Laptops für die Armen Intel gibt Widerstand gegen Kinderrechner auf

Noch vor wenigen Monaten hatte es heftigen Streit gegeben zwischen dem Chipgiganten Intel und dem One Laptop per Child Project, das Kinder in der dritten Welt mit Computern ausstatten will. Nun hat man sich geeinigt - Intel will mithelfen, den Kinderrechner zu bauen.

Im Mai erst hatte der Techno-Humanist Nicholas Negroponte deutliche Worte gefunden für den Chipgiganten aus den USA. Intel "sollte sich schämen", so der PC-Philantrop laut der "BBC". Intel habe seiner Mission, die Kinder dieser Welt, vor allem die in Entwicklungsländern, mit Laptops auszustatten, "enorm geschadet". Das Projekt soll eine Art Selbsthilfe-Entwicklungshilfe möglich machen und die pädagogischen Anstrengungen der Open-Source-Gemeinde zu den unterprivilegierten Kindern dieser Welt transportieren.

Intels Chef Craig Barrett hatte damals zurückgegeben, man versuche keineswegs, Negroponte aus dem Markt zu drängen, "wir versuchen, jungen Leuten Möglichkeiten zu bringen". Nun hat man offenbar entschieden, dass das auch mit den Leuten vom One Laptop per Child Project (OLPC) gehen könnte.

"Intel nimmt seinen Platz im OLPC Vorstand als einer der weltweiten Technologieführer ein", verkündete Negroponte nun. Gemeinsam mit Intel könne man "sicherstellen, dass eine maximale Anzahl an Laptops die Kinder dieser Welt erreicht". Intel-Chef Paul Otellini sagte: "Unser Beitritt zu OLPC unterstreicht einmal mehr unser Engagement im Bildungssektor in den vergangenen 20 Jahren." Die Kooperation konzentriere sich vor allem auf die Themen Technologietransfer und Bildung.

Microsoft im Nacken

Den vorausgegangenen Streit hatte ein Konkurrenzprodukt zu Negropontes Enwicklungshilfe-Rechner ausgelöst. Intels "Classmate" ähnelt mit seinem Griff und seiner kindgerechten Farbgebung schon äußerlich dem Rechner des "One Laptop per Child"-Projektes (OLPC). Es gibt eine Reihe von Unterschieden zwischen den Rechnern - etwa den, dass der Intel-Laptop auch unter Windows laufen kann, während der OLPC-Laptop mit einem speziellen Linux-System betrieben wird. Der für den Zwist entscheidende Unterschied ist jedoch wohl der Prozessor: In Negropontes Klapprechner steckt ein Chip von Intels Konkurrenten AMD.

Intel ist nicht das erste IT-Unternehmen, das am wohltätigen Plan von Negropontes Techno-Humanistenteam gesägt hat. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates hatte sich schon abfällig über den OLPC-Rechner geäußert. Beobachter führen das nicht zuletzt darauf zurück, dass Negropontes Kinderrechner mit Linux statt mit einem Microsoft-Produkt laufen soll. Schon auf der Linuxworld-Tagung im April 2006 hatte Negroponte gesagt: "Wenn man sowohl Intel und Microsoft im Nacken hat, dann weiß man, dass man etwas Richtiges tut."

Ab Oktober sollen die OLPC-Laptops ausgeliefert werden. Die PCs des nicht profitorientierten Projektes sollen zunächst 176 US-Dollar kosten, erst später soll der Preis auf die ursprünglich anvisierten 100 US-Dollar fallen.

cis

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