Mikrochips Mit Nanotechnologie gegen Atom-Kraft

Kleiner, schneller, sparsamer: Mit dem Nano-Prozessor will die taiwanesische Chip-Schmiede Via Technologies dem Prozessor-Primus Intel Paroli bieten.


Ganz ohne Geiz: Sparsamkeit ist in. Das gilt auch für Computerchips. Der taiwanesische Konzern Via Technologies hat jetzt einen PC-Prozessor vorgestellt, der schnell genug ist, um Multimedia-PCs anzutreiben, dabei aber bedeutend weniger Energie verbraucht als die sonst üblichen Chips. Zudem soll das "Nano" getaufte Rechenwerk so winzig sein, dass es auch in sehr kleinen Geräten Platz findet. Die Idee erinnert an den auf der Cebit von Intel vorgestellten Atom-Prozessor - weist aber doch einige wichtige Unterschiede auf.

Mit dem Vorgängerchip, dem Via C7, hat sich das Unternehmen seit langem eine komfortable Nische in der PC-Branche erobert. Etliche Hersteller, die ihre PC-Produkte möglichst sparsam und leise konstruieren wollten, griffen auf den asiatischen Spar-Prozessor zurück. Dessen Leistung reichte zwar nicht für Highend-Spiele und knickte auch schon mal bei der Wiedergabe von HD-Videos ein, dafür war er vergleichsweise günstig, begnügte sich mit wenigen Watt und war entsprechend leicht und leise zu kühlen.

Doch so wahnsinnig sparsam ist der Nano genaugenommen gar nicht, zumindest wenn man ihn mit Intels Atom vergleicht. Während der Intel-Chip sich je nach Taktfrequenz mit 0,6 bis 2,5 Watt Leistungsaufnahme begnügt, zieht der Nano schon in der kleinsten, mit 1 Gigahertz getakteten Ausführung unter Volllast fünf Watt aus der Leitung. Die schnellste Variante genehmigt sich unter Volllast sogar stattliche 25 Watt - was im Vergleich zu Intels Core Duo oder AMDs Athlon allerdings durchaus beachtlich ist.

Zudem, so verspricht es zumindest der Hersteller, kann man mit dem 64-Bit-Chip auch Blu-ray-Filme anschauen und aktuelle 3D-Spiele daddeln. Als Beispiel nennt das Unternehmen den recht leistungshungrigen 3D-Shooter "Crysis".

Das Open-Source-Laptop

Anders als Intel peilt Via allerdings auch nicht die besonders kleinen und leichten mobilen Geräte als Träger des neuen Chips an. Stattdessen soll der Nano den bekannten PC- und Notebookkonzepten neues Leben einhauchen. Ein Beispiel dafür, wie so etwas aussehen könnte, hat der Konzern selbst gerade erst vorgestellt, das sogenannte OpenBook.

Dabei handelt es sich um ein Notebook, dessen Design und Technik Via anderen Herstellern unter Open-Source-Lizenz kostenlos zur Verfügung stellt. So sollen auch kleine Firmen in die Lage versetzt werden, leichte, kleine Laptops ohne großen Aufwand zu konstruieren und herzustellen - natürlich mit Chips, die sie bei Via einkaufen sollen.

Noch aber sind sowohl Nano-Prozessor als auch OpenBook nur Ankündigungen. Erste echte Produkte auf Basis des neue Via-Chips sollen im dritten Quartal des Jahres auf den Markt kommen.

mak



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