Napster-Chef Hank Barry Wir leben noch!

Ende der Funkstille: Napster-Chef Hank Barry mischt sich erstmals seit Wochen ein in die Diskussion ums Napsters "Tod auf Raten". Noch immer, sagt Barry, nutzten Millionen Menschen den Dienst. Was soll er auch sonst sagen?

Los Angeles - Napster-Chef Hank Barry hat Berichte über den Niedergang der Online-Tauschbörse als "übertrieben" zurückgewiesen. Täglich, so Barry, nutzten nach wie vor Millionen Menschen Napster zum kostenlosen Tausch von Musiktiteln.

Das stimmt, sie versuchen es zumindest. Aus den in dieser Woche durch das Marktforschungsunternehmen Webnoize veröffentlichten Zahlen über die Nutzung von Napster lässt sich nämlich auch eine nicht ganz unwichtige Tatsache ablesen: Die User suchen und tauschen mit sinkendem Erfolg. Was die Nutzerzahlen noch hoch halte, so eine Münchner Napster-Userin, sei "Napsters unglaubliches Geschick, die Leute in Chats zu ziehen".

Tatsächlich sorgt die diskutierende Gemeinde in den Napster-Foren für relativ regen Datenverkehr - ein Kunststück des Napster-Managements, das die Marke selbst dann noch für eine Weile wird überleben lassen, wenn der P2P-Dienst wirklich nichts mehr zu bieten hat.

Das Forschungsinstitut Webnoize hatte in dieser Woche mitgeteilt, die Zahl der über Napster getauschten Titel sei in Folge eines gerichtlich verfügten Filters im April um 36 Prozent niedriger gewesen als im März. Napster muss nach dem Urteil eines US-Bezirksgerichtes vom 5. März alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel aus dem Angebot entfernen.

Doch Barry hält dagegen: Auch wenn 80 Prozent der Titel durch die Inhaber der Urheberrechte blockiert seien, nutzten fast acht Millionen Menschen täglich Napster. Und nutzt die günstige Gelegenheit für ein paar Friedenssignale an die Musikindustrie: Diese Nutzer seien die besten Kunden der Plattenindustrie. 40 Prozent der Napster-Nutzer hätten Umfragen zufolge angegeben, in den vergangenen sechs Monaten zehn oder mehr CDs gekauft zu haben. Wie viel sie kauften, als Napster noch voll funktionierte, verriet Barry nicht.

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