Moderne Kriegsführung Roboterinsekten als Kampf-Kundschafter

Spinnen, Schlangen, Libellen: Das Schlachtfeld der Zukunft soll nicht mehr von riesigen Kampfmaschinen, sondern von Kriechtieren und winzigen Roboterinsekten bevölkert werden. Im Auftrag der US-Armee werden jetzt die ersten Drohnen nach Vorbildern der Natur entwickelt.


Insekten sind dem Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen: Sie sind oft schneller und robuster als wir trägen Säugetiere - nicht zuletzt aber sind sie kleiner. Diese Eigenschaften will sich auch das US-Militär zunutze machen: Es plant, winzige Roboterinsekten einzusetzen. Doch nicht als Kampfmaschinen sollen die elektronischen Kleintiere eingesetzt werden. Stattdessen, so der Plan, sollen sie Soldaten aus Fleisch und Blut frühzeitig über drohende Gefahren informieren, ihnen einen Überblick über das Kampfgeschehen liefern und versteckte Gegner aufspüren.

Immerhin 38 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 24,5 Millionen Euro, investiert die U.S. Army in ein entsprechendes Forschungsprojekt. Den Auftrag bekam ein Konsortium aus dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems und drei Universitäten zugesprochen. Unter dem Titel "Micro Autonomous Systems and Technology" (Mast) wollen die Forschungspartner die ersten autonom agierenden Kunst-Insekten entwickeln.

Wie deren Einsatz in der Praxis aussehen soll, zeigt das Konsortium in einem computeranimierten Videofilm. Darin zu sehen: Soldaten, die statt eines Tornisters ein kleines Einsatzfahrzeug voller Mini-Roboter auf dem Rücken tragen. Mit Hilfe des Mini-Panzers sollen die Elektro-Insekten risikolos in die Gefahrenzone gebracht werden.

Nur eine Viertelstunde Batterielaufzeit

Das ferngelenkte Raupenfahrzeug ist offenbar eine pragmatische Lösung, die der Erkenntnis entspringt, dass winzige Roboter nur winzige Batterien mit sich herumtragen können und eine entsprechend kurze Einsatzphase haben. In aktuellen Forschungsprojekten sind Batterielaufzeiten von 15 Minuten das Maß der Dinge. Für viel mehr als kurze Erkundungstouren dürften die geplanten Robbis also nicht taugen.

Im Kampfgebiet abgesetzt sollen sie eigenständig agieren, also ohne weiteres Zutun der Truppen die Gegend auskundschaften. Mit Hilfe integrierter Minikameras würden die elektronischen Helfer beispielsweise Bilder aus schwer zugänglichen Gebäuden, aus Erdhöhlen oder Bunkerschächten übertragen, ohne dabei vom Feind entdeckt zu werden.

In der Vision der Forscher werden den Soldaten die Kamerabilder direkt auf ein Display am Arm übertragen. So sollen sie entscheiden, ob wirklich keine Gefahr besteht - oder ob sie vielleicht doch lieber ferngelenkte Raketenunterstützung anfordern. Alternativ können die Drohnen auch mit Sensoren anstelle einer Kamera ausgerüstet werden. Die könnten beispielsweise dazu dienen chemische, biologische oder atomare Waffen aufzuspüren.

Hört sich alles nach Videospiel an, sieht im Firmenvideo auch so aus, ist aber keins.

Mindestens fünf Jahre Entwicklungsphase

Einen konkreten Zeitplan, wann die ersten elektronischen Insekten den Dienst antreten sollen, hat das Mast-Konsortium nicht veröffentlicht. Einige Jahre dürfte die Entwicklung allerdings dauern. Das deutet zumindest ein kurzer Nachsatz in einer Pressemitteilung von BAE Systems an, in dem es heißt, die Zusammenarbeit der vier Partner sei vorerst auf fünf Jahre angelegt - mit der Option, im Anschluss gleich noch weitere fünf Jahre gemeinsam zu forschen.

Und diese Zeit werden sie brauchen - mindestens. Schließlich forschen schon jetzt an diversen Instituten rund um den Globus etliche Wissenschaftler an künstlichen Insekten. Deren Fähigkeiten sind allerdings noch weit von dem entfernt, was sich das Mast-Konsortium vorstellt. Jean-Christophe Zufferey von der ETH Lausanne beispielsweise hat schon einen winzigen Flugroboter entwickelt, der selbständig durch die Luft wirbeln kann.

