Kamera-Handy K800i Photoshop für die Tasche

Klick, Auswahl, Basteln - Fotohandys beschleunigen die Bildbearbeitung. Beim Test des ersten Telefons, das wie ein Fotoapparat heißt, hat unser Apparatschik festgestellt: Was früher eine Bastelfreude am PC war, wird zum Zwischendurch-Vergnügen unterwegs.

Von Stefan Schmitt


An eigenen Fotos herumzubasteln ist für mich eine Schnittmenge aus Zeitvertreib, Technikspiel und, nun ja, Kreativität. Jedenfalls war es das einmal. Früher lebte ich einen gehörigen Teil meines Spieltriebs in der Bildbearbeitung Photoshop aus, später installierte ich die Open-Source-Alternative Gimp. An Fotos herumretuschieren, Farbwerte verstellen, Helligkeit und Kontrast verändern, verrückte Filtereffekte ausprobieren, das war Spaß und Stundengrab zugleich.

Freizeitstunden mag ich solcher Spielerei heute nicht mehr opfern. Aber ab und zu ein bisschen davon – das wäre schon schön. Zum Beispiel zwischendurch, während eines unfreiwilligen Leerlaufs. Das K800i von SonyEricsson bietet etwas in dieser Richtung mit den Mitteln eines Unterwegsgerätchens an – und daher zeitverträglich. Das neue Kamerahandy verfügt über eine Software mit dem irreführenden Namen PhotoDJTM für die kleine Bildbearbeitung unterwegs.

Außer automatischem Bildabgleich und Rote-Augen-weg-Funktion gibt es da Verstelloptionen für Lichtbalance, Helligkeit und Kontrast, sowie eine kleine Bibliothek alberner optischer Elemente zum nachträglichen Einfügen. Mit dem fertigen Cartoon-Filter, meinem persönlichen Favoriten, lassen sich durch zwei Knopfdrücke aus Schnappschüssen Elemente für einen Comicstrip machen. Schon während des Fotografierens kann das Telefon Schwarzweiß-, Negativ-, Sepia- oder Solarisationsfilter in das Bildsignal einrechnen. Motivprogramme, etwa für Porträt, Landschaft oder Nachtaufnahme, kommen hinzu. Einen Bildstabilisator gibt es auch – das ist nützlich bei einem knapp 120 Gramm leichten Telefon.

Auch andere Handys beherrschen die eine oder andere dieser Funktionen bereits, wenn auch nicht so geballt wie hier. In der Summe bietet diese Palette enorm viele Spielmöglichkeiten für Zwischendurch-Fotos. Ich habe das Ding immer wieder aus der Tasche genommen, um Bilder zu schießen und dann zu bearbeiten. Das macht mehr Spaß, als jedes eingebaute – oder für teures Geld heruntergeladene – Handyspiel, und ist ebenso kurzweilig und unernst.

Denn das Telefon kann zwar nur eine Ahnung dessen bieten, was am PC möglich wäre. Freunden und Bekannten meine Werke zu zeigen, ist dafür per Handy konkurrenzlos einfach: Mit der Fotoblog-Funktion ist ein Bildeintrag mit Kommentar im Internet so leicht und schnell erledigt wie eine SMS. Kein Einrichten, keine Konfiguration, zu jedem Telefon gehört eine digitale Pinwand bei blogger.com – das Gerät verlockt geradezu. Das freut natürlich den Netzbetreiber und all jene, die sich vom Foto-Spieltrieb zum Kreativexhibitionismus hinreißen lassen.

Fotohandy, keine Kamera

Ambitionierte Technik ist dazu beileibe nicht nötig. Doch eingraviert in den blechernen Linsenschutz des Geräts steht da "Cyber-shot". Nachdem bereits die W-Serie von SonyEricsson mit dem Markennamen Walkman aufgeladen worden ist, bekommt das K800i nun als erstes Telefon den Bedeutungstransfer von Sonys Digitalkamera-Serie. Will der Elektronikgigant damit andeuten, dass die Kameratelefone mittlerweile gleichgezogen haben?

