SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

20. Juli 2009, 09:55 Uhr

Kameraschutz

Die besten kleinen Fototaschen

Von Christian Rottenegger

Ordentliche Fototaschen gibt es schon ab 25 Euro. Wer höhere Ansprüche an Sicherheit, Verarbeitung und Komfort stellt, sollte mit gut 60 Euro rechnen, bekommt dafür aber deutlich interessantere Modelle. Das Fachmagazin "Colorfoto" hat fünf Fototaschen für kleine Ausrüstungen getestet.

Spiegelreflexkamera, mehrere Wechselobjektive, Blitzgerät, dazu das Leergewicht der Fototasche - schnell kommen da fünf Kilogramm und mehr zusammen, die der Fotograf auf seinen Touren mitschleppen muss.

Klar, dass solch schwere Lasten beim einseitigen Tragesystem einer klassischen Schultertasche schnell unangenehm werden. Wer viele schwere Wechseloptiken braucht, nimmt daher besser einen Rucksack, der das Gewicht auf Schultern und Hüfte verteilt.

Leichte Fototaschen für kleine SLR-Ausrüstungen machen dagegen durchaus Sinn: Der Fotograf muss sie nämlich nicht wie den Rucksack ablegen oder vom Rücken nach vorne schwingen, um an Kamera und Zubehör zu gelangen.

In diesem Vergleichstest stehen sich fünf solche handliche Fototaschen gegenüber. Das Fachmagazin "Colorfoto" erklärt, welche für Sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Dörr Action No.4

Zu Beginn gleich die günstigste, eine der leichtesten, aber auch die schlichteste Fototasche im Test: Die Dörr kostet gerade einmal 25 Euro, wiegt nur 480 g und hat abgesehen vom verstärkten Boden mit Kunststofffüßen nur wenige Extras zu bieten. Das vergleichsweise dünn gepolsterte Fotofach fasst eine Spiegelreflexkamera mit angesetztem Objektiv, einen kleinen Blitz und eine Wechseloptik.

Die Teile sitzen stabil in ihren Kammern, zumal der Fotograf die Trennelemente dank des durchweg haftenden Innenfutters beinahe beliebig positionieren kann. Die drei Zubehörtaschen an den Seiten und an der Front wirken etwas rudimentär: Nur eine verfügt über zwei schmale Innenfächer, in denen Kleinteile unterkommen. Dörr setzt zudem auf der Innenseite des Deckels ein Netz mit Reißverschluss auf.

Da der jedoch unverdeckt ist, verkratzt auf Dauer womöglich der Kameramonitor. Auch die übrigen Reißverschlüsse liegen ungeschützt bloß, weshalb die feh lende Regenschutzhülle umso mehr abgeht. Der dicke, weiche Griff trägt sich außerordentlich angenehm. Das Schulterpolster fällt zwar etwas klein aus, rutscht aber wegen seiner haftenden Innenseite nicht so leicht ab. An mehreren Nähten unseres Testmusters lösten sich die Fäden.

Fazit: Eine sehr günstige und leichte Fototasche, in der man eine kleine Kameraausrüstung stabil unterbringt. Gut für kleinere Touren, bei denen es nicht zu rau hergeht. Kauftipp Preis/Leistung.

Hama Grenada 170


In ihrem erdbraunen Baumwoll-Outfit mit türkis, grün, weiß gestreiftem Innenfutter sieht die Grenada 170 trendig aus. Die dunkelbraunen Metallschnallen passen dazu, wiegen aber unnötig viel und machen die Grenada 170 zu einer Fototasche mit über einem Kilogramm Leergewicht.

Bei den beiden Frontverschlüssen hat Hama zu ganz besonderen und dementsprechend ungewohnten Varianten gegriffen: Um sie zu öffnen, muss der Fotograf zwei kleine, spitze Noppen an beiden Seiten drücken und gleichzeitig den unteren Schnallenteil nach unten ziehen - unkomfortabel.

