iSee New York für Heimlichtuer

Die Zahl der Überwachungskameras in New York wird auf rund 2400 geschätzt. Wer trotzdem ungesehen von A nach B will, kann sich auf einen Straßenkarten-Service der ganz besonderen Art verlassen.

Man darf nicht lauffaul sein, wenn man etwas zu verheimlichen hat. Fast zweieinhalbtausend Kameras beobachten das New Yorker Straßenleben, schwenken über Plätzen, starren in Einfahrten, innen, außen, überall. Gerade nach der WTC-Katastrophe geben diese Kameras vielen Menschen ein Gefühl der Sicherheit; es gibt gar den Ruf nach noch mehr Überwachung im Alltag.

Und es gibt Menschen und Interessengruppen, denen vor all dem graut. Für die sich die Wertmaßstäbe auch nach dem 11. September nicht grundlegend geändert haben: Sie opponieren weiter mit viel Phantasie gegen das, was sie als zunehmenden Eingriff in ihre Privatsphäre empfinden.

So ist das, was die Bewegten des "Institutes für angewandte Autonomie" zu verbergen haben, in aller erster Linie einmal "nur" die eigene Person. Und die mag sich wünschen, von Punkt A zu Punkt B zu gelangen, ohne dass sie von irgendeinem "Voyeur" beobachtet wird: Denn genau das ist einer der Vorwürfe. Immer mehr Bilder würden an TV-Stationen verkauft, wenn Schlimmes oder Peinliches passiere; immer häufiger würden Sicherheitsleute dabei ertappt, wie sie mit Beobachtungskameras auf Brüste und Hinterteile von Passantinnen zoomten.

Wer so etwas nicht will, der ist bei "iSee" richtig.

Die Website ist ein Stadtplanservice der ganz besonderen Art. Man gibt seinen Ausgangspunkt ein, den Zielpunkt und - schwupp: Die Datenbank empfiehlt einen Weg mit der niedrigstmöglichen Kameradichte.

Kann das ernst gemeint sein? Die Meinungen gehen auseinander.

Immerhin aber gelingt es iSee und dem "Institut for Applied Autonomy", das Thema des Schutzes vor der wachsenden Zudringlichkeit von Überwachungstechnik im privaten und öffentlichen Raum wieder in die Medien zu bringen. Vor Monaten versuchten sich die "Surveillance Camera Players" in einem ähnlich humorvollen Ansatz politischen Protestes.

Und hatten die Sympathien auf ihrer Seite - was im Falle von iSee längst noch nicht geklärt ist: Der Service ist erst seit wenigen Wochen online, doch schon mehren sich die Stimmen, die darauf verweisen, dass dies doch ein toller Dienst für Kriminelle und Terroristen sei.

Doch Sicherheitsexperten glauben nicht, dass iSee von sonderlichem Nutzen für solche Zielgruppen sei. Sie vermuten die Zielgruppe, die sich direkt von iSee angesprochen fühlen könnte, ganz woanders: Ehemänner, auf dem Weg von A nach C.

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