Microsoft Hacker knackten geheime Quellcodes

Sie drangen vor bis ins Allerheiligste. Hackern ist es nach Auskunft von Microsoft-Chef Steve Ballmer gelungen, beim US-Softwareriesen die streng geheimen Quellcodes einzusehen. Ein Fall fürs FBI.


Steve Ballmer: Hacker im Allerheiligsten
AFP

Steve Ballmer: Hacker im Allerheiligsten

Seattle - "Sie griffen tatsächlich auf den Quellcode zu", räumte Ballmer am Freitag ein. Sie hätten diese aber nicht manipulieren können. Die Codes seien unversehrt geblieben.

Das klang anfangs noch anders. Ballmer hatte zunächst beteuert, dass die Hacker keinen Zugang zu wichtigen Microsoft-Programme gehabt hätten. Inzwischen hat der Konzern die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet.

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, die Hacker hätten Quellcodes der neuesten Versionen des Betriebssystems Windows und des Programmpakets Office gestohlen. Diese Codes sind die von den Software-Herstellern streng gehüteten Grundlagen der fertigen Computer-Programme.

Die Spur führt nach Russland

Laut "Wall Street Journal sei der Hackerangriff von Sicherheitsexperten bei Microsoft aufgedeckt worden. Sie hätten zunächst festgestellt, dass Passwörter ferngesteuert an eine E-Mail-Adresse im russischen St. Petersburg weitergeleitet worden seien. Dann hätten sie heraus gefunden, dass diese Passwörter dazu benutzt worden seien, Quellcodes aus dem Microsoft-Netzwerk herauszuschicken. Bei dem Angriff hätten die Hacker ein als Trojanisches Pferd bezeichnetes Programm verwendet.

In Anlehnung an den griechischen Mythos wird als Trojanisches Pferd eine scheinbar harmlose Datei bezeichnet, die an unwissende Empfänger geschickt wird. In der Datei ist jedoch ein Programm-Code versteckt, der den Computer des nichts ahnenden Benutzers manipuliert, wenn dieser die Datei öffnet. Über einen solchen verdeckten Zugang können Hacker dann leichter an gespeicherte Informationen herankommen oder sogar unbefugt zerstörerische Programme installieren.

Der Hack dauerte über Wochen

Dem "Wall Street Journal" zufolge sollen die Hacker drei Monate lang die Möglichkeit besessen haben, auf den Quelltext zuzugreifen. Ein Informant berichtete hingegen der Nachrichtenagentur AP, es habe sich höchstens um einen Zeitraum von fünf Wochen gehandelt. Inzwischen, so Microsoft, hätten die Hacker ihre Angriffe gestoppt.

"Wir versuchen immer noch herauszufinden, was genau geschehen ist", sagte Firmensprecher, Rock Miller. "Dies ist ein bedauerlicher Akt von Industriespionage und wir werden alles tun, um unser geistiges Eigentum zu schützen."



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