Doch dieser Trick funktioniert bisher nur in einem mit speziellen Orientierungsmarkierungen versehenen Raum. Bis der sich auch auf unbekanntes Terrain vorarbeiten kann, wird es noch eine Weile dauern. "In fünf Jahren haben wir hoffentlich einen Roboter, der in einem normalen Büro klarkommt", schätzt Zufferey - hoffentlich wird der dann ein friedlicher sein.

mak



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Frank Wagner, 05.05.2008
1. Schon bei Lem zu lesen.
Schade das Stanislaw Lem nicht mehr erleben konnte wie diese Vision Wirklichkeit wird. Allerdings hat er gut vorgezeichnet wie es weiter gehen wird. Die Miniaturisierung wird immer weitere Bereiche der Kriegsführung erfassen. Man stelle sich hunderte oder tausenden von Drohnen vor, die ins feindliche Hinterland eindringen und dort Anlagen und Waffensysteme sabotieren. Irgendwann wäre vermutlich sogar eine natürliche Evolution dieser Maschinen vortstellbar.
Emmi 05.05.2008
2. Die Menschheit gräbt sich ein weiteres Grab...
Zitat von Frank WagnerSchade das Stanislaw Lem nicht mehr erleben konnte wie diese Vision Wirklichkeit wird. Allerdings hat er gut vorgezeichnet wie es weiter gehen wird. Die Miniaturisierung wird immer weitere Bereiche der Kriegsführung erfassen. Man stelle sich hunderte oder tausenden von Drohnen vor, die ins feindliche Hinterland eindringen und dort Anlagen und Waffensysteme sabotieren. Irgendwann wäre vermutlich sogar eine natürliche Evolution dieser Maschinen vortstellbar.
Und in ein paar Tausend Jahren landen dann Außerirdische auf der Erde und finden nur noch eine Maschinenfauna vor. Von uns Menschen künden dann allenfalls noch ein paar Ruinen. Ob es denen dann so ergeht wie dem "Unbesiegbaren"...?
Derukugi, 05.05.2008
3. Hingespinste
Wieder einmal bereitet sich das Militär auf das Kampffeld von gestern vor. Diese ganzen Hightech-Fisematenten waren sinnvoll, als sich dich organisierten Armeen des Ost- und Westblocks gegenüberstanden. Heute wird die westliche Welt von der mittelalterlichen Gesellschaftsform des Islam angegriffen. Aber dieser Kampf findet nicht militärisch statt, sondern mitten in unseren Städten, durch Demografie, Einwanderung, und vorauseilende Unterwerfung. Und elektronische Kampfinsekten brauchen wir dafür so nötig wie wie Fisch ein Fahrrad.
systemfeind 05.05.2008
4. Krieg
Zitat von sysopSpinnen, Schlangen, Libellen: Das Schlachtfeld der Zukunft soll nicht mehr von riesigen Kampfmaschinen, sondern von Kriechtieren und winzigen Roboterinsekten bevölkert werden. Im Auftrag der US-Armee werden jetzt die ersten Drohnen nach Vorbildern der Natur entwickelt. http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,551396,00.html
Da der Krieg inzwischen als Vater der Dinge anerkannt wurde sollten wir uns mit den Möglichkeiten der Nanotechnologie befassen , gerüchteweise soll es in den us&a Zentren geben welche sich mit der rassisch - selektiven -biologischen Kriegsführung befassen
systemfeind 05.05.2008
5. Maschine
Zitat von sysopSpinnen, Schlangen, Libellen: Das Schlachtfeld der Zukunft soll nicht mehr von riesigen Kampfmaschinen, sondern von Kriechtieren und winzigen Roboterinsekten bevölkert werden. Im Auftrag der US-Armee werden jetzt die ersten Drohnen nach Vorbildern der Natur entwickelt. http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,551396,00.html
ich bin kein Fan der amerikanischen Filmindustrie , dennoch möchte ich die fiktionale Figur "Agent Smith" zitieren :Der Mensch ist ein Virus . Natürlich kann man dies nur einen Filmbösewich sagen lassen , immerhin sind die "guten" Widerständler Angehörige von ZION (diese leben unterirdisch ....) Smith ist "böse" , aber objektiv . Vermutlich würden die Maschinen im Märchen "Matrix" den Endsieg erringen da diese einfach besser ,schneller und rationeller operieren .( die Regie wollte es nicht ) EVOLUTION ( Werbespruch der IBM - Deutschland / Sindelfingen 1972 :Besser,schneller ,rationeller , VV einreichen ) Lochkarten gabs auch schon früher ......
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