Meine Wünsche Mein kleiner Monolith

Jens Lubbadeh, Wissenschaftsredakteur bei SPIEGEL ONLINE, ist infiziert: Apples iPhone hat es ihm angetan, was nicht nur daran liegt, dass Lubbadeh Hesse ist. Ihm gefällt auch, dass dort so viel Intelligenz drin ist, dass man selbst weniger dafür braucht.


Es ist so flach. Es ist so schön. Es kann sich drehen. Für mich ist das iPhone wie die Mini-Ausgabe des Monolithen aus "2001" - also eigentlich der Inbegriff von Perfektion. In dem Film brachten die Monolithen den Urmenschen die Intelligenz - durch bloße Berührung. So lernten sie beispielsweise, dass man Knochen auch als Keulen benutzen und damit Wildschweine erlegen kann.

Ich bin sicher, würde Stanley Kubrick noch leben, wäre er von Steve Jobs höchstpersönlich damit beauftragt worden, einen iPhone-Werbeclip zu drehen, der seine legendäre Szene aus "2001" nachempfindet: Ein brüllender Homo erectus, der einen Knochen in die Luft wirft und dieser sich rotierend nicht in eine Raumstation - sondern in ein iPhone verwandelt.

Klar, mit dem iPhone lassen sich bestimmt ganz vortrefflich Wildschweine jagen (es ist schon ganz schön schwer). Ich würde meines aber dann doch vorwiegend zum Telefonieren benutzen. Oder einfach nur zum Handschmeicheln. Und vielleicht bringt es den Menschen ja tatsächlich ein bisschen Intelligenz. Für so manchen Handynutzer wäre das ein echter Gewinn.

Eins ist klar - zu seiner Bedienung muss man jedenfalls weniger im Kopf haben als für viele andere Handys. Das nun wiederum hätte den netten Nebeneffekt, dass seine flinke Bedienung bei oberflächlicher Beobachtung durch Außenstehende bei denen einen erhöhten IQ des iPhone-Nutzers vortrefflich vortäuschen würde. Das allerdings nur unter der Prämisse, dass der Nutzer damit gerade keine Wildscheine jagt.

Es mag vielleicht daran liegen, dass ich in Hessen groß geworden bin - der Heimat des Äppelwoi - und daher schon immer eine gewisse Affinität zu Äpfeln (oder besser gesagt Äppeln, was ja schon fast wie Apple klingt) verspürte. Jedenfalls bin ich nach langen harten Jahren trister PC-Dosen-Kost vor einem Jahr auf das Macbook "geswitcht" - so nennt man das ja, wenn Menschen von Windows- zu Apple-Nutzern metamorphosieren wie kleine graue Raupen, aus denen doch noch wunderschöne bunte Schmetterlinge werden.

Von nun an also heißt es Äppelwoi und Apple.

Die Frage für mich ist jetzt nur: Soll ich noch warten oder meinen Alltag noch weiter veräppeln? Soll es wirklich schon dieses Weihnachten sein, dass dieser kleine Monolith mir gehören soll?

Sicher - die zweite, die dritte iPhone-Variante wird bestimmt noch viel mehr Speicher, noch tollere Software haben, viel mehr können. Aber dieses Warten, dieses Warten. Wie lange noch?

Bis Ostern?

Auf ein Ei-Phone?



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