MDA Pro Eierlegende Wollmilchsau

Mit dem MDA Pro hat T-Mobile einen Fast-Alles-Könner im Programm: Das Handy funkt in drei Netzen und ist Organizer, Laptop und Blackberry-Ersatz in einem. Für brillante Videos und zum flotten Surfen fehlt jedoch die Rechenpower.

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Man kann nicht alles können, aber man kann es zumindest versuchen, wie der MDA Pro. T-Mobiles neues Manager-Spielzeug versteht die Funkstandards UMTS, WLAN und Bluetooth gleichermaßen. Er erkennt Handschriften und hat abgespeckte Versionen von Excel, Word und Powerpoint an Bord - hinzu kommt das Mailprogramm Outlook, eine 1,3-Megapixel-Kamera, ein Videotelefon und der Media-Player für MP3s und Videos.

Laptop-Alternative: MDA Pro mit Windows Mobile

Laptop-Alternative: MDA Pro mit Windows Mobile

Ach ja, und telefonieren kann der MDA auch noch. Die Frage ist nur: Will man sich den silbernen Mini-Laptop wirklich ans Ohr halten? Das sieht nicht nur albern aus, sondern ist auch beschwerlich. 286 Gramm bringt der Silberling nämlich auf die Waage - soviel wogen Handys zuletzt Mitte der neunziger Jahre.

Von außen gesehen, mutet das Gerät an wie ein typisches No-Name-Produkt aus Fernost, auf das eilig ein T-Mobile-Logo gepappt wurde. Produziert wird der klobige Tausendsassa tatsächlich in Asien - exklusiv für T-Mobile. Was wie Aluminiumgehäuse aussieht, ist in Wirklichkeit Plastik.

Nach dem Aufklappen des Mini-Laptops entschädigt allerdings ein superscharfes Display für das mittelmäßige Design. 640 mal 480 Pixel stellt der Bildschirm dar - das entspricht der VGA-Auflösung.

Die Anzeige ist so scharf, dass man sogar bei größeren Excel-Tabellen noch den Überblick behält - Zahlenmenschen werden begeistert sein.

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MDA Pro: Büro für unterwegs

Die kleine Tastatur ist sehr gut zu bedienen, reicht aber nur für das Zweifingersuchsystem. Für Tippmuffel hat das Betriebssystem eine Handschrifterkennung an Bord.

Der MDA Pro lässt sich entweder als Mini-Laptop, oder, nachdem man das Display um 180 Grad gedreht und zurückgeklappt hat, wie ein PDA benutzen. Ein Stift steckt im Gerät.

Nicht nur Word, Excel und Powerpoint, die gesamte Oberfläche wird Windows-Nutzern vertraut vorkommen. Kein Wunder, denn im Gerät arbeitet Windows Mobile 5.0 - der Nachfolger von Windows Mobile 2003. Ob obligatorischer Startbutton, Datei-Explorer oder (System-)Einstellungen - alles ist wie am PC.

Das größte Ärgernis der vorherigen MDAs wurde endlich ausgeräumt: Wenn der Akku leer ist, dann gehen die persönlichen Daten nicht mehr verloren.

Anwendung vergeblich geschlossen

Das seltsame Programm-Management hat Microsoft allerdings beibehalten. Wenn man ein geöffnetes Programm mit dem X-Button schließt, dann beendet man es nur scheinbar, es läuft im Hintergrund weiter. Spätestens wenn das System sich über mangelnden Arbeitspeicher beschwert, muss der MDA-Besitzer per Hand ins Einstellungsmenü, den Unterpunkt Speicher aufrufen, dort den Reiter Programme anklicken und sämtlichen dort vor sich hin dümpelnden Anwendungen den Garaus machen. Willkommen bei Windows Mobile!

Microsoft hat beim neuen Handy-Betriebssystem offenbar andere Prioritäten gesetzt: Der MDA Pro wird auch als Blackberry-Killer gehandelt. Wie bei Blackberry-Taschencomputern landen neue E-Mails wie von Geisterhand auf dem MDA Pro - sie werden vom Mailserver automatisch dorthin "gepusht". Anders als beim Blackberry-Dienst fallen dabei jedoch keine monatlichen Gebühren an - das dürfte Controller von Beratungsfirmen und Anwaltskanzleien interessieren.

Damit der MDA als Blackberry-Ersatz dienen kann, muss in der Firma allerdings der Mail-Server Exchange 2003 laufen - zum Nulltarif ist auch Microsofts Mail-Pushdienst nicht zu haben.

Natürlich taugt der schwergewichtige Organizer auch zum Surfen, auch wenn der integrierte Internet-Explorer nicht jede Webseite darstellen kann. Probleme macht beispielsweise Flash. Weil die meisten Webseiten für die Auflösung von 1024 mal 768 Punkten optimiert sind, kommt man am MDA Pro kaum ums Scrollen nach rechts und links herum. Um die Navigation zu erleichtern, stellt der Browser auf Wunsch auch alle Spalten einer Webseite untereinander dar. Das macht die Seite schmaler, dafür aber deutlich länger.

Richtig Spaß kommt dabei trotzdem nicht auf. Selbst bei einer flotten WLAN-Verbindung hat man immer das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu surfen. Es dauert einfach zu lange, bis eine Seite aufgebaut ist.

Ruckelnde Videos

Obwohl der MDA Pro vor allem als Business-Organizer konzipiert ist, sind die üblichen Multimedia-Anwendungen eingebaut: Digicam mit 1,3 Megapixeln, Videotelefon (erfordert UMTS) und natürlich ein MP3-Player.

Beim Abspielen von Videos kommt der interne Bulverde-Prozessor von Intel mit 520 Megahertz Taktrate an seine Grenzen. Videos im WMV-Format der Auflösung 640 mal 480 werden, sofern man sie direkt auf die SD-Speicherkarte kopiert hat, nur ruckelnd abgespielt, Bild und Ton sind nicht synchron. Die Datenrate von einem Megabit pro Sekunde ist offensichtlich zu hoch.

Damit so etwas erst gar nicht passieren kann, rechnet der Media-Player am PC solche Videos vor dem Synchronisieren mit dem MDA gnadenlos auf eine geringere Auflösung herunter. Sehr schade angesichts des scharfen Displays. Obendrein wird das verkleinerte Video bei der Wiedergabe nicht einmal auf die volle Display-Größe aufgeblasen, sondern mit breiten schwarzen Rändern links, rechts, oben und unten angezeigt.

Wie viel Spaß Filme auf einem Mobilgerät machen können, sollten sich die Microsoft-Programmierer vielleicht einmal an Sonys Taschenkonsole PSP anschauen. Deren Display arbeitet allerdings auch mit nur 480 mal 272 Pixeln, was deutlich weniger Rechenpower erfordert.

Fazit

Ein Taschen-PC mit VGA-Display, WLAN, UMTS, Word Excel und E-Mail-Pushdienst hat auf jeden Fall einen gewissen Sex-Appeal, vor allem unter Technikverliebten Managern. Vollständig ersetzen kann der MDA einen Laptop jedoch nicht - Schuld sind die Einschränkungen im Betriebsystem und die begrenzte Rechengeschwindigkeit.

Der MDA Pro zeigt aber, wohin die Reise geht. Die Rechenpower eines PCs wird schon bald in einem Handy stecken. Bis dahin muss man noch zwei Dinge in den Griff bekommen: Ausreichend starke Akkus und ein Display, an dem Surfen Spaß macht.



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