KaZaA lite Software ohne Schnüffelzusatz

KaZaA, die effektivste verbliebene P2P-Software, ist mächtig ins Gerede geraten. Das Programm spioniert seine User aus. Nicht so die "kleine Schwester": Findige Programmierer entwarfen eine abgespeckte Version ohne jede Schnüffelsoftware.

Er nennt sich Jurij, und angeblich kommt er aus Moskau. Das ist merkwürdig, weil seine Webseite in den Niederlanden gehostet wird und sein Akzent alles andere als russisch ist. Allerdings hat Jurij allen Grund, seinen wahren Namen zu verschweigen: Er ist der Entwickler von KaZaA lite, einer Software die dem bekannten Filesharing-Programm KaZaA sehr, sehr ähnlich sieht.

KaZaA, das Original, ist jüngst ins Gerede gekommen, weil es Spyware enthält: Software, die den Benutzer ausspioniert. Bei KaZaA lite gibt es diese versteckten Funktionen nicht, es gibt auch keine flackernden Werbebanner. Selbst der Link zum Online-Shop ist deaktiviert. Seit gut einer Woche wird die Lite-Version verteilt, bisher ist sie etwa 250.000 Mal geladen worden. Und auf den einschlägigen Downloadseiten von Computerzeitschriften führt die werbe- und spionagefreie Version die Downloadlisten an.

Der Schein-Russe Jurj hat die Originalsoftware einfach nur geöffnet, alle Spionageanteile rausgeworfen und aus dem Rest wieder eine Exe.Datei gemacht. Das ist kein wirklich schwieriger Hack - unter den Filesharing-Fans aber ein sehr willkommener.

Zwei Freunde von "Jurij", 23-jährige Brüder aus Süddeutschland, haben KaZaA Lite übersetzt - und zwar noch bevor die Originalsoftware mit einer deutschen Version auf dem Markt war.

"Natürlich ist KaZaA Lite eine Urheberrechtsverletzung", sagt einer der Brüder. Er sagt das mit ein bisschen Stolz auf die Leistung, jedenfalls aber ohne Unrechtsbewusstsein. Das ist bei den Usern von Filesharing-Diensten ohnehin nicht sonderlich verbreitet.

Sharman Networks, die Besitzer der Original-KaZaA-Software, hat mittlerweile auf die Veröffentlichung reagiert: Natürlich sei die Nutzung des abgespeckten, abgekupferten Programms "nicht erlaubt". Die beiden Deutschen bestreiten aber, dass Sherman irgendwelche Verluste durch die Lite-Version haben könnte: KaZaA Lite würden sich ohnehin nur die Vielnutzer des Filesharing-Dienstes besorgen. "Und die klicken nie auf den Shop, um sich eine CD zu kaufen. Die saugen sich die CD aus dem Netz."

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