Das Hauptfach ist ausreichend verstärkt und gut gepolstert. Allerdings wird nicht gleich klar, wie Hama sich die Aufteilung vorstellt. Nach etwas Tüfteln und einem Blick auf die Skizze, welche die optimale Platzierung von Kamera und Objektiven verdeutlicht, fanden die Tester aber schließlich doch eine Konstruktion, bei der die Einzelteile stabil und sicher in ihren Kammern lagen.

Das Außenmaterial besteht zwar aus Baumwolle, scheint aber gut imprägniert: Spritzwasser perlt an der Oberfläche ab und dringt erst bei Berührung ein. Da die Regenhülle im Lieferumfang fehlt, landet die Grenada in der Gesamtwertung auf dem letzten Platz in diesem Testfeld. Das Schulterpolster ist recht kurz und schlägt wegen der starren Beschichtung Falten, die nach längeren Tragestrecken unter Umständen Druckstellen hinterlassen können. Der dünn gepolsterte Griff sitzt nicht mittig, sondern einseitig innen, wodurch die untere Taschenkante beim Gehen am Bein reibt. Außerdem kann die Verarbeitung nicht ganz überzeugen, unter anderem wegen gezogener Fäden und schiefer Nähte.

Fazit: Trendig, schick, schön - die Hama Grenada 170 wird schon allein aufgrund ihres Designs begeis terte Abnehmer finden. Trotz des Baumwollaußenmaterials liegt aber keine Regenhülle bei, und der Trage- und Nutzungskomfort schneidet eher unterdurchschnittlich ab. Der Preis (rund 60 Euro) geht in Ordnung.

Kata Holster H-14


Wenn es um maximale Sicherheit, vor allem um eine sehr gute Stoßdämpfung geht, liegt Katas Holster H-14 an einsamer Spitze: Front und Boden bestehen fast vollständig aus TST-Rip-Hartschale.

Der zusätzlich mit stabilen, dicken Polstern ausgekleidete Innenraum fasst eine Spiegelreflex mit angesetztem, etwa 20 cm langem Tele. Alternativ findet eine SLR mit Standard- und darunter ein kürzeres Wechselobjektiv Platz, das sich mit einem dafür vorgesehenen Trennelement stabilisieren lässt. Dazu kommen ein Zubehörfach im TST-Rip-Deckel für Akkus oder Batterien und ein Speicherkartentäschchen, das zwischen Fotoeinsatz und Hartschalenfront steckt.

Ein weiteres Teleobjektiv und ein relativ großer Blitz passen in die beiden Seitentaschen. Sie sind über zwei separate Reißverschlüsse zugänglich, im Unterschied zum Hauptfach aber nicht durch Hartschale, sondern durch vergleichsweise dünne Polster geschützt. Der Tragekomfort profitiert von der breiten Gürtelschlaufe, dem funktionalen Polster auf der Taschenrückseite und dem vorbildlichen Trageriemen: Er ist mit einem speziellen, weichen Kunststoffschulterteil bestückt, dessen griffige Noppen an die Saugnäpfe einer Krake erinnern.

Dadurch haftet er extrem gut und reibt nicht auf der Haut. Für Schlechtwetter liegt eine Netztasche mit Regenhülle bei, die gegebenenfalls zu Hause bleiben kann. Die Verarbeitung wirkt wie von Kata gewohnt hochwertig und robust.

Fazit: Die Holster H-14 beweist mit intelligenten Detaillösungen, etwa der Hartschalenfront und dem besonders griffigen, luxuriösen Schulterpolster, dass sie zur Oberklasse gehört. Darum vergeben wir den Kauftipp Sicherheit - trotz des vergleichsweise hohen Preises (110 Euro).

Ortlieb Aqua-Cam L

Als einzige Fototasche im Test ist die Aqua-Cam L nicht nur wasserabweisend, sondern absolut wasserdicht und ihre Hauptbetandteile werden nicht in China oder einem anderen Billiglohnland, sondern in Deutschland gefertigt. Während ihre Vorgängerin noch einen Rollverschluss besaß, damit an der Öffnung sicher kein Wasser eindringt, verfügt die neue Aqua-Cam L nun über einen zuverlässig wasserdichten Reißverschluss. Allerdings läuft der relativ schwer, selbst wenn man mit dem beiliegenden Silikonfett nachhilft.