Schon bald nach der Jahrtausendwende wurden zunächst mehr Digital- als Analogkameras verkauft. Danach dann mehr Fotohandys als normale Digitalknipser. Verdrängt haben Handys die Fotoapparate aber bislang nicht. Andererseits ist irgendeine Form von Kamerafunktion im Handy Pflicht und nicht mehr Kür. Auch in der 3-Megapixel-Klasse ist das K800i von SonyEricsson nicht alleine. Zugegeben, es verfügt über Autofokus und einen echten Xenon-Blitz. Hat das Geräte einmal scharf gestellt, ist die Auslöseverzögerung erfreulich kurz. Und die 2048 mal 1536 Pixel großen Fotos genügen auch noch für Abzüge im Format von 15 mal 10 Zentimetern.

Andererseits sind eine Babyfingernagel-große Linse und ausschließlich digitaler Zoom eine Einschränkung, die das K800i mit bislang fast allen Kamerahandys teilt. Auch ein virtuelles ISO-Rädchen zur manuellen Anpassung der Lichtempfindlichkeit fehlt dem Cyber-shot-Telefon. Während bei jeder aktuellen Kleinbild-Digitalkamera freie Blenden- und Belichtungszeitwahl dem Nutzer die Illusion von handwerklicher Fotografie geben sollen, geht die Entwicklung beim Handy offenbar in Richtung Manipulation des fertigen Bildes. Dass es bei Handys nicht darum geht, Fotoapparate zu überholen, beweist das K800i wie kein zweites. Zur miniaturisierten Spiegelreflex wird auch ein Cyber-shot-Telefon wohl nie werden – aber dafür ein Proto-Photoshop für unterwegs.

Zwischendurch und in Serie

Als ich das Telefon am Wochenende mit zum Sport nahm, freute ich mich über eine Funktion des K800i, die sich fein für die Handy-typische Nutzungssituationen zwischendurch eignet: Hinter dem Kauderwelschwort BestPicTM versteckt sich eine Serienbildfunktion, die in kurzer Folge neun Fotos schießt. Damit knipste ich herum, als meine Freundin und ich auf Inline-Skates unterwegs waren.

Kamerahandy SonyEricsson K800i

Netz GSM 900/1800/1900 MHz, UMTS
Gewicht 114 g
Größe 107x48x24 mm
Akku Li-Ionen, ca. 14 Tage Standby, max. 7 h Dauersprechbetrieb
Bildschirm 240 x 320 Bildpunkte, 262.144 Farben, 31 x 41 mm
Speicher intern 72 MByte, erweiterbar mit Memory Stick Micro
Foto 3,15 Megapixel, Blitz, Autofokus
Video 176 x 144 Bildpunkte
Multimedia Musik- und Videoplayer, UKW-Radio
Internet Webbrowser, E-Mail-Client, RSS-Reader
Schnittstellen Bluetooth, Infraort, USB, seriell
Preis T-Mobile: k.A., "lieferbar ab August", Eplus: ab 89,90 Euro, Vodafone: ab 179,90 Euro, O2: ab 99,99 Euro, ohne Vertragsbindung ab ca. 370 Euro, UVP des Herstellers 469 Euro

Der Weg führte zwischen Pferdeweiden und unter Bäumen hindurch. Die Sonne schien, alle paar Sekunden wechselten Licht und Schatten. Wir bewegten uns beide ständig (ich als unsicherer Fahrer oft recht hektisch). Das sind Bedingungen, unter denen eine gelungene Aufnahme aus voller Fahrt ein echter Glücksfall ist. Per Serienschnappschuss erhöhte das Cyber-shot-Telefon meine Chancen merklich. Nach dem Klickgeräusch konnte ich die Neunerserie im Display auf Treffer durchforsten und diese abspeichern.

