Markteinführung verschoben Wird nix mit PSX

Sonys PSX soll Spielekonsole, DVD-Recorder und -Brenner als Entertainmentzentrale im Wohnzimmer zusammenführen: Das klingt nach einem Produkt, auf das der Konsument wartet. Doch dann floppte die PSX in Japan. Bevor sie nun in den USA und Europa an den Start geht, will Sony noch nachbessern.


Flop-Vermeidung: Nach dem enttäuschenden Verkaufsstart der PSX in Japan ist die Veröffentlichung in Europa und USA verschoben
AP

Flop-Vermeidung: Nach dem enttäuschenden Verkaufsstart der PSX in Japan ist die Veröffentlichung in Europa und USA verschoben

Dass irgendwann alles elektronische Entertainment über nur noch einen Apparat gesteuert wird, gilt Experten seit langem als ausgemachte Sache. Den Ort für diese Entertainment-Zentrale vermutet die Industrie im Wohnzimmer. Fleißig stricken darum sowohl PC- als auch Unterhaltungs- und Elektronikbranche an ihren Ver- und Visionen eines "Home Entertainment Centers".

Auch die Entwickler von Spielekonsolen sehen sich prädestiniert, ihre Kästen multimedial aufzubohren. Sowohl PS2 als auch Xbox sind ja längst auch DVD-Player.

Sony kündigte bereits im letzten Jahr eine um zahlreiche Funktionen aufgewertete PS2-Version an, die dem Traum vom Musik-Film-Spiel-Entertainmentcenter näher kommen sollte. Die PSX sollte nicht nur Spielekonsole und DVD-Recorder sein, sondern zugleich auch Festplattenrecorder, und alle Funktionen sollten über eine bequeme Benutzerführung über den Fernseher anzusprechen sein. Die PSX schien das richtige Produkt für diese Phase des Jahrzehnts.

Doch dann floppte die Edel-Konsole bei ihrer Markteinführung im Spiele versessenen und innovationsfreudigen Japan.

Der Verkauf schleppte sich zäh dahin, und dafür gab es Gründe: Schnell hatte sich herumgesprochen, dass weder die Performance der Konsole, noch die Benutzerführung den Erwartungen gerecht wurden. Zudem hatte Sony eigene Ankündigungen nicht eingehalten: Die PSX wurde weder mit dem DVD-RW-Format fertig, noch war sie MP3-fähig - Features, die heute jeder Billig-DVD-Player vom Wühltisch mitbringt.

Zumindest letzteres ist kaum überraschend, denn in Sachen digital komprimierter Musik setzt Sony konsequent auf die proprietäre Eigenentwicklung ATRAC3, die nur auf Sony-Geräten läuft.

Edel-Konsole: Die PSX gibt es in appeligen Weiß - und seit kurzem als limitierte Auflage in Silber
REUTERS

Edel-Konsole: Die PSX gibt es in appeligen Weiß - und seit kurzem als limitierte Auflage in Silber

Sony besserte nach und stellte Mitte Juni neue Modelle vor, die sich technisch wenig von den ersten unterschieden, aber mit einer neuen Software ausgeliefert wurden, die alles vereinfachen und die DVD-Funktionen zuverlässiger und schneller machen sollten. Die einzige wirklich neue Funktion der überholten Konsolen liegt in der Möglichkeit, nun MP3-Dateien unkonvertiert direkt auf die Festplatte der PSX ziehen zu können: ein kleiner Sieg der Nachfrage.

Zugleich jedoch verschwand die PSX aus den Showroom-Regalen auf der Spielemesse E3: Seltsam für ein Spitzenprodukt, das angeblich sowohl in den USA als auch in Europa noch im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen sollte.

Dieses Thema ist nun vom Tisch: Bevor Sony die beiden großen Märkte angeht, will der Konzern die Konsole für das dortige Publikum fit machen. Die Markteinführung in den USA verschiebt sich dadurch auf "irgendwann im nächsten Jahr", während der Konzern hofft, die PSX zumindest in Europa noch "bis zum Ende des Geschäftsjahres" auf den Markt zu bringen. Das aber endet am 31. März 2005. Offiziell jedoch heißt es bei Sony, über einen Termin sei noch gar nicht entschieden.

Schuld an der Verschiebung der Termine hat nach offizieller Leseart des Elektronikriesen nicht etwa die Kritik an den Defiziten der PSX, sondern "die schwache Nachfrage".



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