"I love you" Schüler musste dem hilflosen FBI helfen

Um den philippinischen Hacker dingfest zu machen, der den gefährlichen "I love you"-Virus um die Welt geschickt hatte, war die amerikanische Bundespolizei auf die Hilfe eines schwedischen Schülers angewiesen. Der findet, das FBI sollte das jetzt endlich auch mal selbst lernen.


Stockholm -Seit der 19-jährige Jonathan James das FBI auf die richtige Spur brachte, wird er seinerseits von Journalisten aus allen Teilen der Welt verfolgt. Statt ständig Rede und Antwort zu stehen, will der schüchterne junge Mann aber lieber seine letzten Schulexamen bestehen, um dann Jura studieren zu können.

Jonathan James
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Jonathan James

Das erste Mal riefen die US-Bundespolizisten James 1999 an, nachdem er den Urheber des schädlichen Virus "Melissa" ausfindig gemacht hatte. Eine Leistung, die das FBI bis heute nicht offiziell anerkannt hat. "Nun gut, wer gibt so etwas schon gerne zu. Eigentlich wäre es ja ihr Job gewesen", gibt sich James großzügig. Beim ersten Anruf hätten ihn die Inspektoren ziemlich von oben herab behandelt. Doch das habe er ihnen abgewöhnt, indem er sie mit ihren Vornamen angesprochen habe.

Wegen des Medienrummels um "Melissa" hatte er die Bitte des FBI, bei der Suche nach dem "I love you"-Urheber zu helfen, zunächst abgelehnt. "Erst fand ich, dass sie es diesmal allein schaffen müssen. Doch dann hatte ich sonntags ein paar Stunden Zeit", begründet James seinen Meinungsumschwung. Besonders dass ein schwedischer Informatiker einen deutschen Studenten beschuldigte, weckte sein Interesse. Innerhalb weniger Stunden hatte er sich über bestimmte Programmier-Stile von Hackern informiert und sie dann mit dem des Virus verglichen.

Einen Tag später meldete die Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf US-Behörden, James sei auf der entscheidenden Spur. 24 Stunden danach wurde ein 24-jähriger philippinischer Student, der eine Doktorarbeit über ein ähnliches Virusprogramm verfasst hatte, in Manila festgenommen. Der "I love you"-Virus hatte Anfang Mai weltweit Millionen von Computern lahm gelegt und eine Schaden im Wert von mehreren Milliarden Dollar angerichtet. Der US-Sicherheitsexperte Robert M. Smith sagte, an der Virus-Jagd hätten sich viele Computerspezialisten beteiligt, doch James sei der wichtigste gewesen. "Jonathan hat einige extrem wichtige Anhaltspunkte gefunden und wenn er nicht dabei gewesen wäre, hätte es noch mehrere Tage gedauert, bis wir den Kerl dingfest gemacht hätten", sagte Smith.

In den Wochen nach dem Erfolg machten sich rund 150 Reporter aus allen Teilen der Welt auf den Weg zu James' Zuhause - ein Häuschen auf dem Land unweit der Universitätsstadt Uppsala. Einige seien besonders hartnäckig gewesen, erzählt James. Eine Frau vom französischen Fernsehen habe ihn eines Morgens um 9.30 Uhr an der Haustür überrascht: "Ich trug nur Boxershorts, aber sie wollte nicht mehr gehen und hat sich einfach bei uns auf das Sofa gesetzt und ist bis mittags geblieben."

Eine Karriere als Sicherheitsfachmann beim berühmten FBI kann sich James jedoch nicht vorstellen. "Ich möchte mein eigener Chef sein und selbst entscheiden, was ich zu tun oder zu lassen habe." Deshalb hat er mit einigen Partnern eine Computer-Sicherheitsfirma gegründet. Doch seit seinem neunten Geburtstag, träume er auch davon, Jura zu studieren. "Ich denke, es könnte ganz nützlich sein, beides zu kombinieren."

Eva Sohlman



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