Speichern – das ist einer von zwei wunden Punkten beim K800i. Der interne Speicher von 72 Megabyte ist ein Witz für ein Fotohandy, das auch noch mit Organizer- und Medienplayer-Funktionen beworben wird. Der Erweiterungsschacht an seiner Seite schluckt aber nur Speicherkarten im Sony-eigenen Format Memory Stick Micro. Selbst Nutzer des Vorgängermodells K750i müssten sich einen neuen – teuren – Microstick zulegen. Und die Videofunktion des Telefons, die 176 mal 144 Pixel kleine Ruckelfilmchen bietet, versteckt man lieber beschämt. Die Buchstaben DCR trägt das Gerät nicht im Namen – so heißen bei Sony die Camcorder.



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Seite 1
Leserin, 01.08.2006
1.
---Zitat von sysop--- Kaum ein Mobiltelefon wird noch ohne Linse und Auslöser verkauft. Verdrängen die Knips-Handys normale Digitalkameras zunehmend. Oder werden die neuen Geräte ganz anders eingesetzt? ---Zitatende--- Wieder mal ein bisschen Maktforschung? Oder Product Placement? Nein, Gott behüte, natürlich nicht. Mensch sollte aber auch den Anschein vermeiden. (Probleme ham wir :-(( )
Hans58 01.08.2006
2. ..noch ein Handy Thema ????
---Zitat von sysop--- Kaum ein Mobiltelefon wird noch ohne Linse und Auslöser verkauft. Verdrängen die Knips-Handys normale Digitalkameras zunehmend. Oder werden die neuen Geräte ganz anders eingesetzt? ---Zitatende--- Noch ein Handy-Thema? Reicht denn dass noch existierende Thema "Standard Handy-Technik: Was braucht man wirklich?" nicht auch für diese Fragestellung aus? Rege neues Thema an: "Wann kommt der Fotoapparat, den man auch als Telefon nutzen kann?"
Silvia, 01.08.2006
3.
---Zitat von sysop--- Kaum ein Mobiltelefon wird noch ohne Linse und Auslöser verkauft. Verdrängen die Knips-Handys normale Digitalkameras zunehmend. Oder werden die neuen Geräte ganz anders eingesetzt? ---Zitatende--- Zum Knipsen könnten sie die Kameras verdrängen - vielleicht. Aber zum Fotografieren ist eine gute Kamera immer noch allemal besser!
Holperik, 01.08.2006
4.
---Zitat von sysop--- Verdrängen die Knips-Handys normale Digitalkameras zunehmend. ---Zitatende--- Das ist genau der richtige Ausdrück :Knips-Handy! Mehr ist es nicht, ein Apparat für Knipser, damit werden allenfalls Digitalkameras minderer Qualität verdrängt. Wer fotografieren will, wird auch weiterhin auf Apparate mit hochweriger Optik zurückgreifen.
Fidel Castr(at)o, 01.08.2006
5.
In 2 Jahren oder so wirds da sicherlich schwierig werden für die Digicam-Hersteller, den unbedarften Schnappschussfotographen für sich zu gewinnen. Wenn ich mir mein Handy (SE w810i) mit 2-mega-pxl-kamera anguck, dann sind die photos schon von erstaunlich guter qualität und ausreichend, um auch mal nen 9*13 oder 10*15-Abzug davon zu machen. Außerdem hat mans immer dabei und muss nicht noch ein weiteres lästiges Gerät mit sich rumschleppen. Die Grenze für die Handykameras wird vermutlich der Optische Zoom sein. Den auch noch zu integrieren wird wohl zu teuer sein und der Vorsprung der "echten" kameras bleiben... und der wiegt schon schwer. Denn der digitale Zoom der Fotohandys zeigt eindeutig, dass man davon die Finger lassen sollte. Für den "Nahbereich" reicht das Handy... alles andere wird erstmal das Hoheitsgebiet der Digicams bleiben. (Oder gibts sogar schon Handykameras mit opt. Zoom? Hab mich seit einiger zeit nicht mehr sooo damit beschäftigt muss ich gestehen...)?
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