Musikindustrie Kampf den "Kakerlaken"

Erfolgreiche Musik-Abodienste sind nur denkbar, wenn es der Industrie gelingt, die kostenfreien Börsen aus dem Netz zu drängen. In der nächsten Runde Industrie gegen P2P landen nun MusicCity und Grokster vor Gericht.


Auf der "Abschussliste" der Musikindustrie: MusicCity

Auf der "Abschussliste" der Musikindustrie: MusicCity

"Im Augenblick", sagt Ric Dube vom Marktforschungsunternehmen Webnoize, "töten die nur Kakerlaken".

"Die", das ist die Musikindustrie. Und die "Kakerlaken"? Das sind natürlich all die kleinen, mittelgroßen, richtig großen, mäßig, stetig, viel zu schnell wachsenden P2P-Börsen, die sich anschicken, Napster zu beerben.

Napster beerbt man, indem man eine Plattform zur Verfügung stellt, über die sich Dateien tauschen lassen. Musik und Filme zum Beispiel: Auf diese Möglichkeit ist auch die Industrie scharf. Nur würde die - aus durchaus verständlichen Gründen - gern Geld für ihre Ware sehen. Doch die Erben Napsters wollen nicht zahlen. Sie boomen nur, so lang sie ihren Nutzern nicht in die Tasche greifen.

Das aber hat die Musikindustrie vor, so schnell wie möglich. Napster geriet erst unter die Räder der Justiz, dann in Abhängigkeit von Bertelsmann, dann aufs Abstellgleis und steht nun wieder in den Startlöchern, den Kampf

um Abonnenten zu beginnen. Alle großen Labels signalisierten mittlerweile, dass sie - eine entsprechende Zahlung vorausgesetzt - ihre Ware auch über Napster feilbieten würden. Auch, weil alle Konzerne nebenbei an eigenen Lösungen stricken.

Doch all das kann man getrost vergessen, so lang es draußen im Web noch von P2P-Börsen wimmelt. Gegen gleich drei Unternehmen reichten die Lobbyorganisationen von Film- und Musikindustrie nun Klage ein. MusicCity, Grokster und Consumer Empowerment sind nach der Definition von Ric Dube Kakerlaken, die es auszurotten gilt. Dabei gibt es jedoch ein Problem, wie auch Dube bemerkt: "Es wird immer Kakerlaken im Haus geben".

Sprich: Sobald die von Consumer Empowerment entwickelte und an MusicCity und Grokster lizensierte P2P-Software FastTrack vom Markt gefegt sei (wenn das überhaupt gelänge), fänden sich in kürzester Zeit "ein paar clevere Kids", die das Programm schlicht nachprogrammierten. Einmal ganz davon abgesehen, dass Open-Source-Entwicklungen wie Ogg Vorbis (als Konkurrenz zu mp3) in Verbindung mit verteilten Netzwerken wie Freenet die Sache auch nicht leichter machen. Schon mit den zahlreichen Gnutella-Varianten kommt die Musiklobby nicht zurecht - geschweige denn mit der steigenden Zahl Gnutella-basierter Netzwerke.

Grokster: Bald schon groggy?

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Die sind nämlich, im Gegensatz zum effektiven, aber sehr verletzlichen Napster, nicht zentral organisiert: Es gibt keine "Mitte". Und damit auch niemanden, den man als "verantwortlich" verklagen könnte.

Am Ende könnte die Geschichte also so ausgehen, wie sie im Internet nur allzu oft endet: Die kommerziellen Versuche scheitern, das heiter kommunizierende Web hingegen boomt und blüht. Davon hat aber keiner was, außer den Usern. Offen bleibt dann nur die Frage, wer die Zeche am Ende zahlt.

Frank Patalong

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