Internet auf den Salomonen Kokosnuss on demand

Hunderte Inseln, die meisten ohne Infrastruktur, zerrissen von ethnischen Unruhen - fortschrittliche Staaten sehen anders aus als die Salomonen. Im drahtlosen Datenverkehr aber ist der Pazifikstaat Weltspitze: Die Inseln verbindet eines der großflächigsten Funknetzwerke auf dem Globus.

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Salomonen-Inseln: Krisengeschüttelter Südsee-Staat
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Salomonen-Inseln: Krisengeschüttelter Südsee-Staat

Wer sich hier zu Lande über eine besetzte Telefonleitung, ein Handy-Funkloch oder einen ausgefallenen Mailserver aufregt, sollte die Salomonen besuchen: Dort ist die Erinnerung an die Kommunikation der Steinzeit noch frisch.

Die schnellste Art der Langstrecken-Unterhaltung war auf den Salomonen bisher der Kurzwellen-Funkspruch: Nach stundenlangem Warten und zahlreichen Versuchen kam die Nachricht vielleicht an, allerdings nicht nur beim Adressaten, sondern bei jedem, der gerade auf Empfang war. Satellitentelefone sind besser, aber für die meisten Insulaner unbezahlbar.

Kommunikation mit dem Kanu

Da die Post ebenfalls nicht den besten Ruf genießt, blieb oft nur eines: ins Kanu steigen und lospaddeln. Zwischen den rund hundert bewohnten Inseln der Salomonen waren Nachrichten auf diesem Weg manchmal Tage, mitunter auch Wochen oder gar Monate unterwegs.

Dann aber setzten die Insulaner zum Quantensprung an und hüpften unter Umgehung des Telefons ins Online-Zeitalter: Das "People First Network", kurz "PFnet", finanziert von der Salomonen-Regierung und den Vereinten Nationen, brachte das Internet auf die Inseln. In der Hauptstadt Honiara wurde im Februar 2001 ein Web-Café eröffnet, mittlerweile gibt es im gesamten Salomonen-Staat über zehn Empfangsstationen, neun weitere sind in Planung.

PFnet-Homepage: Quantensprung im Inselreich

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Die Technologie ist simpel und robust: Die Daten fließen über Kurzwellen-Funk von den Inseln zur Zentrale und zurück, mit immerhin fünf Kilobit pro Sekunde. Frauen, von freiwilligen Helfern zu Internet-Expertinnen ausgebildet, sind in den Web-Dörfern für den Gemeinderechner verantwortlich. Die Mails gehen auf einem gebrauchten Laptop ein, den Solarzellen mit Strom versorgen.

Zehn Sekunden statt ein halbes Jahr

"Früher dauerte es manchmal sechs Monate, bis ein Brief ankam", sagt David Leeming, technischer Berater bei PFnet. Deshalb seien Dorfbewohner oft stundenlang selbst mit dem Kanu unterwegs gewesen. "Menschen sind ertrunken, um eine Botschaft loszuwerden." Das soll bald im gesamten Inselreich ein Ende haben. "Die typische Nachricht eines Dorfbewohners braucht zehn Sekunden", heißt es auf der PFnet-Homepage. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, die weit über familiären Smalltalk hinausgehen - auch wenn der nach einer PFnet-Statistik mittlerweile den Löwenanteil der Mail-Kommunikation ausmacht.

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Früher etwa verbrachten Insulaner Stunden mit dem Trocknen und Verpacken von Kokosmark - und konnten nur hoffen, dass irgendwann hungrige Seefahrer vorbeikommen. Jetzt aber können die Dörfler auf Bestellung produzieren.

E-Commerce zwischen Atollen

Ein Fischerei-Unternehmen, das sich im alleinigen Besitz einer Dorfgemeinschaft auf der Insel Ulawa befindet, ist mit diesem Prinzip in den E-Commerce eingestiegen. Gourmets in der Hauptstadt Honiara bestellen exotische Fische, die Internet-Insulaner wiederum schicken Auftrags-Mails an Eingeborene, die mit Bambusstangen auf die Jagd gehen. "Das ist ein Beispiel dafür, wie das Internet auch hier das Leben verändern kann", schwärmt Leeming. "Man bekommt frischen Hummer bis vor die Tür geliefert."

Allerdings herrscht auch im Südsee-Internet nicht nur Sonnenschein. Vergangene Woche haben die Insulaner eine lang ersehnte Spende bekommen. Sie kam von Hexamail, einer britischen Firma für Sicherheitssoftware. Ihr Wert: 1000 US-Dollar, ihr Inhalt: Anti-Spam-Software.



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