Hightech-Show CES Haushaltsroboter hüten das Heim und bringen Bier

Das dünnste digitale Fotoalbum der Welt, Überwachungsroboter und ein Satelliten-Messenger für Extremsportler - in Las Vegas waren vorab die verrücktesten Gadgets der Messe für Unterhaltungselektronik CES zu sehen. SPIEGEL ONLINE stellt die interessantesten Neuheiten vor.

Das ist der traurigste Anblick auf der Hightech-Show CES in Las Vegas: Die Messeräume sind gepflastert mit blau-weißen Rucksäcken, auf denen der Elektronik-Konzern Toshiba für sein Videoformat HD-DVD mit diesem hoffnungsfrohen Spruch wirbt: "Leading Innovation". Für die Innovation HD-DVD sieht es derzeit aber schlecht aus: Kurz vor Messestart kündigte das Hollywood-Studio Warner an, hochauflösende Videoversionen seiner Filme nicht mehr im HD-DVD-Format zu veröffentlichen, nur noch den Konkurrenzstandard Bluray zu nutzen.

Die HD-DVD-Gruppe hat ihre Messe-Veranstaltungen abgesagt. Aber die blau-weißen Werberucksäcke waren schon produziert, wurden an Hunderte von Analysten, Bloggern und Reportern verteilt. Die schauen sich Produkte von morgen auf der Vorab-Veranstaltung "CES Unveiled" an, bevor ab Montag die erwarteten 140.000 Besucher nach Las Vegas kommen. Die als Ballast abgestellten HD-Rucksäcke stehen herum, werben für eine Innovation von gestern, während ihre Besitzer digitale Mini-Fotorahmen, Haushaltsroboter und Winz-Computer ausprobieren.

Fliegende Roboter und Solar-Headsets - SPIEGEL ONLINE zeigt die Neuheiten der CES

Digitales Unterwegs-Fotoalbum in Visitenkartengröße

Dieses Fotoalbum ist leichter als ein paar Geldmünzen, etwa so groß wie ein iPod Nano, aber viel, viel flacher. So flach, dass man es in die Geldbörse stecken kann. So flach, dass es beim ersten Test aus der Hand rutscht - das Gerät hielt das aber aus. Das 4,7 Millimeter dünne Photoskin des koreanischen Herstellers Emtrace speichert bis zu 192 Megabyte an Fotos, zeigt sie auf einem kleinen TFT-Bildschirm (320 x 240 Pixel Auflösung) an. Das Linux-betriebene Gerät wird per USB-Anschluss mit Daten gefüttert.

Außer Fotos aus dem eigenen Album können über eine Software des Herstellers auch Bilderserien von Seiten wie Flickr und Picasa sowie Comics, Börsenkurse und Wettervorhersagen geladen werden. Warum man Nachrichten per USB-Kabel auf das Gerät laden sollte, um sie Stunden später unterwegs zu lesen, erschließt sich nicht.

Mangels W-Lan-Schnittstelle ist das Photoskin wirklich nur als Unterwegs-Fotoalbum zu gebrauchen. Aber dafür eignet sich das Gerät wirklich perfekt. Man kann zwar auf dem iPod Touch Fotos doppelt so groß betrachten - aber das Photoskin verspricht deutlich günstiger zu werden: Höchstens 150 Dollar soll es kosten, wenn es im Sommer in die US-Läden kommt. Auch in Deutschland will Emtrace das Unterwegs-Fotoalbum in diesem Jahr verkaufen. Wann und zu welchem Preis ist aber noch unklar.

Solar-Headset

Solarenergie ist eine saubere Sache – und ganz praktisch, wenn keine Steckdose in der Nähe ist. Das müssen sich die Entwickler der finnischen Firma Iqua gedacht haben, als sie das Solarheadset Iqua Sun entwickelten. Denn während drahtlose Bluetooth-Headsets sehr komfortabel sind, weiß man doch nie so recht, ob ihnen nicht genau im falschen Moment der Strom ausgeht.

Nicht so bei diesem Modell. Dessen Akkus werden selbst bei dämmrigem Licht noch aufgeladen. Und wenn es doch mal ganz düster wird, speichert es Strom für bis zu zwölf Stunden Sprechzeit.

Allen Geräten, die noch nicht mit eigenen Solarzellen ausgerüstet sind, soll das NRG Dock (sprich: Energy-Dock) sauberen Strom liefern. Vom Hersteller als erste persönliche Sonnenenergielösung angepriesen, lassen sich damit Handys, MP3-Player und ähnliches aufladen. Ein Set passender Adapter liegt mit im Karton. Dass die Herstellerfirma Personal Solar Solutions selbst allerdings nicht hundertprozentig grün ist, zeigt sich daran, dass das Dock auch ohne Solarzellen, quasi als Universal-Ladegerät für die Steckdose zu bekommen ist.

