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22. August 2001, 13:40 Uhr

Kabellose Camcorder

Gefunkte Urlaubserinnerungen

Die Funktechnologie Bluetooth kam bisher vor allem bei Handys, Notebooks und PDAs zum Einsatz. Nun kommunizieren auch Camcorder kabellos.

Der Camcorder DC IP7 von Sony surft sogar im Internet

Der Camcorder DC IP7 von Sony surft sogar im Internet

Seit einiger Zeit versprechen die Verfechter der Bluetooth-Technologie ein Ende des Kabelsalats. Die unterschiedlichsten Geräte sollen drahtlos miteinander kommunizieren: Das Notebook gleicht Daten schnurlos mit dem PDA ab. Und der funkt den Terminkalender gleich weiter ans Handy. Sogar Kugelschreiber mutieren inzwischen zu einer miniaturisierten Sende- und Empfangsanlage.

Jetzt verlässt Bluetooth das Büro - auch in der Unterhaltungselektronik hat man Kabeln den Kampf angesagt. Als erstes sollen digitale Camcorder drahtlos mit dem Rest der Technik in Verbindung treten. Der japanische Elektronikkonzern Sony präsentiert auf der Ifa gleich drei Camcorder, die ihre Bilder per Funk übermitteln können. Mit einer Höhe von nur 10,3 Zentimetern gehören sie zu den kleinsten ihrer Art.

Dafür muss an die Hightech-Kameras allerdings ein Extra-Modul mit dem wenig einprägsamen Namen BTA-NW1 angeschlossen werden. Dann aber soll der Camcorder mit dem Bluetooth-fähigen Notebook oder PC in Kontakt treten können. Mit entsprechend ausgerüsteten Modems oder Handys kann der Hobby-Filmer seine Werke gleich vom Urlaubsort an die daheim Gebliebenen schicken.

Surfen mit der Kamera

Mit dem Sony-Camcorder DCR-IP7 kann man sogar im Internet surfen und auf dem zusätzlichen Memory Stick mit acht Megabyte Fassungsvermögen die Webseiten gleich abspeichern. Oder die gedrehten Filme. Immerhin schafft der Mini-Speicher Videos im MPEG-Movie AD-Modus mit einer Länge von bis zu vier Minuten und 40 Sekunden. Die Hightech-Geräte sind allerdings nicht ganz billig: 4600 Mark muss man für das browsende Modell DCR-IP7 hinblättern, der nicht-surfende Camcorder DCR-IP5 kostet 500 Mark weniger. Beide Geräte sollen ab November in den Läden stehen.

Damit die Urlaubserinnerungen den Camcorder per Funk verlassen können, muss man allerdings noch einmal 800 Mark in das Bluetooth-Modul BTA-NW1 investieren.

Auch die Kollegen von Panasonic wollen auf der Bluetooth-Welle mitreiten. Ihr funkender Camcorder heißt NV-EX21. Bei Panasonic ist der Bluetooth-Sender gleich im Gehäuse mit integriert. Außerdem kann das Objektiv abgenommen und als Digitalkamera verwendet werden.

Mikrowelle versus Camcorder

Der Kabelsalat am heimischen Fernseher hat mit Bluetooth wohl ein Ende. Dafür könnte es im Äther eng werden. Denn die mit Bluetooth funkenden Camcorder übertragen ihre Daten auf der Funkfrequenz 2,4 Gigahertz, ISM-Band genannt. Und die ist ohnehin schon voll belegt: Funkamateure, Medizinlabore, Garagentoröffner und auch Mikrowellenherde senden über das ISM-Band. Bluetooth-Kritiker befürchten nach dem Kabelsalat deshalb ein Frequenzchaos.

Aber das lässt sich vielleicht mit einer anderen Schwäche der Blauzahn-Technologie ausgleichen. Weiter als zehn Meter schaffen es die Bluetooth-Daten nämlich noch nicht. Damit sich Camcorder und Mikrowelle im Äther also nicht ins Gehege kommen, sollte man einfach einen großen Bogen um die Küche machen.

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