LCD gegen Plasma Flach-TVs im Stromverbrauchstest

Der Energie-Hunger von Plasma-TVs ist himmelschreiend? LCDs sind dagegen die reinsten Engel? Bei einem großen Vergleichstest hat die Redaktion des Magazins "video" Erstaunliches herausgefunden.

Von Frank-Oliver Grün


Besucherin auf IFA 2006: Welcher Bildschirm ist am sparsamsten?
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Besucherin auf IFA 2006: Welcher Bildschirm ist am sparsamsten?

Plasma- oder LCD-TV? Diese Entscheidung treffen täglich Tausende von Fernseherkäufern. Sie orientieren sich dabei an Testergebnissen, am Design, am Preis – und zunehmend auch am Stromverbrauch. Schließlich hat "video" oft genug vorgerechnet, wie groß die Unterschiede zwischen sparsamen und leistungshungrigen Geräten sind – zuletzt im Energiereport in Heft 7/05.

Als besonders stromfressend gelten Plasma-TVs. Sie treiben die Zeiger der Messgeräte im "video"-Labor regelmäßig auf über 250 Watt – mit derselben Menge Energie kann ein Halogen-Deckenfluter das Wohnzimmer hell erleuchten. Einige Experten rechnen sogar mit noch höheren Wattzahlen. So nennen die Deutsche Energie-Agentur (Dena) und die Verbraucherzentralen Werte von bis zu 530 Watt.

Einsame Spitzen

"Solche Verbrauchsspitzen sind jedoch selten", beruhigt Mike Bolatzky, Leiter Marketing Support bei Panasonic, die potenziellen Kunden. Denn wie in Röhren-Fernsehern hängt auch beim Plasma-Display der Stromverbrauch vom dargestellten Bild ab. Helle Flächen brauchen mehr Energie, dunkle weniger. In LCDs brennt dagegen konstant eine Hintergrundbeleuchtung, die von den Flüssigkristallen nach Bedarf abgeschirmt wird. Der Verbrauch bleibt konstant, egal ob es auf dem Display gleißend hell oder stockfinster ist.

Was heißt das nun für Plasma-Käufer? Dass sie mit düsterem Horror à la "Underworld" Strom sparen können? Oder mit langen "Alien"-Nächten gar einen Teil der Anschaffungskosten wieder hereinholen? "video" wollte es genau wissen und schickte Vertreter jeder Bildschirm-Technologie in die hauseigene TEST-Factory.

Licht und Schatten

Zwei DVDs dienten den Testern als Referenz: das Eiszeit-Spektakel "Ice Age", das mit schneeweißen Gletschern den Bildschirm zu maximaler Helligkeit zwingt, und der Brutalo-Krimi "Sin City" mit seinen in jeder Hinsicht finsteren Bildern.

Je ein Röhren-, ein LCD- sowie ein Plasma-TV zeigten nacheinander die beiden Filme, und "video" maß dabei den Energieverbrauch: Ein computergesteuertes Messinstrument dokumentierte die Stromaufnahme im Sekundentakt und zeichnete einen exakten Verlauf des Verbrauchs.

Im Falle des LCDs fiel die Kurve erwartungsgemäß flach aus, die Werte pendelten zwischen 161 und 170 Watt. Im Schnitt schluckte der Thomson 37 LB 330 B5 mit "Sin City" 163 Watt. Lief der deutlich hellere "Ice Age" im Player, stieg die durchschnittliche Leistungsaufnahme nur minimal auf 166 Watt. Beide Werte liegen nahe an den 162 Watt, die das Labor bereits für den Test in "video" 8/06 ermittelt hatte.

Völlig anders sehen die Diagramme der Samsung-Röhre und des Panasonic-Plasmas aus. Bei ihnen schwankt der Stromverbrauch extrem. So erreicht der Panasonic TV-37 PV 60 in "Sin City" ein Maximum von 284 Watt, kommt zwischendrin aber auch mit 66 Watt aus – je nachdem, wie viel Spitzlicht Robert Rodriguez verwendet, um die scherenschnitthaften Figuren seiner Comicverfilmung vom schwarzen Hintergrund abzusetzen.

Ausgleich der Extreme

Über die gesamte Spielzeit der DVD pendeln sich Verbrauchsspitzen und -täler aber auf einen Mittelwert ein. Im Schnitt verbrauchte der Testplasma mit "Sin City" rund 125 Watt. Sid, Diego und ihre animierten Freunde aus "Ice Age" waren etwas hungriger: Durchschnittlich 165,6 Watt dokumentierte der Stromschreiber nach 75 Minuten Animationsfilm.

Beide Werte liegen unter den 239 Watt, die "video" im normalen Test ermittelt hätte. "Das liegt an der Art der Messung", erklärt TESTfactory-Leiter Klaus Ludwig. "Wir stellen das Gerät gemäß "video"-Standard ein und ermitteln den Verbrauch bei der Darstellung einer sechsstufigen Grautreppe. Dies entspricht dem so genannten Average Picture Level – also einer durchschnittlichen Helligkeit – von 50 Prozent." Das tun praktisch alle seriösen Institute.

"Allerdings ist diese Messung für Plasmas eine Herausforderung", weiß Ludwig. Weil das Display unter Laborbedingungen konstante Helligkeit bringen muss, liegt der Verbrauch oft höher als im Mischbetrieb mit TV- und DVD-Signalen.

Praxisnahes Programm

Auch LCD-TVs könnten schon bald unter diesen erschwerten Bedingungen leiden: Je mehr die Hersteller mit variabler Hintergrundbeleuchtung experimentieren, desto schwerer lässt sich ihr Verbrauch messtechnisch erfassen. Schließlich verbessert eine "Adaptive Backlight Control", wie sie Toshiba oder Panasonic in LCD-Fernsehern einsetzen, nicht nur die Schwarzwiedergabe; sie reduziert in dunklen Szenen auch das Hintergrundlicht und damit den Stromverbrauch.

Praxisnah, das war den "video"-Testern klar, lässt sich der Energiehunger moderner TVs nur mit bewegten Bildern messen. Doch mit welchem Programm-Material? Und lohnt sich der Aufwand überhaupt für die 3,5 Stunden, die der deutsche Durchschnitts-Zuschauer täglich vor dem Fernseher sitzt? Die meiste Zeit verbrät das Gerät ja Energie im Standby.

72 Stunden Dauertest

Um Daten über den tatsächlichen Stromverbrauch zu bekommen, schickte "video" die drei Testmodelle noch einmal ins Labor – und mit ihnen acht weitere Fernseher mit Bildschirmdiagonalen zwischen 81 und 127 Zentimetern.

Alle TV-Geräte bekamen dasselbe Fernsehsignal zugespielt und liefen drei Tage lang rund um die Uhr. Nach 72 Stunden stand fest: Weder die Bauart des Displays noch die Bildschirmgröße gibt einen eindeutigen Anhaltspunkt für den Energieverbrauch eines Fernsehers.



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