Mini-Tastatur mit iPhone-Feeling

Klein, schick und teuer ist Logitechs diNovo-mini-Tastatur. Mit ihr soll der moderne Multimedianutzer künftig im Wohnzimmer seinen Media-Center-PC steuern. Per Bluetooth angekoppelt bietet sie außer einer vollen QWERTZ-Tastatur etliche Sondertasten zur Mediensteuerung.

Die Besonderheit ist jedoch das runde Click-Pad, ein Touch-Pad, das entweder für die Zeigerpositionierung, für Bildläufe und zum Klicken, oder als Steuerungs-Pad zum Navigieren in Menüs genutzt werden kann. In welchem Modus es sich befindet, zeigt das Pad durch eine unterschiedliche Hintergrundbeleuchtung an. Mit 150 Euro ist das kleine Accessoire allerdings recht luxuriös bepreist.

Überwachungs- und Bierroboter

Dass Heim-Roboter ein großes CES-Thema werden, zeigt sich schon vor Beginn der Messe. Mehr als nur ein Spaß ist etwa der Überwachungsroboter Rovio von WooWee Robotics. Der 300 Dollar teure Apparat kann sich anhand spezieller Sensoren an den Zimmerdecken zentimetergenau im Haus bewegen. So kann er beispielsweise Patrouille fahren, während man selbst im Büro ist.

Via Webcam, Mikrofon und W-Lan überträgt er seine Fahrten ins Web und ist auch von jedem Web-tauglichen Gerät aus fernlenkbar. Und sollte sich tatsächlich ein Einbrecher im Haus herumtreiben, kann man den über die Lautsprecher des Mini-Robbis ordentlich erschrecken. Besser wäre es aber sicher, erst die Polizei zu rufen.

Ausschließlich zur Unterhaltung ist hingegen der Mosquito MAV von Interactive Toy Concepts gedacht. Der mit einer Länge von zehn Zentimetern laut Hersteller kleinste fliegende Helikopter der Welt wird von vier Rotoren in der Luft gehalten und per Funk in einem Umkreis von bis zu sieben Metern ferngelenkt. Allerdings geht seinen Akkus auch schon nach sieben Minuten Flugzeit der Strom aus. Nach einem Tankstopp von fünf Minuten Dauer soll er allerdings bereits wieder einsatzbereit sein. Wesentlich längere Tankstopps verspricht hingegen der RC Cooler. Der funkgesteuerte Bierkühler wurde schnell zum Liebling der Zuschauer – eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit fiel hingegen niemandem ein, denn die Reichweite ist mit zehn Metern doch arg begrenzt.

Kopiergeschütztes Mitnahme-Fernsehen

Erstaunlich und derzeit nur für den US-Markt geplant ist das Take TV von Speicherhersteller Sandisk. Was aussieht wie ein übergroßer USB-Stick, ist eine Art Speichermodul für kopiergeschütze Web-TV-Sendungen, von denen es in den USA schon einige gibt.

Via PC lassen sich solche Sendungen auf den Take-TV-Stick kopieren, der dann in eine Dockingstation eingeschoben wird. Diese stellt über entsprechende Kabel eine Verbindung zum Fernseher her.

So kann man das Internet-Fernsehen auch auf der Groß-Glotze genießen. Den TV-Produzenten ist das recht, weil Sandisk in dem Gerät sogenanntes "Trusted Flash Memory" verwendet. Das sorgt dafür, dass darauf kopierte Inhalte nicht auf einen anderen Rechner überspielt werden können. Den Stick will Sandisk mit vier und acht Gigabyte Speicher anbieten, eine Mini-Fernbedienung wird mitgeliefert.

Messenger für Extremsportler

Mit dem Spot-Messenger sollen Outdoor-Abenteuer sicherer werden, sagt Hersteller Spot Inc. Via GPS ist das robust gummierte Gerät in der Lage, jederzeit seine Position festzustellen.

Sollte man nun etwa bei einer Bergtour in eine brenzlige Situation geraten, genügt ein Tastendruck, um einen Notruf samt Positionsmeldung an die zuständigen Behörden abzusetzen. Welche das sind, ermittelt das System anhand der geografischen Position.

Und damit der Notruf auch unabhängig von Mobilfunknetzen ankommt, nutzt das Gerät Kommunikationssatelliten, um seine Nachrichten abzusetzen. Angeblich wurden bereits in zwei Fällen verunglückte Extremsportler auf diese Weise aus lebensbedrohenden Situationen gerettet. Der Preis für die Sicherheit: 150 Dollar für das Gerät plus 100 Dollar Jahresgebühr für die Nutzung des Notrufdienstes.

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