Meine Wünsche Warum ich (noch) kein Fahrrad-GPS haben will

Als versierter Drahtesel-Bändiger weiß Ulrich Booms, dass man nicht unbedingt vorpreschen muss, um Spaß zu haben. Das gilt auch für GPS-Navigatoren für das Fahrrad - eigentlich sein Herzenswunsch, aber noch nicht reif, um unterm Tannenbaum zu landen.


Sich global zu positionieren, ist ja schon grundsätzlich ein Anreiz, speziell aber auch bei meinem Hobby. Ich fahre gerne Rad, lang, weit, möglichst durchs Gelände, also Wanderwege und Trails wie das auf Neudeutsch heißt.

Dauernd stehenbleiben zu müssen, um auf der Karte Pfade und Höhenlinien zu lesen und im Gelände markante Punkte auszumachen, ist extrem lästig. Insbesonders, wenn es gerade herrlich bergab geht, man viel zu schnell durchs Laub surft und eigentlich keinen Seitenblick mehr nach kleinen Schildern an Baumstämmen riskieren kann. Und dann muss man halt zurück, bergauf, da hat man dann ja Zeit, den verpassten Pfad zu suchen. Erschwert hat sich die Situation, seit ich für die Karte eine Lesebrille brauche, die dann im erhitzten Gesicht gerne erstmal beschlägt.

Also stürzte ich mich begeistert auf die kleinen Navigationsgeräte, deren große Brüder inzwischen in fast jedem Auto herumkommandieren. Ich machte mich schlau über Waypoints, Routen, Tracks und Backtracks. Ich las über Empfangsprobleme, Antennenstärken, Vektorkarten, Akkuleistungen und Speicherkapazitäten. Ich beschäftigte mich mit den üblichen Kinderkrankheiten neuer Anwendungen, dem letztlich immer scheiternden Versuch einzelner Firmen, durch eigene Standards Marktvorteile zu ergattern, was dann unnötig die Matrix verkompliziert, die da heißt:

  1. Was gibt es?
  2. Was möchte ich?
  3. Was brauche ich?
  4. Was kostet es?

Auf jeden Fall braucht man Strecken, die man fahren kann. Und da fängt das Dilemma schon richtig an. Schnell stellt man fest: Es gibt kaum brauchbare Daten.

Datenmangel

Klar, die bekannten Routen quer und längs über die Alpen oder die Highlights im Harz oder auf Kreta findet man meist kostenlos im Internet. Was in der Regel experimentelle Verifikation der Daten vor Ort bedeutet. Was aber, wenn ich vom Harz zur Lüneburger Heide will, (nein, nicht auf den Radwegen neben den großen Fernstrassen), wenn ich auf dem Ochsenweg durch Schleswig-Holstein fahre, dessen grafisch originelle Wegweiser beliebtes Touristensouvenir sind oder durch die schlecht erschlossenen, wilden Nordvogesen? Data not found!

Mir scheint bei den Pro- und Contra-Erörterungen von GPS in der Mountainbiker-Fachpresse das Contra überzeugender: Wer bei dem momentanen Stand der Technik GPS-Touren ausarbeitet, sitzt eigentlich lieber vor dem Computer als im Sattel.

Denn: Es müssen Karten, möglichst Rasterkarten, auf den PC geladen werden. Die muss man erstmal kaufen und die sind nicht billig. Dann braucht man eine Software, um Routen und Waypoints aus der Karte in ein Verzeichnis auszulesen. Die wird bei einigen Karten mitgeliefert, aber empfohlen wird doch die Investition in eine professionelle Software. Und wenn man genug Geld investiert hat, kann man immerhin die Daten per Filetransfer ins mobile Gerät übertragen, auf dem dann hoffentlich die erforderliche Vektorkarte genug Speicherplatz gefunden hat. Dann könnte es losgehen.

Worauf man achten sollte

Bei der zu verwendenden Software, dem Kartenmaterial und dem Endgerät, ist natürlich auf Kompatibilität zu achten (vgl. Matrix). Und da es nicht von jedem Kartenhersteller alle Gebiete gibt, kann man schon mal in einer Sackgasse landen. Und natürlich kann man in jedes Kästchen der Matrix auch ordentliche Geldbeträge schreiben. 349,00 Euro fürs Gerät, um mal einen mittleren Preis zu nennen, Software und Kartenmaterial kommen zusätzlich auf über 200 Euro, gegebenenfalls noch eine Speichererweiterung und am Ende die Fahrrad- und Autohalterungen. Hohe Anforderungen an das Budget des Weihnachtsmanns. Ach, und Sie haben zu Hause nur einen älteren Computer? Tja, dann sieht es schlecht aus.

Aber das ist noch nicht genug gemeckert: Die Entfernung Auge-Lenker entspricht in etwa der Armlänge und die reicht eben bei mir zum Lesen nicht mehr. Also doch wieder Brille aufsetzen?

Wenn ich also bei der nächsten Gerätegeneration nur noch mit einem Pointer auf dem Display die Strecke vorgeben kann, das 1:25.000 Kartenmaterial inklusive geliefert wird und unterwegs eine freundliche Stimme aus meinem in den Helm integrierten Headset Richtungsanweisung murmelt, dann, ja dann könnte ich es endlich auf meinen Wunschzettel setzen.

Zuviel verlangt? Kein Autofahrer gibt sich heute mit weniger zufrieden. Wenn Sie das alles nicht schreckt, wünschen Sie sich trotzdem auf jeden Fall einen Gutschein, der konkrete Einkauf könnte für die/den Weihnachtsfrau/mann sonst zu einem schweren Geschenketrauma führen.

Ich wünsche mir auch einen Gutschein - allerdings nicht für diese, sondern für die nächste Gerät-Generation.



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