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24. Juli 2001, 16:30 Uhr

Instant Messenger

AOL lässt die Konkurrenz mitchatten

Noch in diesem Sommer will der Online-Dienst AOL ein System einführen, das es Nutzern des Programms "Instant Messenger" erlaubt, Nachrichten mit Usern auszutauschen, die Produkte der Konkurrenz nutzen. Der Schritt erfolgt nicht ganz freiwillig.

Hamburg - Instant Messaging, das Versenden kleiner Textnachrichten direkt von Rechner zu Rechner, ist in den USA das, was hier zu Lande (bislang) SMS ist, - ein Massensport. Und auch hier zu Lande gewinnt dieser de facto kostenlose Kommunikationskanal wegen seiner Einfachheit und Schnelligkeit immer mehr Anhänger.

AOL Instant Messenger: In Zukunft auch mit Konkurrenten quasseln

AOL Instant Messenger: In Zukunft auch mit Konkurrenten quasseln

Das wohl am weitesten verbreitete Programm zum Instant Messaging stammt vom Online-Dienst AOL. Nutzer des AOL Instant Messenger (AIM) konnten allerdings bislang nur untereinander chatten, der Kontakt mit anderen Systemen, etwa von Yahoo! oder dem Microsoft Messenger war nicht möglich. Noch in diesem Sommer soll das nun anders werden.

Auflagen sind Erblasten der Fusion mit Time Warner

Grund für die Bemühungen von AOL sind Auflagen, die das Unternehmen bei der Fusion mit Time Warner erhalten hatte. Damals hatte die US-Kommunikationsbehörde FCC auf Druck der Konkurrenten verfügt, dass das Instant-Messaging-System wenigstens für einen Mitbewerber geöffnet werden müsse, wenn der Service über das Kabelnetzwerk von Time Warner angeboten werden solle.

Der Computer-Informationsdienst "C-Net" schreibt nun, dass AOL bei der Regulierungsbehörde einen Fortschrittsbericht zur Integration anderer Messaging-Systeme vorgelegt hat. Erste Tests der Software seien erfolgreich verlaufen. Nun stehe noch die Nagelprobe an, wenn es darum gehe, die Messaging-Systeme zweier Konkurrenten live zusammenzuführen. Das wenigstens hat die SMS dem Instant Messaging noch voraus. Hier ist es völlig selbstverständlich, dass sich Kunden verschiedener Mobilfunknetze Nachrichten schicken können.

Doch glaubt man AOL, dann verläuft die geplante Integration bei den Netz-Kurznachrichtendiensten nicht ohne Probleme. So müsse man in Zukunft für die Übermittlung der Nachrichten vom AOL-Netzwerk auf das öffentliche Internet ausweichen, wodurch die Geschwindigkeit, in der die Nachrichten übermittelt werden, sinken könnte. Außerdem sei das System dadurch anfälliger für Hacker-Attacken, heißt es bei dem Online-Dienst.

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