Mac-Hype Apple verliert den Kultstatus

Von und

2. Teil: 999-Euro-iPhone-Käufer murren


999 Euro für ein Handy, das ist ein stolzer Preis. Doch genau so viel verlangte T-Mobile für die vertragsfreien iPhones, die sie aufgrund einer Einstweiligen Verfügung zwischen dem 21. November und 4. Dezember verkaufen musste. Man sollte meinen, dass man für so viel Geld auch ein funktionierendes Produkt bekäme. Teilweise war das auch so. Zumindest bei SPIEGEL-ONLINE-Leser Richard Schreck aus Hösbach. Bei ihm funktionierte alles problemlos. Nach seiner Ansicht sind "dieses Ding und der Service der Telekom erstklassig bis wunderbar".

Diesen Eindruck können etliche andere Leser freilich nicht bestätigen. Sie berichten, von Apples und T-Mobiles Support-Mitarbeitern schlecht beraten und von einer Hotline zur nächsten geschickt worden zu sein. Besonders schlimm war es kurz nach Beginn des FreiPhone-Verkaufs. So wurde etwa der TV-Regisseur Marco Serafini beim Versuch, sein gerade gekauftes iPhone freischalten zu lassen, stundenlang in die Warteschleifen geschickt. Geholfen hat es nichts, das Gerät funktioniert bis heute nicht.

Tobias Gärtner, der sein 999-Euro-iPhone mit einem O2-Vertrag nutzen will, wurde von Apples Support gleich ganz abgewimmelt: "Das ist nicht unser Problem - reden Sie mit T-Mobile oder O2", wurde ihm gesagt. Schließlich vertreibe Apple das iPhone in Deutschland ja gar nicht. Diese Ansicht vertritt auch Apple-Pressesprecher Georg Albrecht, der ebenfalls auf T-Mobile verweist.

Und tatsächlich sieht T-Mobile-Sprecher von Schmettow sein Unternehmen in der Pflicht: "Die Betreuung im Gewährleistungsfall erfolgt selbstverständlich im Telekom Shop. Dort wurde das Gerät ja auch gekauft." Allerdings schränkt der Pressesprecher ein, könne T-Mobile keine Hilfe leisten, wenn es beispielsweise Probleme mit den Einstellungen anderer Netzbetreiber gibt. Auch müsse unterschieden werden, ob die Probleme auf das Netz oder auf das Endgerät zurückzuführen sind. Probleme mit fremden SIM-Karten etwa seien ein Firmware-Problem. "Hier kann nur der Endgerätehersteller helfen", sagt von Schmettow - und meint damit Apple.

Die SIM-Frage

Dass es tatsächlich mit etlichen SIM-Karten zu Problemen im Zusammenspiel mit dem iPhone kommen kann, zeigen nicht nur verschiedene Diskussionsforen, in denen Anwender von gescheiterten Versuchen berichten, freigeschaltete iPhones im Ausland zu nutzen. Wie SPIEGEL-ONLINE-Leser Horst Beck beklagen viele Anwender, dass bei ihren 999-Euro-iPhones die Netzwerkeinstellungen nicht zugänglich seien. So sei es unmöglich, das Handy auf das Netz eines anderen Anbieters einzuschwören. Häufige Konsequenz: Webbrowser und E-Mail-Funktion liegen brach. Andere Leser berichten, ihr FreiPhone könne keine SMS-Nachrichten versenden oder empfangen. Manchmal werde anstelle des Providernamens beispielsweise ein "@"-Zeichen in der linken oberen Displayecke angezeigt.

Bei T-Mobile kann man diese Probleme nicht nachvollziehen. Auf per Sim-Lock gesperrten und korrekt freigeschalteten iPhones seien derartige Effekte nicht reproduzierbar, sagt T-Mobile-Sprecher von Schmettow SPIEGEL ONLINE. Er vermutet, dass in solchen Fällen "womöglich die Entsperrung nicht korrekt durchgeführt wurde beziehungsweise die SIM-Karte nicht unterstüzt wird".

Das Problem ist nicht neu. Denn jene SIM-Karten, die den Handytelefonierer dem Mobilnetz gegenüber ausweisen, haben seit ihrer Einführung etliche Entwicklungsstufen durchgemacht. Probleme beim Einsatz älterer SIMs sind nicht selten, oft jedoch herstellerspezifisch. Diese Einsicht scheint sich jedoch noch nicht herumgesprochen zu haben. So antwortete ein Mitarbeiter der O2-Hotline auf die Frage von Tobias Gärtner, ob die Probleme mit dem iPhone mit der SIM-Karte zusammenhängen können, selbstsicher: "Nein, die funktioniert ja auch in jedem anderen Handy."

Eine schöne Antwort, aber leider eine falsche. Ein kurzer SPIEGEL-ONLINE-Test zeigte, dass eine rund 15 Jahre alte SIM sowohl in einem Palm Treo als auch in einem iPhone für Probleme sorgte, zum Beispiel Funktionen wie den SMS-Versand sperrte. Dieselbe Karte eingesetzt in Handys von Nokia und Sony Ericsson funktionierte jedoch problemlos. Unser Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Mobilfunkanbieter eine neue SIM-Karte zuschicken. Meist verlangen die Anbieter dafür allerdings eine Gebühr in Höhe von 10 bis 20 Euro.

Umtausch unmöglich?

Wer schließlich, genervt von Problemen mit Freischaltung und Netzbetrieb eines vertragsfreien iPhones beschließt, das Gerät zurückzugeben, muss offenbar damit rechnen, barsch abgewiesen zu werden. So wie Jürg Oleas aus der Schweiz. Ihm wurde beim Kauf zugesichert, das freigeschaltete Gerät würde auch im Netz der Swisscom funktionieren. Als es das nicht tat, was möglicherweise an einer alten SIM-Karte lag, versuchte er, das Gerät zurückzugeben. Doch diesen Dienst verweigerte man ihm mit der Begründung, es sei den Mitarbeitern "absolut verboten worden, solche entsperrten Geräte zurückzunehmen".



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.