Innen befindet sich der gepolsterte Fotoeinsatz für eine SLR mit angesetztem Normalobjektiv, einen Blitz und eine Wechseloptik (kein lichtstarkes Tele). Der Fotograf kann die Trennpolster dank großflächiger Haftstreifen so positionieren, dass die Geräte festen Halt finden. Allerdings bleiben sie nach oben hin ungepolstert. Außerdem sieht das Ortlieb-Konzept keine separaten Fächer für Akkus, Filter und Speicherkarten vor. Auf der Rückseite der Aqua-Cam befinden sich zwei Gürtelschlaufen, an denen sie sich noch komfortabler trägt als am weich gepolsterten, abnehmbaren Tragegurt. Ortlieb bietet außerdem ein optionales Tragesystem (rund 18 Euro) an, das die Tasche fest am Körper stabilisiert - praktisch für Sportler, etwa Kletterer oder Radler, denen eine an der Schulter baumelnde Tasche im Weg umgeht.

Fazit: Die Aqua-Cam L ist rundum wasserdicht, und zwar ohne Regenhülle, die der Fotograf erst überstülpen muss - dieses Plus an Sicherheit bringt der Ortlieb den Kauftipp wasserdicht ein.

Tamrac Velocity 5x


Der Name ist Programm: "Velocity", eine ideale Fototasche für Stadtbesichtigungen per Rad, bei denen die Kamera stets schnell zur Hand sein soll. Neben dem Schulterriemen besitzt die kleine Fototasche einen Hüftgurt, mit dem sie sich während der Fahrt auf dem Rücken fixieren lässt. Dadurch baumelt sie beim Treten nicht ständig zwischen den Beinen.

Sobald der Fotograf aber ein lohnendes Motiv entdeckt, muss er nur eine Schnalle öffnen, und schon kann er die Tasche über die Schulter nach vorne schwingen, das gut gepolsterte Fotofach aufmachen und die Kamera mit dem Gehäuse zuerst aus ihrem sicheren Fach heben - alles funktioniert schnell und bequem, ohne dabei die Tasche abzustellen. Der Hüftgurt ist zwar ungepolstert, trägt dadurch aber weniger auf als der von Lowepros Inverse 200 AW und lässt sich gegebenenfalls komplett hinter dem gut belüfteten, angenehmen Rückenpolster verstauen - zwei Druckknöpfe sorgen dafür, dass er nicht herausrutschen kann. Die Velocity gehört zu den leichteren Fototaschen im Test. Umso verwunderlicher, dass Tamrac den Schulterriemen mit zwei schweren Metallkarabinern befestigt und damit den Gewichtsvorteil zumindest teilweise wieder verschenkt.

Alles in allem wiegt die Velocity 820 g, womit sie sich hinter der Konkurrenz von Ortlieb und Dörr positioniert. Im Fotofach finden eine SLR mit angesetztem Standardobjektiv, ein Blitz und eher ein als zwei Wechselobjektive Platz. In der Zubehörtasche an der Front kommen Handy, Speichertaschen, Akkus und Geldbeutel unter. An Gurt und Seiten befinden sich Schlaufen für optionale Zubehörtäschchen, von denen Tamrac eine ganze Kollektion führt, vom Objektivköcher bis zum Filterbeutel. Für Radtouren bei instabilem Wetter wäre allerdings eine Regenhülle angesagt. Doch die muss der Fotograf separat erstehen, was den recht guten Preis (60 Euro) relativiert. Zum anderen näht Tamrac an den Trennelementen Klettstreifen auf, an deren Kanten die SLR beim Einschieben hängen bleibt - insbesondere bei aufgesetzter Sonnenblende.

Fazit: Abgesehen von der fehlenden Regenhülle und kleinen Details gefällt die Tamrac Velocity 5x sehr gut. Das Tragesystem und das moderate Gewicht qualifizieren sie für längere Radtouren - nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land und in den Bergen. Kauftipp Radtouren.

Fazit und Überblick

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung