Intel versus AMD Preiskampf statt "Gigahetz-Rennen"

Genug ist genug: Zwar gerüchtelt es, Intel wolle auch auf der diesjährigen Cebit das "Gigahetz-Rennen" mit AMD fortführen und einen 2 GHz-Chip vorstellen. Doch der eigentliche Kampf wird zunehmend über die Preise geführt. Gut für die Kunden.


Wer macht das Rennen - und welches?
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Wer macht das Rennen - und welches?

So langsam geht den Programmierern die Phantasie aus, was sie mit der ständig wachsenden Leistung der CPUs noch anfangen sollen. "Wer braucht 2 GHz, und wofür?" - das ist eine durchaus sachliche Frage. Das "Gigahetz-Rennen", das sich die beiden Hightech-Schmieden Intel und AMD seit Jahren liefern, verliert zunehmend an Sinn. Übrig bleibt der Prestigewert, und das wissen auch die betroffenen Unternehmen. Deshalb, so brodelt es in der Gerüchteküche, wird Intel den möglicherweise kommenden 2 GHz-Chip auch nur im kleinen Kreise vorstellen: Ein Event für die IT- und Wirtschaftspresse, längst nicht mehr fürs Publikum.

Das scheint mit dem erreichten Leistungsstand moderner Prozessoren durchaus zufrieden. Im Zweifelsfall erreichen selbst hartnäckige Gamer für ihre Rechner mehr Leistungssteigerung, indem sie sich eine kraftvolle neue Grafikkarte zulegen, als dadurch, dass sie die 2-Gigahertz-Schwelle durchbrechen. Die Geschwindigkeitszuwächse in diesem Bereich sind oft nur noch in Millisekunden zu messen.

Zu den meistbeachteten Ausstellern der Cebit könnten darum in diesem die Hersteller von Grafikkarten werden - und den Chip-Schmieden unter Umständen den Rang ablaufen.

AMD und Intel wissen das. In diesem Jahr reagieren sie, indem sie - ohne dafür groß die Trommel zu rühren - die Preise für Prozessoren quer durch die Produktpalette bereits vor der Cebit senkten. Im direkten Vergleich der Februar- mit den Märzpreisen, fand ZDnet heraus, ist eine Preissenkung von bis zu 19,6 Prozent für bestimmte Prozessoren zu sehen.

Besonders kräftig sinken die Preise für die AMD-Chips am oberen Ende der Leistungsskala - was kaum überraschen dürfte: Hier sind auf der Cebit Neuigkeiten zu erwarten, die den betreffenden Chips den Top-Status streitig machen werden. Gute News für Gamer: Die Athlon-Spitzenmodelle mit 1,2 GHz sinken um 19 (133Mhu Frontside Bus) respektive 18,8 Prozent (200 MHz Frontside Bus). Intel hingegen hält sich hier zurück.

Für den Durchschnittsverbraucher wirds billig

Der eigentliche Preiskampf tobt hingegen in dem Segment, das für den durchschnittlichen User das attraktivste sein dürfte: Im Bereich der erschwinglichen Chips der "Mittelklasse". Da hertzt es inzwischen mit stolzen und für die meisten Anwendungen absolut hinreichenden 700 bis 900 MHz.

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PCs: Was will der Verbraucher wirklich?

Schnell, schneller, am schnellsten: "Speed" war bei Prozessoren jahrelang das Maß der Dinge. Wirklich "langsame" Chips gibt es inzwischen nicht mehr: Wie wichtig ist Geschwindigkeit noch in einer PC-Welt, in der den Softwareentwicklern kaum noch einfällt, was man mit all der "Power" anfangen soll?

Und während in der "Oberklasse" preislich AMD weiterhin klar die Nase vorn hat, tun sich die Mittelklasse-Chips der beiden Marktführer in dieser Hinsicht wenig. In der heftigst umkämpften 800 MHz-Klasse zahlt der Großhandel für den AMD-Duron in diesem Monat mit 90 Dollar fast 20 Prozent weniger als im Februar. Intel hält mit dem 800 MHz-Celeron dagegen, dessen Preis in diesem Monat ebenfalls um 19 Prozent gesenkt wurde und mit nur noch 112 Dollar Großhandelspreis für Intel-Verhältnisse ein echtes Schnäppchen darstellt.

Die Konsumenten wird all das freuen: Es ist damit nur eine Frage der Zeit, bis spätestens im Frühsommer die 1 und 1,2 GHz-Rechner en Masse im Lebensmittelhandel zu haben sein werden. Verkaufsargumente werden dann - neben der magischen 2000-Mark-Schwelle - wie gehabt Drucker- und Scanner-Beigaben sein - und letztlich, als Bonbon für die Gamer, wohl die eingesetzten Grafikkarten.

Frank Patalong

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