Internetknoten Das Herz schlägt jetzt im Osten

Deutschlands wichtigstes Internet-Drehkreuz ist umgezogen. Neue Räume und dicke Glasfaserleitungen sollen helfen, dem Stau auf der Datenautobahn Herr zu werden.


Frankfurt/Main - Das Internet in Deutschland hat ein neues Zentrum: Ein unscheinbares Gewerbegebäude in Frankfurt am Main ist seit Mittwoch der wichtigste Umschlagplatz für den elektronischen Datenverkehr. Dort sind täglich mehrere Terabytes, also Billionen von Bytes, an Daten zu bewältigen.

"Frankfurt ist zu einem Datendrehkreuz geworden", sagt der Geschäftsführer des Electronic Commerce Forum, Harald Summa

"Frankfurt ist zu einem Datendrehkreuz geworden", sagt der Geschäftsführer des Electronic Commerce Forum, Harald Summa

Der Austauschknoten bündelt nach Schätzungen des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft 85 Prozent des gesamten Internet-Datenverkehrs in Deutschland. Wenig überraschend, sind im Electronic Commerce Forum (eco), dem Betreiber des Knotens, doch fast alle deutschen Provider zusammengeschlossen - nur die Deutsche Telekom unterhält ihre eigene technische Infrastruktur.

Das Herz des deutschen Internet - "Deutscher Commercial Internet Exchange", kurz DE-CIX genannt - befindet sich bereits seit 1995 in der Mainmetropole. Angesichts des rasant anwachsenden Datenvolumens und der steigenden Zahl an eco-Mitglieder wurden die alten Räumlichkeiten allerdings zu klein. "Frankfurt ist zu einem Datendrehkreuz geworden, wie es der Flughafen für den Luftverkehr ist", sagt eco-Geschäftsführer Harald Summa.

Der Austauschknoten ist jetzt vom Westen in den Osten der Stadt gezogen, wo Fläche und eine neue Gigabit-Technologie zur Verfügung stehen: Vor dem DE-CIX-Gebäude wurden vor wenigen Monaten noch dicke Glasfaserstränge verlegt, über die die Datenmassen zu den Internet-Dienstleistern in Deutschland und von dort zu den Kunden geleitet werden.

Angeschlossen sind etwa 60 der 180 eco-Mitglieder. Jeder Provider hat in Frankfurt ein Endgerät stehen, das mit dem neuen Router des DE-CIX verbunden ist. Der wiederum stellt die Weichen zu den anderen Netzen.

"Unsere alten Räume waren zu klein geworden, weil immer mehr Provider ihren Kasten aufstellten", sagt Summa. Jetzt stehen den Providern rund 1000 Quadratmeter für ihre Geräte zur Verfügung.

Operation am offenen Herzen: Der DE-CIX, Deutschlands wichtigster Internetknoten, ist umgezogen

Operation am offenen Herzen: Der DE-CIX, Deutschlands wichtigster Internetknoten, ist umgezogen

"Fast jede Information, die über das Internet innerhalb Deutschlands verschickt wird, geht zuerst nach Frankfurt", sagt Summa. "Dort wird sie dann verteilt." Ohne den DE-CIX müsste zum Beispiel eine E-Mail, die von Offenbach nach Hanau gesendet wird, einen langen Weg zurücklegen: Sie würde, bevor sie ihr Ziel erreichen kann, erst zum Knoten nach London, wenn nicht sogar in die USA geschickt. "Ein leistungsfähiger Knoten hat für den Nutzer erhebliche Vorteile", meint Summa. "Der Verkehr wird nicht nur schneller, sondern auch billiger."

"Dafür, dass der DE-CIX permanent läuft, sorgt in den neuen Räumen ein ausgeklügeltes Betreuungskonzept", sagt Gerd Simon, Geschäftsführer der Firma InterXion in Frankfurt. InterXion managt die technischen Einrichtungen, die für den hochmodernen Dauerbetrieb notwendig sind. Im Vordergrund steht dabei die Sicherheit, denn schließlich ist der Knoten laut Simon "ein Eckpfeiler der deutschen Internet-Wirtschaft". Zum Sicherheitskonzept gehören unter anderem ein Notstromdiesel und ein Zugangsschutz zum Gebäude.

Die Internet-Surfer werden von dem Umzug und der technischen Aufrüstung nichts bemerken. Ohne den Ausbau wären allerdings schon bald Kapazitätsgrenzen spürbar geworden. "Der Umzug bildet die Grundlage für den nächsten Technologiesprung", sagt Summa.

Das Internet wächst und wächst, aber zumindest die prognostizierten Kapazitäts-Steigerungen der nächsten drei Jahre werde der neue, größere Router des DE-CIX bewältigen können. Wie es danach weitergeht, kann in der schnelllebigen Branche aber noch niemand sagen.



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