Krieg der Spielekonsolisten Es geht um den Messefrieden

Spielcomputer dürfen laut hauseigener Geschäftsordnung nicht auf der Cebit ausgestellt werden, basta! Microsoft hat sich deshalb beschwert und jetzt klafft auf dem Sony-Stand eine 100-Quadratmeter-Lücke, wo vorher die PlayStation 2 gestanden hat.

Hannover - Der Hintergrund des Konflikts: Microsoft will Sony mit seiner am Donnerstag in Europa eingeführten XBox die Butter vom Brot nehmen. Deshalb ist dem Redmonder Software-Riesen alles ein Dorn im Auge, was die Position des Rivalen verbessern könnte. Die Microsofties schauten also ins Kleingedruckte und orteten die Lücke im Cebit-Gesetz, nach dem Spielcomputer bei dieser ernsten Veranstaltung tabu seien sollen. "Unser Kunde Microsoft hat uns angesprochen mit der Bitte, aktiv zu werden", sagte Messesprecher Detlev Rossa. Die Messeleitung bat daraufhin Sony, die PlayStation-Geräte zu entfernen. Das taten die Sony-Leute denn auch heute morgen in aller Frühe.

Die Präsentation der Spielkonsole war bereits vor Beginn der Cebit ein Gesprächsthema zwischen der Messe und Sony. Dabei hatten sich beide Seiten nach Angaben Rossas darauf verständigt, dass die Grafikleistung der PlayStation und nicht die Spielfunktion in den Mittelpunkt des Messeauftritts gestellt werden sollte. Sony demonstrierte auf dem Cebit-Stand die neuen Online-Funktionen der PlayStation sowie ein Zusatzangebot, mit dem sich die Spielkonsole zum Linux-Computer ausbauen lässt. Die Detektive von Microsoft machten allerdings am Samstag Jugendliche am Stand von Sony ausfindig, die sich beim Skateboard-Spiel AirBlade vergnügten. Und sie beschwerten sich über die Ungerechtigkeit, denn schließlich werde die neue XBox auf dem Microsoft-Stand nur hinter Glas und nicht zum Spielen gezeigt.

Allerdings möchte Microsoft bei dem Streit gar nicht so gerne in den Vordergrund treten. Man könnte ja die vergnügungssüchtige Jugend gegen sich aufbringen. Microsoft-Sprecher Frank Mihm wollte denn auch keine Stellung nehmen zu den Informationen über eine Beschwerde seines Unternehmens. "Das ist eine Auseinandersetzung zwischen der Messe AG und Sony", sagte Mihm.

Für Sony erklärte Firmensprecher Udo Freialdenhofen: "Wir denken, dass Produkte wie die PlayStation 2 zu dieser Messe gehören." Auf dem mehr als 2000 Quadratmeter großen Messestand in Halle 2 nahm die PlayStation nach Angaben des Sprechers einen Bereich von weniger als 100 Quadratmetern ein. Nach der Beschwerde gegen die Präsentation der Spielkonsole habe man sich aber zum Abbau der Geräte entschlossen, um den Messefrieden zu wahren, sagte Freialdenhofen.

Einen derartigen Konflikt habe es in der Geschichte der Cebit noch nicht gegeben, räumte Messesprecher Rossa ein. Nach der Cebit wollen alle Beteiligten nach seinen Angaben versuchen, eine einvernehmliche Position zu finden, wie solche Spielcomputer künftig auf der Cebit zu bewerten seien. "Wir sind dafür verantwortlich, das Ausstellungsprogramm einer Messe exakt zu definieren", erklärte Rossa.

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