Launch der Microsoft-Konsole Heute New York, und morgen die Welt

Sie ist schwarz - ist sie auch stark? Punkt 0 Uhr startete in New York der Handel mit der Xbox. Erste Eindrücke vom neuen Videospiel-System, mit dem die "Windows"-Macher ein neues Milliardengeschäft angraben wollen.

Von Richard Löwenstein


Xbox: Microsofts erster Versuch als Hardware-Hersteller
GMS

Xbox: Microsofts erster Versuch als Hardware-Hersteller

Am 15. November exakt um Mitternacht bekam Bill Gates von Edward Glucksman aus Keansburg, New Jersey, 300 Dollar in die Hände gedrückt. Plus ein paar Zerquetschte wegen der in den USA extra fälligen Mehrwertsteuer. Das erste Exemplar der Xbox brachte der Microsoft-Mitgründer selbst an den Mann. 1,5 Millionen US-Gamer sollen seinem Beispiel in den kommenden Monaten folgen.

Ausgerechnet in New York City versuchte sich Gates also eigenhändig als Verkaufskanone. Die Einwohner des schwer gebeutelten Big Apple sind für etwas Ablenkung vielleicht dankbar. Direkt vor dem Toys'R'Us-Shop am Times Square wurde der X-Shop ausgerufen. Am von Neonreklame taghell erleuchteten Platz zeichneten Projektoren riesige X-Symbole an die Wände, brannten Laser das Logo der Xbox in den Himmel. Xbox überall.

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Kampf der Konsolen

Es ist soweit: Der Konkurrenzkampf der Konsolen der neuen Generation beginnt. Auf wen setzen Sie, welches Modell wird den Markt erobern?

Damit kommt endlich wieder Leben in die Bude. War doch langweilig zuletzt: Wann immer junge und jung gebliebene Daddler Spaß am Videospiel hatten, lief vermutlich eine PlayStation von Sony. Bei betuchten Gamern und Technofreaks eventuell das aktuelle Nachfolgemodell PlayStation 2.

Seit Sega Anfang des Jahres dem eigenen Dreamcast die Segel strich und Nintendo sein N64-Modell aufs Abstellgleis rangierte, belebt keine Konkurrenz mehr das Geschäft. Aus Mangel an Alternativen kauften Videospieler Konsole und Spiele zwangsläufig von Sony Computer Entertainment. Die Plätze in den Games-Bestseller-Charts musste sich der japanische Konzern höchstens mit GameBoy-Titeln teilen.

Nun also Microsoft. Wuchtig ist sie, die Xbox, mehr als doppelt so groß wie eine PlayStation 2. In ihrem dunklen Anthrazit-Ton erinnert sie ein bisschen an die Videorekorder der ersten Generation. Der vollschlanke Controller liegt Erwachsenen unerschütterlich in der Hand. Kinderfinger aber dürften an ihm schnell ermüden; perfekt für Eltern, die nicht mehr laufend "Jetzt aber Schluss!" anmahnen müssen!

Die Schublade für die DVD-9-Datenträger hält sich im klobigen Gesamtkunstwerk Xbox vergleichsweise elegant versteckt. Erst wenn ein Knöpfchen an der Front gedrückt wird, surrt sie überraschend aus einem Schlitz nach vorne heraus. Vorne sind auch alle Bedienelemente versammelt. Weil das auffällige Logo oben auf der Konsole nur eine Funktion als Blickfang erfüllt, lässt sich die Konsole also prima im Hifi-Regal verstecken.

Plug and Play

Die Xbox ist schnell startklar. Wer die Kabel und Stecker von Strom, Bild und Controller mit den richtigen Buchsen in Kontakt gebracht hat, wird schnell unterhalten. Die Ladepausen sind allgemein angenehm kurz. Und die eingebaute 8 GB-Festplatte ist interessanter als ihre bloße Existenz vermuten lässt. Sie hortet Spielstände, ist aber auch DJ. Die Xbox kopiert Stücke jeder beliebigen Musik-CD auf Festplatte und baut sie in dafür vorbereitete Spiele ein.

Wohin geht's, Bill Gates: Hat der reichste Mann der Welt immer noch die Nase für das ganz große Geschäft?
AP

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Wer bei der rassigen Renn-Simulation "Project Gotham Racing" nicht zu den brachialen Riffs der Gorillaz durch die engen Gassen Tokios schleudern mag, könnte stattdessen softe Enya-Klänge einspielen und gemächlich durch den Central Park cruisen.

Sofern die Xbox an einem Dolby Digital-Receiver Anschluss gefunden hat, klappert dann vorne die Nockenwelle und röhrt hinten der Auspuff. Das geht, weil die Xbox feinsten 5.1 Dolby Digital-Ton ausgibt. Das Sounderlebnis von vorne und hinten setzt allerdings ein 20 Dollar teures Zubehörkabel voraus. Damit ist der audiovisuelle Hochgenuss dann komplett, denn an der Luxus-Strippe finden sich außerdem extra Video-Anschlüsse für hochwertige Fernseher oder Projektoren. Die Xbox liefert ab Werk ein ordentliches, mit dem Kabel aber ein exzellentes Bild. "Progressive Scan" nennen Profis den technischen Kniff, der schon bei hochwertigen DVD-Spielern das Bild-Flimmern vermeidet.



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