MHP Digitales Mitmachfernsehen

"Multimedia Home Platform" - noch so ein schicker Begriff, mit dem kaum jemand etwas anfangen kann. Dabei ist sie schon da und eröffnet durchaus sinnvolle Zusatznutzungen des Fernsehens. Ab 2010 soll "MHP" bundesweit Standard sein.

Von Michael Voregger


Auch das ist eine "Multimedia Home Plattform": Das Multimedia-Bett im Heinz Nixdorf MuseumsForum. Mittels eines Projektors in der Mitte des Kopfteiles werden Filme auf eine im Fußteil versenkbare Leinwand projiziert
DPA

Auch das ist eine "Multimedia Home Plattform": Das Multimedia-Bett im Heinz Nixdorf MuseumsForum. Mittels eines Projektors in der Mitte des Kopfteiles werden Filme auf eine im Fußteil versenkbare Leinwand projiziert

"Die Sendung wird mit MHP-Applikationen ausgestrahlt", heißt es zumindest seit einiger Zeit bei einigen Magazinen und Verbrauchersendungen. MHP steht für "Multimedia Home Platform" und soll die interaktive Zukunft des Fernsehens garantieren.

Bereits 1999 hatte sich der Lenkungsausschuss für die Technik des digitalen Fernsehens auf den Standard MHP geeinigt, der heute von 37 Ländern unterstützt wird. Im September 2001 legten sich ARD, ZDF, RTL und die Kirch-Gruppe in der "Mainzer Erklärung" auf MHP fest. Seitdem bemühen sich alle Beteiligten mit unterschiedlichem Engagement um eine konkrete Umsetzung des Standards.

"Mit der Einigung auf die Multimedia Home Plattform ist für das digitale Fernsehen in Deutschland der entscheidende Durchbruch gelungen," hoffte der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen noch im September 2001. "Die ARD hat diesen Standard immer gefordert. Nachdem diese Weichenstellung gelungen ist, hat MHP jetzt beste Chancen, sich auch als europäischer Standard durchzusetzen. Dies ist eine gute Voraussetzung für das künftige Fernsehen ohne Grenzen".

Doch interaktives Fernsehen führt heute immer noch ein Schattendasein. Die Zuschauer bekommen nur sehr wenige Anwendungen zu sehen, die wirklich als interaktiv zu bezeichnen sind. MHP spielt im Geschäft mit der Unterhaltungselektronik bisher nur eine kleine Nebenrolle.

Es gibt schon Anwendungen

Im November letzten Jahres präsentierte die ARD während des Freundschaftspiels zwischen Deutschland und Frankreich erstmals digitale Zusatzinformationen. Per Knopfdruck gab es Aufstellungen, Statistiken und ein interaktives Gewinnspiel. Inzwischen haben die Sender weiter aufgerüstet. So können die Zuschauer bei Jörg Pilawas "Das Quiz" mitraten und sich bei "Verstehen sie Spaß" ins Geschehen einschalten. Für den Empfang ist neben einer digitalen Quelle eine MHP-Box notwendig, die es inzwischen für unter 350 Euro gibt.

MHP-Präsentation auf den Münchner Medientagen 2003: In der Arbeitsgruppe Markteinführung MHP tummeln sich Industrie- und Sendervertreter

MHP-Präsentation auf den Münchner Medientagen 2003: In der Arbeitsgruppe Markteinführung MHP tummeln sich Industrie- und Sendervertreter

Wer sich für politische Hintergründe interessiert, der ist bei dem ARD-Magazin Fakt gut aufgehoben, dass über MHP Hintergründe zur aktuellen Sendung präsentiert. Das ZDF will die politische Talkrunde Berlin Mitte mit zusätzlichen digitalen Informationen aufrüsten. Der Zuschauer kann Kurzbiografien der Teilnehmer anschauen oder über ein Glossar tiefer in die Thematik einsteigen. Mit einer Befragung sollen die Zuschauer auch angeben können, ob die Sendung ihren Erwartungen entsprochen hat.

Neben solchen sinnvollen Angeboten geht es natürlich auch um gute Geschäfte, denn mit der Interaktivität lässt sich Geld verdienen. Man kann sich interaktives Fernsehen auch schon heute etwas kosten lassen, denn die privaten Fernsehanstalten bieten ebenfalls Mitmachfernsehen. Der Pay-TV-Kindersender Fox Kids versorgt in Europa seine 34 Millionen Abonnenten mit einem Online-Lernprojekt.

MHP-Schnittstelle der ARD: Mehr Auswahl, mehr Hintergründe, mehr Zusatznutzen

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"Den konkreten Anwendungen sind kaum Grenzen gesetzt: Shopping, Homebanking oder Entertainment wie etwa interaktive TV-Shows oder Werbung - alles ist möglich," erklärte Hardy Heine vom Deutschen Multimedia Verband der Fachzeitschrift Digital Fernsehen. "Die Frage nach einer einzigen Killerapplikation geht am Kern vorbei und lenkt leider immer wieder von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ab".

Premiere: Haupthindernis für MHP?

Als entscheidende Hürde für den Massenerfolg von MHP haben viele Experten das Bezahlfernsehen ausgemacht, denn Premiere dominiert mit seinen digitalen Settop-Boxen das Digitalfernsehen in Deutschland und die zertifizierten Geräte sind nicht mit MHP kompatibel. Zwar könnte ein Update der Box auf die digitalen Beine helfen, aber bei Premiere stand im letzten Jahr der Wechsel des Verschlüsselungssystems und die Verbesserung des Tagesgeschäfts im Vordergrund.

Ein Update würde ungefähr 2,5 Millionen Euro kosten, der Sender müsste also für jeden Abonnenten etwa einen Euro aufwenden. Die Eröffnung eines neuen Marktes, ohne eigene Produkte steht nicht auf der Tagesordnung. "Wir werden nicht die Autobahn bauen, damit andere mit ihren Autos dann darauf fahren", sagt Michael Jachan von Premiere.

Es tut sich zwar was beim digitalen Mitmachfernsehen, aber der Durchbruch lässt auf sich warten. Viel Zeit ist allerdings nicht mehr, denn nach dem Willen der Politik, soll es ab 2010 nur noch digitales Fernsehen geben.



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