KPNQwest bricht weg Wann wackelt das Web?

Am Dienstagabend schalteten KPNQwest-Angestellte das belgische Ebone-Netzwerk ab. Kaum jemand merkte es, der Daten-GAU blieb aus. Noch?

KPNQwests Agonie neigt sich dem Ende zu: Stückchen für Stückchen verschwindet Europas einstmals größter Infrastruktur-Provider aus dem Netz. Am späten Dienstagabend schalteten Angestellte der belgischen KPNQwest-Tochter Ebone ein Kernstück von Europas größtem Kabelnetzwerk still. Der Daten-GAU blieb aber aus, kaum einer merkte was - obwohl Prognosen zufolge zumindest der Verkehr von und nach Großbritannien sowie der über die Knotenpunkte Paris, Stockholm und Frankfurt hätte beeinträchtigt werden sollen.

Das, versichern Experten, war auch so: Es sei bereits zu "deutlichen Verzögerungen" bei Datenübertragungen gekommen.

Das mag messbar sein, "merkbar" scheint es kaum. Mit Ebone verlor KPNQwest, dessen Verkaufsaussichten durch den Schritt der Belgier weiter sanken, bereits einen nicht unerheblichen Teil seiner Netzkapazitäten. Die Beraterfirma Cap Gemini geht davon aus, dass nun vor allem kleineren und mittelständischen Firmen Probleme entstünden. Die Großen hätten dagegen beizeiten vorgesorgt: Selbst bei einem völligen Wegfall des KPNQwest-Netzwerkes sollte der Business-Verkehr nicht beeinträchtigt werden.

Obwohl Insolvenz-Verwalter Eddy Meijer weiter tapfer Durchhalteparolen verbreitet, wird die Abschaltung des restlichen Netzwerkes in den nächsten Tagen erwartet. Zuletzt war mit AT&T ein potenzieller Gesamtkäufer abgesprungen. Mit dem deutlich unterpreisten Angebot der Investment-Gruppe Trimoteur waren andererseits die Insolvenzverwalter nicht einverstanden: Der Rest interessiert sich nur für Teile des Unternehmens.

Über kurz oder lang könnte es also bei KPNQWest wie nun bei Ebone heißen, "Technik und Geräte werden verkauft". Denn - da sind sich alle Experten einig - einmal abgeschaltet, wäre die Reaktivierung des KPNQWest-Netzwerkes zu kostspielig.

Der Privatsurfer, auch da sind sich die Experten einig, wird von all dem sowieso wenig merken. Die Überkapazitäten der Netze sind inzwischen so hoch, dass sie auch den Wegfall von KPNQWest verkraften - die zeitweilig immerhin 40 Prozent des europäischen Datenverkehrs bewältigten.

KPNQWest ist nicht allein

Diese massive Marktposition hatte das Unternehmen mit einem anderen Wackelkandidaten auf dem amerikanischen Markt gemein, der innerhalb der nächsten Wochen die Flügel strecken könnte: WorldCom.

Experten befürchten, der Telekommunikationsgigant könnte an seinen Abrechnungsunregelmäßigkeiten ersticken und gezwungen sein, Insolvenz anzumelden. Dann bräche unter Umständen ein Provider weg, der über 50 Prozent des amerikanischen Web-Verkehrs bewältigt, über 70 Prozent aller E-Mails - und über UUNet mit KPNQWest verbunden ist.

Selbst das könne das Web nicht erschüttern, behaupten Fachleute. Die Infrastruktur des Netzes sei zwar nicht so unangreifbar, wie einst kolportiert, aber "selbstheilend" genug und zudem weit voluminöser als bisher gebraucht.

Gefährlich könnte einzig eine Abschaltung des UUNet werden - doch das, meinen Analysten der Giga Information Group, sei als einer der Internet-Backbone-Provider und einer der größten E-Mail-Dienstleister der Welt zu wichtig, um nicht gerettet zu werden: Auf das UUNet stützt sich für ihre Datenkommunikation nicht zuletzt das amerikanische Militär.

"Ich kann mir kaum ein Szenario vorstellen, bei dem das Netzwerk von UUNet abgeschaltet würde", versichert einer, der zurzeit ums Überleben des Gesamtkonzerns WorldCom kämpft: Chef John Sidgmore.

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