Mobile Internet Noch zu langsam, zu teuer?

"WAP" krankt an den von der Industrie selbst geschürten überhöhten Erwartungen. Es herrscht "Wapathie", weil WAP nicht den versprochenen Spaß bringt. Das muss es aber auch gar nicht, um sinnvoll zu sein.


Verheißung: Multimedia-Handys sollen den Markt aufrollen
DPA

Verheißung: Multimedia-Handys sollen den Markt aufrollen

Wenn über die derzeitigen Möglichkeiten des Internet-Zugangs per Handy gesprochen wird, verfinstert sich bei vielen Experten das Gesicht. Ein "Rohrkrepierer" sei das Ganze in der momentanen Form, heißt es etwa. Und eine Hamburger Internet-Firma bezeichnet das Handy-Internetprotokoll WAP (Wireless Application Protocol) in der aktuellen Form zum mobilen Surfen als "schlicht unbrauchbar".

Dabei wird nicht bestritten, dass das mobile Internet eine Zukunft hat - nur mache dies derzeit per WAP keinen Spaß. Zu langsam und zu teuer, lauten dabei die Argumente. Und die Displays der Handys seien fürs Surfen ungeeignet. Die "New York Times" diagnostizierte unlängst gar "Wapathie".

Dabei ist Spaß - in der Szene spricht man von "User Experience" - nicht überall der entscheidende Faktor. Unternehmen nutzen schon jetzt WAP, um Mitarbeiter, die besonders auf Mobilität angewiesen sind, mit Informationen zu versorgen.

Spaß muss nicht sein

So können ZDF-Journalisten über ihre WAP-Handys auf das hausinterne Informationssystem "Sphinx" zugreifen. "Der Anstoß dafür ist aus der Auslands-Redaktion gekommen", sagt der ZDF-Verantwortliche für das System, Helmut Kleinoeder. Die Journalisten an ihren Einsatzorten hätten die Recherche per Laptop unpraktisch gefunden und vorgeschlagen, einen WAP-Zugang einzurichten.

Momentan könne per Handy auf die neuesten Agenturmeldungen zugegriffen werden, die Möglichkeiten sollten jedoch noch in diesem Jahr erweitert werden. Dann sollen sich Journalisten des Fernsehsenders mit ihren Handys einen Überblick über die Nachrichtenlage zu einem bestimmten Ereignis verschaffen können.

Realität: Schicke WAP-Handys, die zwar nützlich sein mögen, aber zu wenig "Spaß" bringen
GMS

Realität: Schicke WAP-Handys, die zwar nützlich sein mögen, aber zu wenig "Spaß" bringen

Alle Agenturmeldungen und Zeitungen- und Zeitschriftenberichte zu einem bestimmten Ereignis sollen in einem virtuellen Aktenordner zusammengefasst werden, der auch über WAP zugänglich sein soll. Journalisten vor Ort hätten damit einen schnellen Zugriff auf die Berichte zu dem Thema, über das sie gerade berichteten, hofft Kleinoeder.

Das Sendungsverfolgungsystem Loon Logistics bietet seinen Partnerunternehmen ebenfalls einen WAP-Zugang zu seiner Internet-Plattform an. Alle Unternehmen mit Lkw-Flotten nutzten WAP, sagt Loon-Geschäftsführer Carsten Scheel. Insgesamt seien seit Februar vergangenen Jahres Hunderte von WAP-Handys im Einsatz. "Wenn ein Lkw-Fahrer im Stau steckt, meldet er per WAP die voraussichtliche Verzögerung", sagt Scheel. "Die Empfänger der Sendungen, die hinten im Laster liegen, werden dann per E-Mail benachrichtigt."

Auch die Annahme-Bestätigung für eine Sendung werde per WAP ins System eingegeben. Insgesamt seien gute Erfahrungen mit der Technik gemacht worden, das Problem seien die Endgeräte: "Die Handys sind einfach zu filigran."

Trotz "Wapathie" sagen Experten dem mobilen Internet auch im Konsumentenmarkt eine große Zukunft voraus. Der Vorstandschef der wireless vision AG, Knut Föckler, vergleicht die Lage mit der Internet-Akzeptanz Mitte der 90er Jahre. "Der Damm wird brechen, und ich glaube schneller als bei der Akzeptanz des Internet", sagt Föckler, dessen Unternehmen mobile Angebote zur Kundengewinnung und Kundenpflege entwickelt.

Föckler, einst MSN-Deutschland-Chef und später Leiter des Geschäftsbereichs Multimedia der Deutschen Telekom, vermisst bei WAP-Angeboten noch die usrichtung auf das neue Medium. "Jedes Medium braucht spezielle Formen des Angebots", sagt Föckler. In Themen und Darstellung müssten sich die Angebote an den Besonderheiten des Mediums ausrichten. "'Made for the Medium' muss sich durchsetzen."

Zusätzlich seien höhere Übertragungsraten nötig, die aber mit GPRS und UMTS verfügbar würden. Für den Moment setze sein Unternehmen eher auf SMS-Dienste. Ein Internet-Zugang über UMTS wird um ein Vielfaches schneller sein als über ISDN oder analoge Modems. GPRS ist eine Zwischenstufe auf dem Weg zu UMTS, die ebenfalls deutlich höhere Übertragungsraten als die heutigen Mobilfunknetze bietet. Als erster deutscher Mobilfunkbetreiber will die deutsche Telekom ab dem 1. Februar GPRS einführen.

Die Netzbetreiber haben zudem ein großes eigenes Interesse, der Technologie zum Erfolg zu verhelfen. Sie haben jeweils rund 16 Milliarden Mark für eine UMTS-Lizenz ausgegeben, und der Aufbau der Netze wird jeden Betreiber weitere Milliarden kosten. Für den Ausbau für GPRS musste jeder Netzbetreiber dagegen nach Schätzung von Branchenexperten nur mehrere hundert Millionen Mark ausgeben.

Niclas Mika, reuters



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