem direkten Kontakt mit nackter Haut gewarnt.

Östenson sieht den Fall als "ernste Warnung": Nicht nur Nacktarbeiter seien durch warme Laptops gefährdet, sondern potenziell jeder, der den Schoß zum Arbeitstisch mache.

Zwar seien die Verletzungen auch ohne Antibiotika relativ schnell wieder verheilt. Eine Bagatelle sei das alles aber nicht: Der Patient habe auch bei einer früheren Gelegenheit schon unangenehme Gefühle von zu viel Wärme in den Weichteilen gespürt, als er mit seinem Laptop auf dem Schoß gearbeitet hatte.

Der schwedische Wissenschaftler war den Angaben von "Lancet" zufolge zum Zeitpunkt der Verbrennung mit Hose wie auch Unterhose bekleidet.

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