Kinderpornografie Automatisch erwischt

Die Fahndung nach Pädokriminellen ist auch für die Polizei kein Spaß: Für die Überwachung einschlägiger Chats braucht es Geduld und starke Nerven. In Neuseeland ist es den Behörden angeblich gelungen, die Chatüberwachung zu automatisieren.


Raue Sitten: In manchen amerikanischen Gemeinden werden identifizierte "Sex Offenders" öffentlich geoutet
AP

Raue Sitten: In manchen amerikanischen Gemeinden werden identifizierte "Sex Offenders" öffentlich geoutet

"Jedesmal, wenn jemand aus Neuseeland einen einschlägigen IRC-Chat betritt", behauptet der neuseeländische Fahnder Jon Peacock, "ertönt bei uns ein Alarm". Das ersetzt zwar nicht die Beobachtung der Chaträume, automatisiert die Fahndung aber zu einem guten Teil. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, die Peacock mit seinem Vortrag gestern auf einer Web-Sicherheitskonferenz in Auckland erregen konnte.

Denn ein Problem der Fahnder ist das "Rauschen": Selbst in den krankesten Winkeln des Web ist das Gros der chattenden Konversation selbst in strafrechtlicher Hinsicht belanglos. Und geht es dann zur Sache, schützt die Pädokriminellen noch immer zu häufig der internationale Charakter des Web: Auf Anhieb ist nicht zu erkennen, wer da von wo kommt. Fahnder verwickeln Pädokriminelle in virtuelle Gespräche, versuchen ihnen auf herkömmliche Weise Fallen zu stellen oder versuchen, die Identität der Observierten mit Portscans und anderen Methoden zurückzuverfolgen.

Vorsprung durch Technik

Peacock und die neuseeländischen Fahnder sind ihren Kollegen in der Welt schon ein Stück voraus, bevor sie auch nur beginnen, den Pädokriminellen in ein "Gespräch" zu verwickeln: Sie wissen zumindest, dass "ihr Mann" aus Neuseeland kommt. Mit einem "einfachen Script", so Peacock, schöpfen die Fahnder die IP-Adresse, von der aus der Observierte ins Web geht, ab. Handelt es sich um einen festen Account, hat ihnen der Observierte so quasi seine Adresse frei Haus geliefert.

Doch selbst "dynamische", das heißt zeitweilig zugewiesene IPs werden mittlerweile weltweit von den diese vergebenen Telekommunikationsunternehmen oder Service-Providern protokolliert. Selbst im Internet-by-Call-Verfahren sind die Telekommunikationsunternehmen so meist in der Lage, den bestimmten Internet-Zugriff zumindest bis zur betreffenden Telefonbuchse zurückzuverfolgen. In immer mehr Ländern der Welt sind sie zudem verpflichtet, Fahndern solche Informationen zugänglich zu machen.

Informationen, die Gold wert ist: Nur im eigenen Land ist gewährleistet, dass es an der Haustür eines so Identifizierten auch binnen kürzester Zeit klingelt. Rund 420 Täter identifizierten die Fahnder selbst im kleinen Neuseeland seit 1995 - und die traurige Erfolgsquote steigt.

Das tut sie auch international, mit einer sich ständig verbessernden Kooperation zwischen Polizeibehörden in aller Welt gerade im Bereich der Pädokriminalität. So waren die meisten großen Zugriffsaktionen der letzten zwei Jahre international koordiniert und fanden oft zeitgleich in mehreren Ländern statt. Einer der größten Erfolge der Neuseeländer aus dem letzten Jahr etwa, berichtete Jon Peacock, bestand in der Verhaftung eines Pornobild-Händlers aus dem neuseeländischen Christchurch. Der "sang" - und einige Tage später klickten die Handschellen gleich 53-mal: In Manchester, England.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.