iPod-Telefon Hardware-Hacker fürchten Apples Zorn

Ein deutscher Apple-Fan veredelt mit Bekannten den iPod touch: Die drei Freizeit-Bastler tunen den MP3-Player zum Internet-Telefon. Bis Silvester soll ein Prototyp fertig sein. Verdienen wollen sie damit nichts, es geht ihnen nur ums Basteln - trotzdem fürchten sie Ärger mit Apple.


Was für ein Hobby: Drei junge Hacker aus Deutschland, Frankreich und Ungarn modeln in ihrer Freizeit Apples Musik- und Videospieler iPod touch zum Internet-Telefon um. Sie sind nach ein paar Wochen Arbeit schon sehr weit gekommen: In ihrem Test-iPod steckt ein funktionierendes Mikro, sie können Sprach-Notizen aufnehmen und sogar Server mit Internet-Telefonie-Software anwählen.

Wenn ihr Projekt glückt, dürfte die Nachfrage groß sein. Denn dann könnte man mit dem 300-Euro-iPod in Reichweite jedes W-Lan-Hotspots sehr günstig über das Internet telefonieren.

Inzwischen macht nicht nur die Technik den drei Bastlern Sorgen: Nachdem Blogs und Online-Medien über ihr Projekt berichtet haben, fürchten sie möglichen Ärger mit Apple. Der deutsche Hacker Eok, der die iPod-Veredelung koordiniert, ist besorgt, dass der Konzern die Aktion falsch versteht. Er wolle lieber anonym bleiben, schreibt er SPIEGEL ONLINE. Eok erklärt: "Uns geht es nicht darum, Geld zu verdienen oder Apple Konkurrenz zu machen. Wir wollen mit der Hardware spielen, sie verbessern - mehr nicht."

Kein Entwicklungsbudget, keine Gewinnabsichten

Anlass für Klagen von Apple ist auf den Webseiten der Hacker nicht zu finden: Sie veröffentlichen keine Interna, verwenden auch nicht urheberrechtlich geschütztes Material. Für die drei Hardware-Bastler ist das iPod-Hacken ein Hobby. Sie arbeiten sich in ihrer Freizeit an Apples Wunder-Player ab - ohne Entwicklungsbudget, professionelle Ausrüstung und Gewinnabsichten.

Der französische Programmierer Samuel Vinson kann seine VoIP-Software nicht einmal auf einem iPod testen - er hat keinen. Vinson mailt seine Software zum Testen nach Deutschland, wo Eok sie auf seinem iPod touch ausprobiert. Eok: "Im Moment können wir aufgrund dieser Umstände ein oder zwei Software-Versionen am Tag testen."

Mit dieser Minimal-Ausstattung sind die drei erstaunlich weit gekommen: Eok, der die Software testet und die Entwicklungsarbeit koordiniert, schätzt den derzeitigen Stand so ein: "Wenn das Ziel ist, mit dem touch komfortabel übers Internet zu telefonieren, haben wir ein Drittel der Strecke dahin geschafft." Einen funktionierenden Prototypen hoffen die Entwickler "bis Weihnachten oder Ende des Jahres" fertig zu haben.

In vier Wochen ein Drittel geschafft

Angesichts des bisherigen Entwicklungstempos könnte das klappen. Begonnen hat der iPod-Hack vor einem Monat, als der ungarische Hacker Marian in einem iPod-Forum erwähnte, dass beim iPod touch der spezielle Kombi-Anschluss für USB- und Stromkabel auch Signale von Klangquellen empfangen könne (z.B. Mikro, Stereoanlage). Mit einem geschickt gebastelten Anschluss für dieses Dock könnte man also ein Mikro in den iPod touch stöpseln.

Der Ungar bastelte so ein Stecker-Mikrofon, schickte es dem deutschen Hacker Eok. Der suchte nach einer Software, um diese Erweiterung zu nutzen. Und entdeckte eine Spielerei des französischen Programmierers Samuel Vinson: Der hatte ein Programm für die Hosentaschen-Spielkonsole "Nintendo DS" geschrieben, mit dem DS-Besitzer mit dem Spielzeug übers Internet telefonieren können. Vinson übersetzt nun dieses Programm für den iPod. Erster Erfolg: Die iPod-Variante kann schon über den Netztelefonie-Standard "Session Initiation Protocol" (SIP) mit einem entsprechenden Server kommunizieren.

Jetzt muss Vinsons Software noch mit dem Selbstbau-Mikro klar kommen. Das ist die größte Hürde für das iPod-Telefon. Eok: "Wenn da ein Weg gefunden ist, wird ein funktionierender Prototyp relativ schnell fertig sein." Danach müsse man nur noch eine schöne Benutzeroberfläche entwerfen. Denn bislang steuern die iPod-Hacker ihre Telefon-Software mit schwarz-weißen Kommandozeilen – und das passt ja gar nicht zu Apple-Geräten.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.