Jahr 2000 Streit um Atomkraftwerke

Einem Zeitungsbericht zufolge sollen die Atomkraftwerke Unterweser und Neckarwestheim noch einmal auf ihre Jahr-2000-Sicherheit überprüft und möglicherweise über Silvester abgeschaltet werden. Das baden-württembergische Umweltministerium dementierte: "An der Sicherheit von Neckarwestheim gibt es keinen Zweifel."


Atomkraftwerk Neckarwestheim
DPA

Atomkraftwerk Neckarwestheim

Hannover/Karlsruhe/Stuttgart - Die Atomkraftwerke Unterweser in Niedersachsen und Neckarwestheim in Baden-Württemberg würden vor dem Jahreswechsel noch einmal auf ihre Jahr-2000-Sicherheit überprüft, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Mittwoch unter Berufung auf "Kreise im Bundesumweltministerium". Unter Umständen müssten beide Kraftwerke zu Silvester abgeschaltet werden. Eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums habe der Zeitung bestätigt, dass die Reaktorsicherheitskommission (RSK) noch einmal eine Stellungnahme des TÜV-Nord zum AKW Unterweser angefordert habe.

Das baden-württembergischen Umweltministerium dementierte am Mittwoch den Zeitungsbericht: Es gebe keinen Grund für ein vorsorgliches Abschalten des Atomkraftwerkes Neckarwestheim. Das Kraftwerk werde nicht noch einmal auf seine 2000-Sicherheit überprüft. "An der Sicherheit von Neckarwestheim gibt es keinen Zweifel", teilte das Ministerium mit. Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) hatte erst am Dienstag erklärt, dass alle vier Atomkraftwerke in Niedersachsen für den Jahreswechsel gewappnet seien. Alle vier Meiler seien in der Silvesternacht am Netz, würden allerdings mit gedrosselter Leistung gefahren.

Der Hamburger Informatik-Professor Klaus Brunnstein hatte in dem Zeitungsbericht kritisiert, dass Unterweser und Neckarwestheim in Baden-Württemberg mit einer digitalen Leittechnik ausgerüstet seien. Ein Computerfehler - ausgelöst durch den Datumswechsel - könne verheerende Folgen haben. Die Behauptungen von Brunnstein entbehrten jeder Grundlage, hieß es dagegen im Stuttgarter Ministerium. Die angesprochenen Systeme seien bereits im Sommer überprüft worden. Die 2000-Fähigkeit sei durch Gutachter und von der von Bundesumweltminister Jürgen Trittin berufenen Reaktor-Sicherheitskommission bestätigt worden. Verunsicherung sei fehl am Platz.



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